Der Mix aus Tabletten, Marihuana, Alkohol und Depressionen ließ einen 48-Jährigen aus dem nördlichen Landkreis am 3. Februar dieses Jahres austicken. Zunächst fiel er um die Mittagszeit auf dem Parkplatz eines Eberner Baumarkts durch seine halsbrecherische Fahrweise auf, bei der es zu einer Fast-Kollision mit einem anderen Verkehrsteilnehmer kam. Als er daheim ankam, beschädigte er beim Einparken das Fahrzeug seiner Nachbarin, wobei ein Schaden von 1600 Euro entstand.

Weil er dann gegenüber seiner Schwester, die im selben Haus wohnt, seinen Selbstmord angekündigte und damit drohte, alles "kurz und klein" zu schlagen, wählte die Schwester den Notruf der Polizei. Als die Beamten kurz darauf eintrafen, hatte sich der 48-Jährige in seinem Zimmer verbarrikadiert, hörte laut Musik und ließ dabei den Staubsauger laufen. Erst als ein Beamter die Hauptsicherung kippte, war Ruhe und die Beamten versuchten mit dem Suizidgefährdeten, der schon einmal versucht hatte, sich das Leben zu nehmen, zu sprechen. Doch der wollte nur in Ruhe gelassen werden.

Er weigerte sich, die Wohnungstür zu öffnen, und verstellte sie mit Bierkästen. Als dann ein Beamter die Tür eintrat, sah der Beamte, wie der 48-Jährige mit einer Machete in der erhobenen Hand auf ihn zulief. Der Polizist hatte seine Waffe in der linken Hand und das Pfefferspray in der rechten Hand. Er entschied sich - zum Glück für den Angreifer - für den Einsatz des Pfeffersprays und verließ rasch mit seinem Kollegen das Haus. Der 48-Jährige flüchtete über ein Fenster ins Freie, durchquerte bei seiner Flucht einen Bach und konnte später in einem Waldstück völlig durchnässt festgenommen werden. Er kam in ein Krankenhaus. Jetzt musste sich der bislang völlig unbescholtene Mann am Amtsgericht in Haßfurt verantworten. Über seinen Verteidiger Jürgen Borowka ließ er verlauten, dass er durch einen Streit am Vormittag aufgewühlt war. Mit der Machete habe er die Tür verriegeln wollen. Erst als er daheim ankam, habe er zweieinhalb Flaschen Bier getrunken, die sich mit den zuvor eingenommenen Tabletten nicht vertrugen. Neben einem geringen Alkoholgehalt von unter 0,5 Promille befanden sich auch 7,8 Nanogramm THC (Cannabis) im Blut des Angeklagten, die nach Aussage eines Rechtsmediziners eine "akute Wirkung" entfalteten - vor allem im Zusammenwirken mit den eingenommenen Tabletten, dem Alkohol und dem psychischen Ausnahmezustand, in dem sich der Angeklagte befand.

Das Gericht stellte den Vorwurf der Fahrerflucht ein, da der Angeklagte seine Nachbarin über den Unfall benachrichtigte und der Schaden bereits von der Versicherung bezahlt ist. Wegen der Straßenverkehrsgefährdung sowie der Bedrohung und dem Widerstand gegen die Polizeibeamten beantragte der Staatsanwalt eine Geldstrafe in Höhe von 160 Tagessätzen zu 15 Euro (2400 Euro), bei der er den Zustand des Angeklagten strafmildernd berücksichtigte. Außerdem beantragte der Anklagevertreter eine Fahrsperre von weiteren sechs Monaten.

Verteidiger Borowka betonte, dass sein Mandant keine Ausfallerscheinungen zeigte. Zudem habe der Gesetzgeber keine Obergrenze beim THC-Wert festgelegt, mit dem man am Straßenverkehr noch teilnehmen dürfe. Außerdem hätten die Polizeibeamten keinen Grund für ihre Anwesenheit genannt, weshalb der Angeklagte die Tür nicht öffnete. Der Anwalt hielt daher eine Tagessatzhöhe von 90 Tagessätzen, mit der sein Mandant als nicht vorbestraft gelten würde, für angemessen.

Richterin Ilona Conver verhängte eine Geldstrafe in Höhe von 120 Tagessätzen zu acht Euro (960 Euro) für den derzeit Arbeitslosen sowie eine Fahrsperre von noch drei Monaten. Die Tat bezeichnete sie als einen "schweren Ausreißer", bei dem glücklicherweise nicht viel passiert sei. Die Machete und ein Messer, das bei dem Angeklagten auch gefunden wurde, werden eingezogen.