Zusammen mit vier weiteren Vertretern aus seinem Seniorenkreis bot er eine besondere Deutschstunde - eine Mischung aus Dialekt, Brauchtumskunde, Geschichte, Heimatkunde, Biologie, Religion, Tiermedizin und Etymologie. Hochdeutsch kam auch vor.

Dies komprimiert auf 90 Minuten und die Zwölf- bis 13-Jährigen aus Reckendorf, Maroldsweisach, Ebern und Schottenstein hatten ihren Spaß daran. Bei einer Lernzielkontrolle wären mit Sicherheit beste Ergebnisse herausgekommen, so eiferten sie mit, als es um Schemäla, Strapse, Potschambä, Kälberstrick, Meichäla, Sporbrennä und das Austragstübla ging.

"Sehr handlungs-orientiert" fand Deutschlehrerin Diana Brünner-Finke die Vorgehensweise von Peter Kirchner und Alfons Kirchner (72), Blandina Barth (79), Alfons Baum (78) und Lioba Baum (77), die es sich zur Aufgabe gemacht haben, das Erbe der Altvorderen nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.

Und die Schüler löcherten sie mit Fragen, sogar während er Pause. "Keiner weiß mehr, was ein Lügzäpfla is', aber jeder konn' einen Computer bediena", sorgte der Kirchlauter Altbürgermeister erst für große Augen und Staunen im Klassenzimmer.

Was ist denn ein "Mählschäufela"?

Doch er zog sie schnell ein seinen Bann, als er darum bat, ein "Mählschäufela" aus der Vielzahl der Exponate, die er mitgebracht hatte, herauszusuchen. Da sprangen sie auf von ihren Stühlen und gierten nach einem Erfolgserlebnis.

Das Interesse war geweckt. Klar im Vorteil, die Schüler mit landwirtschaftlichem Hintergrund. So wie Philipp aus Gereuth, dessen Opa noch in Kirchlauter lebt. Einen besonderen Souffleur hatte Timo, der neben Alfons Kirchner saß, der beste Tipps gab. "Der hockt ja an der Quelle", klagten die Freunde.

Peter Kirchner zog bei seinem Ausflug in die Vergangenheit ein persönliches Urteil: "Heut' darf niemand jam
mern, denn so gut ist es uns noch nie gegangen." Da halfen griffige Beispiele wie der Sparbrenner (Geizhals), der auf Kerzen verzichtete und Holzspäne anzündete, oder der Fluch vom "Sack-Zement", der eigentlich dem Sakrament galt, den man aber nicht beichten musste.

Und letztlich sorgte Leonie noch mit dem Flädäwisch (dem Gänseflügel) für Sauberkeit auf dem Schultisch. Auch der Unterschied zwischen Wiewälich (kleine Gänse) und Ziebälich (kleine Hühner) wird wohl unvergessen bleiben. "Wir haben Kultur in unsere einstige Kreisstadt gebracht", freute sich Peter Kirchner und seine Mitstreiter bestätigten, dass "das schon interessant gewesen ist und viel nachgefragt wurde. "Für die Kinder war das schon etwas anderes und man hat genau gemerkt, wer noch Bezüge zur Landwirtschaft hat", fand Alfons Kirchner.