"Ich wüsste nicht, wie mein Fleischerbetrieb weiter laufen könnte, wenn ich meinen Sohl Lukas nicht hätte." Das sagt Metzgermeister Klaus Eisfelder (53), der in Pfarrweisach eine Metzgerei mit Gaststätte und Pension betreibt.


"Mit diesem Beruf hast du wirklich Schwein gehabt"


Es ist ruhig in dem Raum, in dem sie gerade mit der Produktion von Fleisch- und Wurstwaren beschäftigt sind. Jeder weiß, was er zu tun hat, alles geht Hand in Hand. Lukas ist 20 Jahre alt und hat seit März den Meisterbrief. "Mit diesem Beruf hast du wirklich Schwein gehabt - und Rind natürlich auch. Denn als Fleischer stellst du ... mit dem wertvollen Lebensmittel Fleisch echte Köstlichkeiten her, die deinen Kunden das Wasser im Munde zusammenlaufen lassen." Das steht auf der Homepage der Handwerkskammer für Unterfranken. Ist das so, wie sieht Lukas das?

"Schon als Kind war ich in den Ferien viel in unserer Metzgerei, habe meinem Vater zugesehen und manchmal geholfen. Was er gemacht hat, gefiel mir", sagt der 20-Jährige. "Nein, gedrängt hat mich niemand, dazu habe ich mich entschieden, als ich 15 war", versichert er. Nach dem Besuch der Realschule Ebern begann er eine Lehre im elterlichen Betrieb mit Vater Klaus als Lehrmeister.

Für die Meisterprüfung im Fleischerhandwerk besuchte der sympathische junge Mann elf Wochen lang in Landshut die Fleischerschule. "Alles gut gelaufen, ich habe meine Prüfung mit gutem Ergebnis bestanden", sagt Lukas Eisfelder. Dann wird er wird nachdenklich: "Für den Beruf eines Fleischers interessiert sich heute kaum noch jemand, es ist schwer, Azubis zu finden, wir suchen schon seit Oktober 2017", sagt er.


Keiner will mehr früh aufstehen


Woran liegt das seiner Meinung nach? "Es ist wohl so, dass die jungen Leute keine körperlich anstrengenden Arbeiten mehr machen wollen, man muss früh aufstehen, und manch einem liegt dieser Beruf wohl auch nicht", sagt Lukas. Er erzählt weiter, dass seine Mutter Ute an der Berufsschule in Haßfurt nach Lehrlingen für das Fleischerhandwerk gefragt habe. Man habe ihr gesagt, dass sich für September noch kein einziger Berufsschüler angemeldet habe. "Wenn man bedenkt, dass hier die vier großen Landkreise Haßberge, Bad Kissingen, Bad Neustadt und Schweinfurt zusammengefasst sind, macht mich das schon nachdenklich." Ein Blick ins Internet zeigt, dass in vielen Metzgereien im Landkreis Haßberge Fleischerfachkräfte dringend gesucht werden.


Lob von den Feriengästen


"Unser Betrieb steht seit 1965, damals baute mein Vater das Schlachthaus. Ich selber bin 1982 eingestiegen und führe den Betrieb seit 2008", sagt Klaus Eisfelder, der sich über die Berufswahl seines Sohnes freut. Der 53-Jährige sagt aber auch, dass er einen weiteren Mitarbeiter gut gebrauchen könnte. Klaus Eisfelder freut sich, wenn er von Feriengästen hört, dass bei ihm die Wurst "nach was schmeckt", im Gegensatz zu dem, was man so von Großkonzernen bekomme. Vater und Sohn wissen, dass Hygienevorschriften es manchen Familienbetrieben nicht leicht machen. Hier müsse mitunter viel investiert werden.
Für Lukas bietet sein Beruf viel Abwechslung. "Wenn du siehst, was du geschaffen hast, wenn zum Beispiel ein wunderschöner Schinken vor dir liegt, gibt das Zufriedenheit", sagt er. Bei der Wurst und Bratenherstellung könne man sehr kreativ sein. Er experimentiere auch manchmal. "Nur für mich habe ich mal Bratwürste mit Himbeeren hergestellt, auch Leberkäse mit Ananas und Greenberrys habe ich schon gemacht." So etwas sei sehr zeitaufwendig.
Lukas meint auch, dass die Skandale um Gammelfleisch dem Fleischerhandwerk nicht zuträglich waren oder sind. Aber es gebe leider überall schwarze Schafe. "In einem kleinen handwerklichen Betrieb wie unserem ist das ganz anders. Da wird mit der Liebe zum Detail produziert und auf Qualität, nicht auf Masse, geachtet." Die beiden beziehen die Schweine, die sie schlachten nur von Höfen in der Verwandtschaft in Pfarrweisach. "Dadurch wissen wir genau, wie die Tiere gehalten werden."
Wenn jemand unschlüssig sei, ob er den Beruf eines Fleischers ergreifen sollte, könne er gerne ein Praktikum machen. "Das finde ich ganz wichtig", sagt Lukas. Es sei auch nicht mehr Voraussetzung, selber zu schlachten, wenn man das nicht möchte.
Bei Klaus und Lukas Eisfelder scheint der Familienbetrieb vorerst gesichert zu sein, wenngleich sie sorgenvoll blicken, wenn sie an Nachwuchs denken.