Nur noch ein paar Tage, dann soll die Welt untergehen. Am 21. Dezember 2012 ist Schluss. Zumindest mit dem Zeitzyklus im Langzeitkalender der Mayas. Die frühe mittelamerikanische Hochkultur hat nicht weitergerechnet. Hat sie die Apokalypse vorausgesehen? Viele deuten das als Ende der Welt und schicken Untergangs-Gerüchte wie riesige Fluten, Erdbeben, Asteroiden-Einschläge oder Vulkanausbrüche in den Umlauf.

In manchen Ländern haben die Untergangsszenarien tatsächlich die Bevölkerung aufgeschreckt (siehe den unten stehenden Text). Große Aufregung also um einen mysteriösen Tag, doch was passiert im Landkreis Haßberge?


Vorräte anlegen

Von Hamstereinkäufen für den Notfall ist in den Eberner Supermärkten keine Spur, eher schon horten die Kunden die Vorräte für die Festtage um Weihnachten und Neujahr. Die Reisebüros in Haßfurt haben in den letzten Wochen keine erhöhte Nachfrage an Mexiko-Urlauben oder Reiseangeboten zu Stätten der Maya-Kultur verzeichnet.

Das Standesamt in Ebern wird am 21. Dezember 2012 leer bleiben: Kein Paar wird am vermeintlich "letzten Tag" eine Ehe begründen, um sich vom Weltuntergang wieder scheiden zu lassen. Hört man aber genauer hin, erwarten manche den 21. Dezember 2012 durchaus mit gewisser Spannung.

"Der 21. Dezember ist in diesem Jahr immerhin der letzte Schultag vor den Weihnachtsferien, die sich Schüler, Eltern und Lehrer nach einer stressigen Zeit verdient haben," sagt Eberns Dritter Bürgermeister Sebastian Stastny, selbst ein angehender Lehrer.

Für Gabi Rögner, Eberns Zweite Bürgermeisterin (CSU), ist der Freitag ebenfalls eher ein freudiger Tag, "da dieser der letzte Arbeitstag vor Weihnachten ist". Landrat Rudolf Handwerker (CSU) ist sich, wie er sagt, "völlig sicher, dass an diesem Tag der Weltuntergang nicht kommt".


Was bringt die Zukunft?

Von Weltuntergangsstimmung und Angst, dass es wirklich der letzte Tag sein könnte, also keine Spur. Somit gibt es auch keine außergewöhnlichen Vorbereitungen für diesen Tag, und bedrohende Szenarien werden schon gar nicht erwartet.

"Wenn dieses Thema einen Nutzen hat", so bringt es Sebastian Stastny auf den Punkt, "dann die Beschäftigung mit der Frage, wie wir unsere Zukunft gestalten möchten und was wir möglicherweise ändern müssen". Im Landkreis Haßberge glaubt man nicht an den Weltuntergang, und das Leben geht nach dem 21. Dezember 2012 weiter.

Für diese Zukunft wurden politisch schon viele Gedanken entwickelt. "Ebern und der Kreis Haßberge müssen sich dem demografischen Wandel stellen und ihre Infrastrukturangebote vor dem Hintergrund der alternden und schrumpfenden Bevölkerung anpassen", sagt Stastny und fordert "mehr Einbindung der Bürger in Entscheidungsprozesse. Es geht schließlich nicht um die Zukunft der Politiker, sondern um die der gesamten Bevölkerung".

Für Gabi Rögner gehört zur Zukunft neben Erneuerung auch ein gewisses Maß an Kontinuität. Durch "viel Engagement und Herzlichkeit soll auch weiterhin ein lebens- und liebenswertes Umfeld gestaltet werden", meint sie.
Unsere Zukunft ist also gesichert. Doch was ist mit der Gegenwart? Und warum wird über die Mayas jetzt so viel geredet?

