Posaune und Orgel ist eine nicht allzu häufig anzutreffende Paarung. Dass sich die Instrumente aber bestens ergänzen, sich in den Klangfarben sehr nahestehen und dennoch gut kontrastieren, zeigten die Musiker Harrie Ries (Posaune) und Tjeu Zeijen (Orgel) beim traditionellen klassischen Konzert der Kulturgemeinde Ebelsbach-Eltmann in der Pfarrkirche St. Magdalena.


Der passende Schlusspunkt

Mit einem klassischen und festlichen Konzert wolle man den richtigen Schlusspunkt zum Ende des Jahres 2017 setzen, meinte Matthias Beck für die Kulturgemeinde Ebelsbach-Eltmann bei der Eröffnung. Zum sechsten Mal habe man dazu nun schon das "musicum consortium" aus den Niederlanden eingeladen. Das Motto "Weihnachten in Europa" passe genau in die Zeit angesichts der Debatten in und um Europa. So sei es eine gute Möglichkeit, mit der Musik an die gemeinsame Tradition zu erinnern.

Der bekannte Posaunist Harrie Ries gab unumwunden zu, dass er und seine Musikerkollegen immer gerne nach Ebelsbach "in die schönste Kirche kommen, die noch dazu mit einer hervorragenden Orgel ausgestattet ist". Mit den Liedern "Jingle bells" und "Ihr Kinderlein kommet" eröffneten die Mädchen Aukje Scheuven (Violine) und Brecht Scheuven (Querflöte) das Programm und machten auf die Bedeutung des Nachwuchses aufmerksam.

Dann erklang mit "Wachet auf, ruft uns die Stimme" eine der bekanntesten Kantaten von Johann Sebastian Bach. Die Zuhörer richteten ihre Aufmerksamkeit auf Orgel und Posaune und genossen das voluminöse Bachsche Werk. Geschickt ließen die beiden Musiker die Anspannung in Entspannung gleiten bei ihrer Interpretation des Liedes "Zion hört die Wächter singen", das Organist Tjeu Zeijen sehr einfühlsam ausspielte und Posaunist Harrie Ries mit Einwürfen seiner Posaune anreicherte.

Orgel und Posaune zählen ja zu den Instrumenten der Kirchenmusik schlechthin, aber die Orgel meist solo und die Posaune im Chor der Posaunen. Schon bei diesem Stück erhielt man den Gegenbeweis, dass die Posaune nicht so als Soloinstrument tauglich sei. Sie verfügt nämlich über ein außerordentliches Klangspektrum von der tiefsten Lage bis in die schwindelnde Höhe, von leisen Tönen bis zum heraldischen Forte. Dies wurde schon bei der Kantate deutlich, noch mehr dann aber bei dem Ohrwurm "Ave Maria" von Franz Schubert, das oft und gerne bei Hochzeiten eingesetzt wird.


Warm und brillant

An die vielleicht sonst gewohnte Stelle der Sopranistin trat hier die Posaune und übernahm warm, brillant, vielleicht sogar zu Herzen gehend ihren Part des "Ave Maria". Hier kam voll zum Ausdruck, dass Harrie Ries seine Posaune wie kaum ein anderer beherrscht und seinen Namen als "Meister der Posaune" nicht zu Unrecht trägt. Die Orgel mit ihrem großen Klangvolumen und ihren Bässen hielt sich dabei dezent im Hintergrund oder umspielte die Grundmelodie virtuos in ihrem Zwischenspiel. Kein Wunder, dass hierzu spontaner Beifall ausbrach.

Die europäische Variante kam dann mit "Noels de Provence" von Guy Morancon zum Ausdruck. Im seinem Stück "tambourin provence" war das Tambourin gleichsam aus dem Klangvolumen der Orgel deutlich zu hören, während die Posaune immer in ihre ähnliche Melodie überging und die Orgel in Variationen sich mit Zwischenspielen in den Vordergrund schob.

In die Nachbarschaft der Schweiz ging der Blick beim "Noel Suisse" von Louis-Claude Daquin (1694-1772). Er galt als musikalisches Wunderkind und trat schon mit sechs Jahren vor Ludwig XIV auf. Später war er ein herausragender Orgelimprovisator, und das spürte man bei dem Werk "Schweizer Weihnachten - Noel Suisse". Auch die Zuhörer waren begeistert und brachten dies auch deutlich zum Ausdruck.

Bei Harrie Ries und seinen Musikern spürt man immer wieder die Liebe zu Kompositionen aus sehr früher Zeit. Das galt diesmal für die "Variationen über ein Lied des Meisters Alexander". "Das liegt mir sehr am Herzen. Es ist aber kein Ohrenschmaus, und vielmehr stehen dabei die Diskrepanzen des zwölften Jahrhunderts im Vordergrund", erklärte er dazu, "mit dem unbeschwerten Leben der Kinder, aber auch den Bedrohungen daraus". Die Komposition stammte aus dem 16. Jahrhundert, war aber erstmals 1901 in Dresden in Druck gegangen.

Damit die Besucher darauf vorbereitet waren, spielte Organist Zeijen probeweise erst einmal den Schlussakkord an, der mit seinen großen Dissonanzen durchaus einen schrecklichen Klang verursachte, weswegen Harrie Ries riet: "Freuen Sie sich auf das Stück oder halten Sie sich die Ohren zu!" Ohne Zweifel war dies für zahlreiche Zuhörer eine schwer verdauliche Musik, die durch das Steigern der Dissonanzen und die vielen Variationen dem normalen Musikempfinden nicht so entgegenkam.

Bei den Variationen über "Morgen kommt der Weihnachtsmann" von Bach-Sohn Johann Christoph Friedrich Bach, dem "Bückeburger Bach", wurde das Klangempfinden wieder befriedigt. 1732 in Leipzig geboren, wurde er mit 18 Jahren Hofmusiker und stieg bis zum Kapellmeister auf. Bei den Variationen konnten sowohl Posaunist Harrie Ries als auch Organist Tjeu Zeijen ihr Können auf ihren Instrumenten in vielfältiger Art unter Beweis stellen.

Dann hatte der Kerkrader Organist Tjeu Zeijen Gelegenheit sich als Solist auf den Tasten zu zeigen, was auf der großen Hoffmann-Orgel in Ebelsbach mit ihren 2483 Pfeifen und ihren vielen Registern und Klangkombinationen jedem Orgelspieler besonderen Spaß macht. Dies kam bei den Variationen über das altniederländische Weihnachtslied "Er is een Kindeke geboren op aard" zum Ausdruck, wo der Organist tief in die Tasten und Register griff.

Ruhige weihnachtliche und besinnliche Stimmung kam noch einmal auf, als Harrie Ries das Alphorn in den Mittelpunkt stellte und auf ihm ganz ruhig das polnische Hirtenlied "Izaro" anblies, das gleichsam die Verbindung zur Krippe und zu den Hirten schuf, die mit ähnlichem Instrument ihre Tiere zu sich riefen. Mit dem Quartett "Jingle bells" von Violine, Querflöte, Posaune und Orgel erfolgte der Schlussakkord für dieses Klangerlebnis zum Jahresende.