Verprügelte der neue Mann seine ehemalige Frau und die drei Kinder, die mit in der neuen Familie leben? Nach einem konkreten Verdacht in diese Richtung machte sich am 1. September vorigen Jahres - es war ein Samstag, abends gegen halb elf - der 35-jährige Angeklagte auf den Weg zu seiner Ex-Frau. Mit dabei waren zwei Kumpels. Am Ziel angekommen, kam es nach einem Gerangel zu einer Prügelei zwischen den Eheleuten auf der einen und dem "Rollkommando" auf der anderen Seite. Da sich nicht klären ließ, wer damit angefangen hatte, stellte das Amtsgericht Haßfurt am Freitag das Verfahren wegen Körperverletzung gegen die drei Angeklagten mit jeweils einer geringen Geldauflage ein.
Der Hauptangeklagte arbeitet bei einer Firma in Oberfranken. Er ist der Vater der drei Kinder, die bei der Mutter und dem neuen Mann in einem kleinen Dorf in den Haßbergen leben.

Spannungen in der Familie?

Bereits vor dem Übergriff gab es massive innerfamiliäre Spannungen. So schilderte die Ex-Ehefrau im Zeugenstand, dass es wenige Tage vor dem Showdown zu einem heftigen Streit gekommen sei. Ihr neuer Mann hatte Zoff mit der achtjährigen Tochter. Daraufhin habe sie deren Vater, also ihren geschiedenen Mann, angerufen und ihn gebeten, vorübergehend die Tochter zu sich zu holen.
Vom Amtsrichter Roland Wiltschka gefragt, bezeichnete sich der neue Familienvater als streng. Wenn die Kinder nicht folgen, sagte er, gebe es schon mal "einen Klaps auf den Hintern". Seine jetzige Frau aber würde er nicht schlagen, in der Familie sei "eigentlich alles in bester Ordnung".
Ein etwas anderes Bild ergab die Vernehmung der dreifachen Mutter. Als das Gericht ihr die selbe Frage stellte, machte sie von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch. Offenbar herrschen in der Familie mitunter ziemlich raue Sitten.

Zur Rede gestellt

An dem fraglichen Abend jedenfalls stellte der Ex-Ehemann seinen Nachfolger aufgebracht zur Rede. Natürlich stritt der alles ab, und dann ging die verbale Auseinandersetzung in eine Prügelei mit etlichen Ohrfeigen auf beiden Seiten über. Wer den ersten Schlag setzte und wer danach in Notwehr handelte, ließ sich nicht ermitteln. Da es weder blaue Flecken noch sonstige Blessuren gab, kann es nicht "ganz so schlimm" gewesen sein, meinte der Strafrichter. Wegen geringer Schuld stellte daher das Gericht das Verfahren gegen die drei Beschuldigten vorläufig ein. Sie müssen lediglich bis 20. Juni jeweils eine geringe Geldauflage leisten: der Hauptangeklagte 200, die anderen beiden je 150 Euro. Über die kleine Geldzuwendung freuen darf sich das Kinderheim St. Josef in Eltmann. Sobald der Betrag bezahlt ist, wird das Verfahren endgültig eingestellt.
"Lassen Sie solche Rollkommando-Aktionen zukünftig, damit lösen Sie keine Probleme, sondern schaffen bloß neue!", schrieb Richter Wiltschka den drei Männern ins Stammbuch.