Für Tankwartin Ines Hübner sind schimpfende Kunden nichts Neues. Sie kann den Ärger verstehen - es sei denn, er richtet sich gegen die Tankstellenpächter. "Die können ja nichts dafür, den Preis bestimmen die Konzerne", sagt Hübner. Die junge Frau arbeitet seit einem halben Jahr bei der Aral-Tankstelle in Eltmann und hat schon Preisunterschiede von zehn Cent an einem Tag beobachtet. Teuer wi-rd es aus ihrer Sicht immer zum Wochenende hin und bei Ferienbeginn.

Eine ähnliche Preistheorie hat Horst Pflaum, Besitzer der freien Opel-Mülhaupt-Tankstelle in Eltmann, entwickelt. "Zwischen 18 und 21 Uhr geht der Preis teilweise bis zu zehn Cent rauf und bleibt so bis zum nächsten Morgen. Übern Tag sinkt er ab zehn, elf Uhr wieder schrittweise, und dann geht es wieder von vorne los."
Pflaum bekommt seine Preise zwar nicht von Konzernen diktiert. Einen großen Spielraum hat er aber nicht. "Ich muss mich an der Konkurrenz orientieren. Ich kann vielleicht ein oder zwei Cent günstiger sein, aber das war's. Mehr akzeptieren die Großen nicht."

Die Großen drücken die Kleinen

Die "Großen", das sind Aral, OMV, Esso, Shell und wie sie alle heißen. Die elektronische Umstellung der Preistafeln nehmen die Konzerne per Fernsteuerung vor. Die Tankstellenbetreiber sind jedoch angehalten, die Zentrale mehrmals täglich über die Preise der umliegenden Tankstellen zu informieren.

Ein "Kleiner" wie Pflaum braucht sich nicht mit den "Großen" anzulegen. Ein Beispiel: Wird der Besitzer einer Tankstelle immer wieder unterboten und verkauft weniger, macht er 100 Prozent Verlust. Der Besitzer von 100 Tankstellen verliert jeweils nur ein Prozent. Somit sitzen die Großkonzerne am längeren Hebel und können widerspenstige Kleine ausbluten lassen - wenn sie es denn wollen.

Dieses Beispiel stammt von einem Tankstellenpächter aus dem Landkreis, der namentlich nicht genannt werden möchte. "Die Großen geben den Preis vor, die sitzen am Drücker. Wir haben eine freie Marktwirtschaft, was will man machen", sagt er.

Der Mann hat sich mittlerweile damit abgefunden, dass er sich preislich nur innerhalb bestimmter Vorgaben bewegen kann. Und er ist froh, dass die Kunden verständnisvoller reagieren als früher. "Wenn die Benzin- und Dieselpreise hoch gingen, war es für das Personal teilweise ganz schön schwierig", erinnert er sich.

Erst recht, wenn er als Freier ein, zwei Cent über den Großkonzernen lag. "Meine Händler kaufen auch von den Großen und verkaufen es dann an mich weiter. Die Großen können es direkt vermarkten, da gibt es keinen Zwischenschritt, das ist natürlich günstiger." Vom taktischen Tanken, also dem Preisvergleich an verschiedenen Tankstellen, hält er wenig. "Auf die paar Cent kommt es doch auch nicht an. Da lässt man mal ein Sonderangebot im Discounter aus, dann ist's wieder gut."

Die Kunden an den Zapfsäulen nehmen die Preisschwankungen relativ gelassen. Andreas Kutscher (Ebelsbach) lässt seinen Wagen an der freien Tankstelle "Trend Tank" in Ebelsbach voll laufen. Auf den Preis hat er vorher nicht geschaut. "Wenn man tanken muss, muss man halt tanken. Es hilft doch nichts", sagt er.

Eine junge Mutter aus der Gemeinde Ebelsbach, die ihren Namen nicht nennen mag, hat eine deutliche Meinung zu den hohen Benzinpreisen. "Beschissen ist das", sagt sie knapp. Sie vermutet, dass der Benzinpreis wegen der nahenden Sommerferien mit 1,649 Euro momentan recht hoch sei. "Es fahren ja viele mit dem Auto weg, da kann man Kasse machen." Normalerweise vergleiche sie die Preise, nur heute habe sie dringend tanken müssen und sich nicht weiter informiert.

Natascha Frank aus Hofheim hat festgestellt, dass der Benzinpreis in Ebelsbach am Wochenende relativ niedrig ist. "Ich bin am Wochenende oft hier, da ist der Preis recht günstig", sagt sie.

Kfz-Meister Pflaum beobachtet in Eltmann oft Autofahrer, die langsam an seiner Preistafel vorbeifahren, sich dann bei der Konkurrenz umschauen und schließlich zurückkommen und bei ihm tanken. Dann freut er sich. "Firmenloyale Kunden tanken immer bei uns" ,sagt er. Am Ende laufe es, trotz der kleinen Preisschwankungen im Vergleich zu anderen, doch wieder auf dasselbe hinaus.