Ausdrücklich keine politische Veranstaltung soll das Jahresauftakt-Treffen sein, das die Wählergemeinschaft (WG) Haßberge immer im Januar für aktuelle und frühere Mandatsträger organisiert. Vielmehr soll der persönliche Austausch im Mittelpunkt stehen. Das Treffen war dennoch alles andere als unpolitisch, denn es begann mit einem Besuch im neuen Dokumentationszentrum Landjudentum "Jüdische Lebenswege" in Kleinsteinach.


Mit EU-Mitteln verwirklicht

Birgit Bayer führte durch das Haus. Die WG-Fraktionsvorsitzende im Kreistag ist ehrenamtlich im örtlichen Arbeitskreis engagiert, der das Museum mit Fachleuten realisierte. Viel Material hat Cordula Kappner aus ihren Forschungen beigesteuert. Finanziert wurden die Sanierung des Hauses und die Einrichtung der Dauerausstellung über das europäische Leader-Förderprogramm und das Amt für ländliche Entwicklung. Die Besucher zeigten sich sehr beeindruckt sowohl von der Geschichte Kleinsteinachs, das Anfang des 19. Jahrhunderts als "Klein Paris" in den Haßbergen galt, als auch von der multimedialen Umsetzung.

1817 waren sage und schreibe 38 Prozent der Kleinsteinacher Bevölkerung jüdischen Glaubens, das Miteinander funktionierte bestens, die christlichen und jüdischen Kinder besuchten sogar gemeinsam die Schule, christliche Steinmetze fertigten jüdische Grabsteine für den Bezirksfriedhof, der sich noch heute in Kleinsteinach befindet und zum Museumskonzept gehört.


Einst ein friedliches Miteinander

"Wenige Jahre haben zunichte gemacht, was an friedlichem Miteinander hier über 200 Jahre lang gut funktioniert hat", leitete Bayer zum Erstarken des Nationalsozialismus über. Viele jüdische Familien hatten im Ort Geschäfte. Wer im Landkreis gute Stoffe kaufen wollte, kam nach Kleinsteinach. Die meisten Familien gingen weg, bevor Zwang ausgeübt wurde, die letzte Familie war die von Moritz Israel Naumann. Den ältesten Sohn konnten sie noch nach England schicken, doch wegen der Pflege der Eltern blieben Moritz Israel und seine Frau und wurden schließlich deportiert.

Multimedial ist die Geschichte des Landjudentums in der Ausstellung aufbereitet, beginnend mit der Vertreibung der Juden aus den Städten im 16. Jahrhundert. Die Besucher sehen Bilder, Dokumente, einen Türstock mit Abdruck einer Mesusa - und sie hören Zeitzeugenberichte von Kleinsteinachern, die als Kinder das Miteinander mit den jüdischen Nachbarn erlebt hatten. Zum "Museum" gehört ein Rundgang durch den Ort und hin zum jüdischen Bezirksfriedhof, auf den die Besucher Informationen gedruckt oder auf einem Tablet mitnehmen können. Nahezu jedes dritte Haus im Ort erzählt auf diesem Rundgang eine jüdische Geschichte.

WG- Vorsitzender Peter Klein zollte allen Verantwortlichen höchste Anerkennung für dieses Haus und für die Umsetzung, die so spannende Zugänge und so tiefe Einblicke ermöglicht. Viele der Teilnehmer beschlossen während der Führung, mindestens noch einmal wiederzukommen und sich intensiv mit den Geschichten zu beschäftigen. Der Besuch mündete in Gespräche über das Thema "Miteinander von Kulturen". Und so wurde für alle Teilnehmer deutlich, dass man gerade in politischen Ämtern Gegenwart und Zukunft nur gestalten kann, wenn man sich auch mit der Geschichte auseinandersetzt.

Abschließend lud Peter Klein zum Politischen Aschermittwoch der Kreis-WG mit der ÜZL in Zeil ein: 10. Februar, 19 Uhr im "Zeiler Esszimmer".