Hochkonzentriert nahm Bernhard Ruß die "Wiimote" (Fernbedienung) der bekannten Spielekonsole "Wii" quer in die Hand, visierte die an die Wand projizierte Dartscheibe genau an und ließ im richtigen Augenblick die A-Taste los. In Zeitlupe flog der nun sichtbare Pfeil richtig ins Ziel und blieb exakt in der Mitte stecken. Dieses Kunststück eines "Bullseye" gelang dem SPD-Landratskandidaten exakt vier Mal, so dass er letztlich mit deutlichem Abstand das vom Kreisjugendring (KJR) Haßberge ausgetragene "Poli-Darts-Turnier" gewann.

Zweiter wurde sein CSU-Kontrahent Wilhelm Schneider vor Birgit Bayer, die für die Freien Wähler ins Rennen um die Nachfolge von Amtsinhaber Rudolf Handwerker geht, und Klemens Albert (ÖDP). Die beiden weiteren Landratskandidatinnen, Rita Stäblein (Die Grünen) sowie Sabine Schmidt (Linkes Bündnis), konnten aus beruflichen und krankheitsbedingtem Grund nicht an der kurzweiligen Veranstaltung in der Haßfurter Stadthalle teilnehmen.

Nur die "Verpackung"
Das Spielen auf und mit einer virtuellen Dartscheibe war freilich nur die schöne "Verpackung" für die vier Kommunalpolitiker, die sich vielmehr mit Fragen zu beschäftigen hatten, die sich hinter den einzelnen Feldern verbargen und die KJR-Vorsitzender Daniel Fischer stellte. "Die Erwartungen sind schon erfüllt worden", zog der Hofheimer über den Ablauf ein positives Fazit. Das KJR-Hauptziel, die erarbeiteten (Jugend)themen einmal zur Sprache zu bringen und zu platzieren, wurde erreicht.

Wichtige Begegnungen
Es wurde dabei deutlich, dass alle vier Kandidaten beispielsweise Angebote wie die Spieletage unbedingt beibehalten wollen, ebenso die internationalen Jugendbegegnungen inklusive der wichtigen Partnerschaft mit Kyriat Motzkin in Israel. Weitgehend einig waren sich die Kandidaten auch in Bezug auf die Wichtigkeit von Ehrenamtlichen und deren notwendiger Honorierung, beim Ausbau von Jugendbildungsangeboten und zumindest der Beibehaltung der (finanziellen) Unterstützung des Kreisjugendrings, auch wenn es aufgrund des demografischen Wandels künftig weniger Kinder und Jugendliche im Kreis gibt.

Bei dem "ein oder anderen Thema" hätte er sich aber "schon ganz gern noch ein paar mehr Ideen gewünscht", war Daniel Fischer dann doch nicht ganz zufrieden. Damit meinte er unter anderem die Möglichkeiten für eine Freizeitgestaltung im Landkreis Haßberge. "Welche Freizeitangebote fehlen nach Ihrer Meinung im Landkreis und was könnte man tun, um diese hier bei uns einzurichten?", lautete die Frage, die sich hinter dem Feld "Triple 19" verbarg.

Bei Jugendlichen zwischen 14 und 18 Jahren gibt es laut Wilhelm Schneider den größten Nachholbedarf. "Da fehlt uns am meisten, daran müssen wir arbeiten", betonte der Maroldsweisacher Bürgermeister. Er weiß, dass gerade in diesem Alter Langeweile schnell an der Tagesordnung ist. "Die brauchen einfach gewisse Unterstützung und Freizeitangebote. Ich glaube, dann sind Durst und der Hunger nicht so stark, später einmal in die Ballungsgebiete abzuwandern." Schneider ist überzeugt davon, dass es den Jugendlichen "im Grundsatz" im Landkreis gefällt. "Nur in dem Alter müssen wir für sie noch etwas mehr bieten außer Disco und PC."

"Es gibt Kinderspielplätze, aber danach hört es oftmals auf", sagte Klemens Albert. Ob "ein Internetcafe im weitesten Sinne", in dem Jugendliche und Kinder sich unter Beobachtung mit den elektronischen Medien befassen können und eine sinnvolle Betätigung haben, eine willkommene Ergänzung wäre?

Bereits vorhandene Angebote müssten laut Birgit Bayer "noch mehr in die Fläche und in die Köpfe" gebracht werden. Sie nahm auch das Wort "unkonventionell" in den Mund. Damit würde man vielleicht den ein oder anderen dazu bewegen mitzutun. Das wäre "mir persönlich ein Anliegen."

In welche Richtung?
Für Bernhard Ruß gilt es, genauer nachzufragen, "wohin die Richtung gehen soll. Wir können nicht nur Fragebögen schicken, das wäre zu einfach und es kommen nur wenig zurück." Für Bedarfserhebungen könnten neue Medien wie soziale Netzwerke behilflich sein und sollten deshalb mit einbezogen werden: "Jugendliche direkt ansprechen vor allem mit den Medien, die junge Leute auch nutzen", betonte der Sander Bürgermeister.

