Ein Päckchen Zigaretten löste im nördlichen Landkreis einen Familienstreit aus und sorgte für eine blutige Nase. Ein 20-Jähriger schlug seinem Bruder mit einem Baseballschläger ins Gesicht, nachdem der ihn provoziert hatte. Auch die Mutter der beiden Brüder hat dabei etwas abbekommen. Jetzt muss der Angeklagte einen Monatslohn Strafe bezahlen.

An einem Sommerabend im Juli saß die Familie zusammen. Mit einem Kumpel leerte der ältere Bruder des Angeklagten eine Flasche Rum. Es sollte noch auf ein Dorffest in der Region gehen. Der junge Beschuldigte wollte schon vorher wegfahren und ging zu seinem Auto. Der Mutter fiel ein, dass noch die Zigaretten fehlten, und schickte den älteren Bruder los, beim 20-Jährigen danach zu sehen. Dann eskalierte die Situation.
Plötzlich verlangte der Bruder einen Teil der Radioanlage zurück, den der Angeklagte in seinem Auto verbaut hat. Die Endstufe gehöre ihm. Er wollte sie zurück, und das sofort.

Mit Baseballschläger getroffen

"Der war total aggressiv", sagt der 20-jährige Angeklagte in der Verhandlung im Amtsgericht in Haßfurt. Schnell holte er aus dem Kofferraum seines Autos einen Baseballschläger. "Ich wollte ihn mit dem Schläger auf Abstand halten." Der große Bruder ließ aber nicht ab. "Er ist immer größer geworden", beschreibt die Mutter der beiden Männer die Situation an dem Abend im Sommer. Sie wollte dazwischen gehen und sie voneinander lösen. Dann hat die 50-Jährige sogar noch selbst etwas abbekommen. "Als er mich schlagen wollte, hab' ich den Schläger aus Reflex hochgezogen", sagt der Angeklagte. Dabei hat er auch seine Mutter kurz am Kopf getroffen. "Davon hab' ich gar nichts mitbekommen", schildert der Angeklagte leise und senkt seinen Kopf. Nach dem Schlag ging der Bruder mit einer blutigen Nase zu Boden. "Er hat aber nicht voll ausgeholt", sagt seine Mutter.

Der ältere Bruder sei dem Angeklagten körperlich klar überlegen. "Wenn der Alkohol getrunken hat, wird er aggressiv und stichelt", meint die 50-Jährige. Und genau das sei an dem Abend passiert. Auch der Richter sieht das so: "Die eigentliche Aggression ging vom älteren Bruder aus." Ihn beurteilt auch die Jugendgerichtshilfe als aufbrausend. Früher habe sich der Angeklagte davon beeindrucken lassen. Heute habe er mit den Freunden des älteren Bruders nichts mehr zu tun. Außerdem trinke er nicht. "Er war mit der Situation überfordert und er weiß, dass er anders hätte reagieren müssen." Der 20-Jährige sei reumütig und sehe ein, dass sein Verhalten falsch war. "Hätte man bewusst ausgeholt, käme es zu ganz anderen Verletzungen", erläutert der Vertreter der Jugendgerichtshilfe.

Die beiden Brüder hätten den Streit schon unter sich ausgemacht, ist sich die Mutter sicher. Doch der Freund des großen Bruders, ließ nicht locker. "Der hat die Polizei gerufen, gleich drei oder vier Mal", sagt die Mutter des Angeklagten.

Die Brüder gingen sich nach dem Vorfall erst einmal aus dem Weg. "Nach zwei oder drei Tagen haben sie sich wieder vertragen." Trotzdem musste sich der Angeklagte vor dem Schöffengericht in Haßfurt verantworten. Von der blutigen Nase bleibt eine Geldauflage in Höhe von 400 Euro (Monatslohn). Dann wird das Verfahren eingestellt.

Den Baseballschläger hat die Polizei einkassiert. "Der wird zerstört. Aber ich denke, da haben Sie nichts dagegen", erklärt der Richter Martin Kober.