Albin Göb steht ohne Auszubildenden da. Der, der neben ihm steht, ist Sebastian Greger, Geselle, mittlerweile 21 Jahre alt. Mit 15 Jahren hat er in Göbs Metallbau-Betrieb die Lehre begonnen, dreieinhalb Jahre dauerte sie, heute ist er bei seinem Meister in der Firma in Ebelsbach angestellt. Bis dato war er der letzte Azubi bei Göb seit fast drei Jahren, obwohl das Unternehmen gerne weitere Nachwuchskräfte ausgebildet hätte.

Zum einen liegt das laut Albin Göb daran, dass es weniger Schulabgänger gibt, die eine Ausbildung beginnen wollen. "Der Drang zum Hochschulstudium ist dafür verantwortlich, dass immer mehr Lehrstellen offen sind." Zum anderen bevorzugten viele potenzielle Anwärter die Industrie dem klassischen Handwerk. Meist wegen den Verdienstmöglichkeiten.


Lage auf dem Ausbildungsmarkt

Das Einzelbeispiel der Firma Göb deckt sich mit den Erkenntnissen der Agentur für Arbeit in Schweinfurt, die gestern in Haßfurt die Lage auf dem Ausbildungsmarkt im Landkreis Haßberge erklärte. Im Grunde genommen sind die Chancen, nach dem Schulabschluss einen Ausbildungsplatz zu bekommen, so gut wie lange nicht.

"Es gelingt uns, relativ viele Jugendliche in der Region in die Ausbildung zu bringen", sagt Klaus Seebach, stellvertretender Leiter der Agentur Schweinfurt. Nur zwei von 733 Bewerbern im Landkreis Haßberge blieben im Zeitraum Oktober 2012 bis September 2013 unversorgt. In den vergangenen Jahren war das seit 2009 kaum anders: Nur jeweils ein oder zwei Bewerber konnten laut Statistik nicht vermittelt werden, 2011 kamen gar alle unter. Dagegen sind heuer 75 Ausbildungsstellen offen geblieben, die Betriebe fanden also keinen Lehrling.

Grund dafür ist laut Seebach nur zu einem geringen Teil der demografische Wandel: "Die Hauptursache für den Rückgang ist das veränderte Bildungsverhalten." Statt eine Ausbildung zu beginnen, setzen viele Mittelschüler (ein Großteil der Bewerber um Ausbildungsberufe) ihre Schullaufbahn fort. "Wir haben Realschulabschlussklassen, aus denen geht die Hälfte an die Fos (Fachoberschule, die Red)", sagt Christian Kullick von der Berufsberatung der Agentur für Arbeit. Letztendlich streben also viele ein Studium an.


Begehrte Berufe

Hinzu komme, dass manche Berufe sehr begehrt sind und eine Vielzahl an Bewerbern bekommen, während andere Zweige in der Gunst der potenziellen Auszubildenden gesunken sind. So ist zum Beispiel die Nachfrage im Bürobereich im Kreis Haßberge weitaus größer als das Angebot (152 Bewerber auf 57 Stellen), während etwa in der Kategorie Bau/Gebäudetechnik 31 Bewerber auf 54 Stellen im Kreis kommen. Insgesamt habe das klassische Handwerk ein Imageproblem, sagt Günther Trum, der Leiter der Geschäftsstelle Haßfurt der Agentur für Arbeit. "Und das, obwohl es tolle Ausbildungsmöglichkeiten gibt." Kreative Handwerkskunst sowie viel Abwechslung und eine individuelle Ausbildung in unterschiedlichen Bereichen, das sind zum Beispiel Vorteile eines kleinen Betriebes im Vergleich zur Industrie, auch wenn die Verdienstmöglichkeiten schlechter sind.

Stanzen, kanten, schweißen, all das macht Sebastian Greger, er verarbeitet Edelstahl, fertigt und montiert Treppen und Treppengeländer, Balkongeländer, Zäune, Überdachungen, Vordächer, Türen und Tore. Der Geselle hat Freude daran, er sagt, der Job mache ihm Spaß. "Es ist ein sehr abwechslungsreicher Beruf", findet Meister Göb. Und es stünden einem viele Möglichkeiten offen: "Ich war ja selbst auch mal Auszubildender", sagt der 56-Jährige.

Später machte er seinen Meister, seit 1985 hat er seinen eigenen Betrieb. Das sei freilich nicht der einzige Weg, aber die Ausbildung ist seiner Ansicht nach ein guter Grundstock: Meister, Techniker bis hin zum Ingenieur, das alles kann mit einer handwerklichen Berufsausbildung beginnen. Heuer hat sich bei Göb Metallbau allerdings niemand auf die ausgeschriebene Stelle beworben.

Die Handwerkskammern kennen das Problem, sie machen verstärkt Werbung für das Handwerk. Was aber wiederum auch nicht bedeutet, dass einem eine Lehrstelle im Handwerk künftig nachgeschmissen wird. Mal eben nebenbei eine Ausbildung machen, das geht nicht, findet Göb: "Die Einstellung zum Beruf muss da sein."


Nachwuchsgewinnung

Die Agentur für Arbeit sieht sich nun einer ganz anderen Situation gegenüber als noch vor Jahren: Das Problem ist nicht mehr, Jugendliche in eine Ausbildung zu bringen, sondern den Unternehmen Auszubildende zu beschaffen. Der Rückgang der Bewerberzahlen "wird in den nächsten Jahren auch anhalten und zu einer noch größeren Herausforderung für die Betriebe bei der Nachwuchsgewinnung werden", heißt es im Fazit der Agentur für Arbeit Schweinfurt.