"Alte Weisheiten haben gerade in Krisenzeiten, wie heute, besonders hohen Kurs", sagt Rögner. Die aktuelle Diskussion "zeigt, wie tief der Aberglaube noch in unserer Gesellschaft verwurzelt ist", meint Landrat Rudolf Handwerker dazu.

In der Glaubenskrise

"Das ganze Gerede um diesen Tag ist ein Kennzeichen der heutigen Gesellschaft. Wenn man die Grundsätze des christlichen Glaubens verloren hat, dann sucht man sich eben einen anderen Halt" erklärt Dekan Jürgen Blechschmidt. "Für den christlichen Glauben spielen der 21. Dezember 2012 und die Weltuntergangsvorhersagungen keine Rolle. Denn Christen sollen so leben, als wäre jeder Tag der letzte. Für das Ende der Welt sollen sie allzeit bereit sein."

Der Tag, an dem die Welt zu Ende geht, könne jedoch nicht berechnet werden. Das stehe schon in der Bibel. Blechschmidt weiter: "Das Ende der Welt ist im christlichen Glauben aber nicht mit Angst verbunden. Am Anfang der Welt gab es das Paradies, und am Ende werden ähnliche Zustände herrschen."

Die Nachrichten und Aufregungen um den Maya-Kalender und das vermeintliche Ende der Welt geben der Menschheit wieder einmal die Chance, sich auf ihre Wurzeln zurückzubesinnen, meint er.

Und was sagt der Zeiler SPD-Ortsvorsitzende Ludwig Leisentritt zum angeblich bevorstehenden Untergang der Welt? "Sie wird ja auch untergehen. Aber das wird wohl noch ein paar Milliarden Jahre dauern." Der Politiker hält die apokalyptische Interpretation des Maya-Kalenders "für ausgesprochenen Unsinn". Wer ein bisschen seinen Intellekt gebrauche, wird leicht dahinter kommen, dass da nichts dran sein kann. Und selbst wenn: Panikreaktionen wären laut Leisentritt trotzdem unangebracht.

"In Russland wollen sich welche verkriechen. Aber die haben wohl keine Vorstellung, was Weltuntergang bedeutet." Denn würde die Welt in einem realistischen Szenario untergehen, etwa durch den Einschlag eines mächtigen Asteroiden, dann wird es nicht viel helfen, sich zu verkriechen. Eine Tragödie zwar, aber Leisentritt sieht die Dinge nüchtern: "Es hat Milliarden von Jahren keine Menschen gegeben. Dann kamen sie. Eine Episode. Dann gehen sie wieder." Das klinge zwar frustrierend, aber "unsere Zeit wird kommen". Bis dahin dürfte nach Leisentritts Ansicht noch einige Zeit vergehen. "Es sei denn, wir schaffen den Untergang durch einen Atomkrieg."

Ein Freitag wie jeder andere

Freitag, der 21. Dezember 2012, wird für Pater Rudolf Theiler aus Ebern ein Freitag, wie jeder andere auch. Unserer Zeitung erklärte er, dass er seinen Tagesablauf so machen wird wie immer. Er hat kein Interesse an irgendeinem Weltuntergang-Szenario.

Auf die Frage, was so ein Datum beziehungsweise die Gerüchte und Unruhen über die Gesellschaft aussagen, meint Theiler: "Der Mensch will natürlich immer wissen, wie es zu Ende geht, und will in die Zukunft schauen. Wie das Ende der Welt aussieht, das steht aber alles in der Bibel. Da muss sich der Mensch keine Gedanken machen. Ich mache in der hiesigen Welt meinen Weg, und darüber hinaus muss ich mir keine Gedanken machen, denn Gott sorgt für mich. Wenn man dem christlichen Glauben folgt, dann geht das Ende immer gut aus. Man muss einfach optimistisch sein."

Auf den 21. Dezember kann man sich also auch freuen: Es ist Wintersonnenwende - die Tage werden wieder länger, und es geht bald wieder "nauswärts".