Die Diskussion selbst war aus seiner Sicht "sehr interessant, denn angesprochen wurden die Themen, die Jugendliche ebenso wie die Politik denke ich bewegen. Ziel muss es sein, beide in Einklang zu bringen."

Für Klemens Albert war das "Poli-Darts" zwar kein Volltreffer, aber "durchaus eine gute Veranstaltung." Er bemängelte ein wenig die "Wissenslastigkeit" der Fragen über den Kreisjugendring. "Das sagt eigentlich nichts aus über die Kompetenz oder Qualität eines Landrats."

"Hervorragend" nannte Wilhelm Schneider "die gute Mischung aus Fragen und Spielen".

Gar nicht zufrieden war Daniel Fischer mit der geringen Resonanz. Vom hauptsächlich angesprochenen Klientel "Jugendliche", also 13- bis 21-Jährige, war fast niemand gekommen (drei Zeiler aus der großen Ministranten-Jugendgruppe bildeten die Ausnahme), so dass nur wenige interessierte Erwachsene im Saal waren. "Schade, dass die Plattform scheinbar nicht groß genug war. Das ist schon ein wenig traurig", sagte er. Enttäuschung herrschte dahingehend aber sicher auch bei seinen Vorstandskollegen, denn gerade die Mitgliedsverbände des Kreisjugendrings glänzten mit Abwesenheit. Damit sprach er auch den vier Landratsbewerbern aus dem Herzen. "Das habe ich natürlich schon etwas vermisst", bemängelte Bernhard Ruß den "sehr schwachen" Besuch. "Die Veranstaltung hätte mehr Zuhörer verdient gehabt", ergänzte Wilhelm Schneider. "Die Jugendthematik ist für uns im Landkreis ganz, ganz wesentlich und ein ganz wichtiger Aspekt. Wir müssen um unsere Jugendlichen kämpfen, müssen ihnen die besten Voraussetzungen geben. Das ist unbedingt erforderlich."

Desinteresse?
Mit der "Art" der Diskussion über ein Spiel zeigte sich auch Birgit Bayer einverstanden und gab ihren drei Mitbewerbern um den Landratssessel in punkto Resonanz Recht. Woran es gelegen hat? "Schwer zu beurteilen", hatte auch die 52-Jährige keine plausible Erklärung parat. "Wahrscheinlich ist auch stückweit Desinteresse dabei", mutmaßte Bayer. Wie ihre Konkurrenten stimmte sie aber am Anfang der Aussage von Wilhelm Schneider uneingeschränkt zu: Die "Jugend ist wichtig".



Kommentar von Klaus Schmitt:


Die Kreispolitik kommt zu den Bürgern

Im 60-köpfigen Kreistag Haßberge sind acht Parteien/Wählergruppen vertreten. Das reicht von der stärksten Fraktion, der CSU, mit ihren 21 Kreisräten bis zur ÖDP und den Linken mit jeweils zwei Vertretern.

Wenn man einen etwas lockeren Blick auf den Kreistag wirft, könnte man behaupten, dass es seit einigen Monaten eine weitere Gruppe gibt, die die Landkreispolitik repräsentiert. Das sind die sechs Landratskandidaten, die von Wahlversammlung zu Wahlversammlung eilen und mittlerweile schon fünf Podiumsdiskussionen gemeinsam bestritten. Das Poli-Dart-Spiel des Kreisjugendrings Haßberge am Samstag in der Haßfurter Stadthalle war die fünfte und letzte Veranstaltung dieser Art im Landkreis.

Zwischen den Kandidaten, die eigentlich Konkurrenten sind, hat sich mittlerweile fast eine Art Vertrautheit herausgebildet. Sie werfen sich schon mal die Bälle zu. Soll heißen: Man sagt nicht alles zu einem Thema, die anderen Kandidaten wollen ja auch zu Wort kommen.

Es tut gut zu sehen, dass es kein verbissener Wahlkampf ist, den die sechs Kandidaten betreiben, die allesamt Kreisräte sind. Und die Themen der Landkreispolitik sind nicht so angelegt, dass man dauernd darüber streiten müsste. Im Grundsatz sind sich die Bewerber um die Nachfolge von Rudolf Handwerker (CSU) einig. Im Detail, bei Schlussfolgerungen und Gewichtungen gibt es natürlich unterschiedliche Auffassungen. Da spielen auch die grundsätzlichen Haltungen der Parteien und Wählergruppen sowie taktische Überlegungen eine Rolle.

Spannend wird es, wenn es, wie viele Beobachter vermuten, bei der Wahl am 16. März keine Entscheidung gibt, sondern zur Stichwahl kommt. Dann müssen die beiden verbliebenen Bewerber ihr Profil schärfen. Ob der Wahlkampf in den folgenden zwei Wochen bis zur endgültigen Entscheidung dann auch so zurückhaltend geführt wird?

Wie auch immer: Auch wenn es derzeit vor allem Wahlkampf ist, den die Landratskandidaten machen, steht doch fest: Sie sind auch Botschafter des Kreises und tragen die Kreispolitik nach außen. Und das tun sie alle gut.