Eine Gruppe Jugendlicher verbringt einen ganz normalen Abend im Jugendraum. Was nicht vorhersehbar war ist, dass es ein Abend wird, der das Leben der Jugendlichen verändert, denn ein vermeintlicher Spirituosen-Karton entpuppt sich als Lagerungsort für Fausttextbücher. Aus purer Langeweile beginnen sie, darin zu lesen und amüsieren sich köstlich über Zitate und Ausdrucksform. "Richtig geil" lautet das Urteil, und so steht der Beschluss bald fest, das Stück zu spielen.

Ein uralter Stoff

Faust ,Teil I, eine Tragödie, die um das Jahr 1500 spielt und von Heinrich Faust handelt, einem Wissenschaftler, der nach Wissen strebt und unfähig ist, sein Leben zu genießen. Aus diesem Grund schließt er einen verhängnisvollen Pakt mit dem Teufel und verspricht diesem seine Seele.

Kontrastreich mischen die Schüler berühmte Zitate unter ihre Alltagssprache. Es macht ihnen Spaß und nimmt doch nicht den Ernst von der Sache. Regisseurin Lexi, dargestellt von Leonie Mayer, zeigt sich zu Beginn sichtlich genervt, von der übertriebenen Darstellung, doch mit der Zeit merken alle: "Man kann nur darstellen, was man auch ist". Mit diesem Spiel der Gedanken wachsen sie in die Figuren hinein und finden für sich "eine Rolle fürs Leben". Mit großer Spannung verfolgt das Publikum den Faust in Kurzform. Alles zu bringen, hätte den Rahmen gesprengt.

Im Mittelpunkt Mephisto, dargestellt von Stella Wieman und im Stück als Olivia, die sich trotz aller Zweifel ihrer Freunde, für die männliche Rolle entscheidet. Durch ihr schauspielerisches Talent zieht sie das Publikum in ihren Bann, wie auch Goethes Darsteller Faust. Thommy, gespielt von Sebastian Höfener, will sich anfangs dem Theaterstück entziehen, nachdem er aber aufgefordert wird, den Faust zu übernehmen, blühte er auf.

Nachdem Zaubertrank in der Hexenküche und durch das Antreiben des Teufels wirkt er verjüngt und nähert sich Gretchen. Die, gespielt von Lea Ullrich und im Stück als Nicole, kann sich wegen ihrer naiven Art gut in die Rolle des Gretchen einfühlen.

Dabei stellt sie fest, dass ihre bisherige Liebe zu Andy (Jesse Berthold) nicht das Wahre ist. Andy ist der eifersüchtige Freund der Gretchendarstellerin. Er bemerkt ihre stille Liebe zum Faustdarsteller und haut ab.

Immer mehr finden sich die Jugendlichen in dem "ollen Faust" wieder. Darüber hinaus beeinflusst das Theaterstück sogar die Persönlichkeit, und sie gehen zum Schluss ganz in ihren Rollen auf. Dabei ermöglicht dem Publikum der rege Wechsel zwischen den Gegenwarts- und den Faustszenen einen spielerischen Zugang zum anspruchsvollen Text, bis zum bitteren Ende.

Dazwischen liegen die Szenen zum Trinkgelage in "Auerbachs Keller", in dessen Gemäuer Mephisto seinem Faust zeigt wie leicht es ist, zu leben und sein Leben zu genießen. Oder die Mitnahme zum Hexentanz der Walpurgisnacht auf dem Brocken. Dort amüsieren sich Beide zwischen lüsternen Hexen und anzüglichen Tänzen. Für das Publikum ein Augen- und Ohrenschmaus, zu verdanken den Schauspielerin, die alles geben, um das Unheimliche der Nacht lebendig werden zu lassen.

Gretchen. Es fühlt sich verlassen und einsam. Faust macht Mephisto für das Unglück rund um seine Geliebte verantwortlich. Doch der kontert: Heinrich begehrte und schwängerte sie. Trotz der Gefahr, in die Stadt zurückzukehren, will Heinrich Gretchen aus dem Kerker befreien und bittet Mephisto um Hilfe. Der sagt zwar Hilfe zu, doch letztendlich muss Faust sie selbst retten.

Gretchen aber will sich nicht retten lassen, sie wendet sich ab von Heinrich und sucht die Nähe Gottes. Sie wird von ihren Sünden erlöst und lässt Faust verzweifelt zurück.

Stille im Saal

Dramatik pur am Ende des Schauspiels, Stille im Saal, der Vorhang fällt. Dann kommt der Applaus, der nicht enden will und die zwölfte Klasse für das perfekt inszenierte Stück belohnt.

Erst jetzt scheinen die Schüler richtig zu begreifen, dass sich die Probenzeit lohnte. Diese begann mit einem Theaterwochenende mit der Durcharbeitung des Klassenstückes. Hier ergaben sich die Möglichkeiten zur intensiven Auseinandersetzung mit dem Stück und zur Rollenverteilung.

In den ersten drei Wochen der Probenzeit stand den Schülern nur der Haupt- und Nachmittagsunterricht für die Theaterarbeiten zur Verfügung. Die ersten 40 Minuten nutzte Regisseur Christian Schwaderer für Gruppenübungen, welche die Koordination, Zusammenarbeit und Wachsamkeit sowie die Feinfühligkeit bezüglich des Timings und des Sprechens in Bühnenlautstärke die Schüler stärkten.

Während der restlichen Zeit des Hauptunterrichtes probten sie Stück für Stück die einzelnen Szenen und deren Inszenierung. Durch harte Arbeit und Durchhaltevermögen gelang es der Klasse, eine erfolgreiche und schöne Probenzeit zu erleben. Fazit: "Es hat sich gelohnt."