Nein, man sieht es im wirklich nicht an. Jan Havlik kommt unauffällig daher. Bequeme, zweckmäßige Kleidung - Käppi, Brille, Hemd und Jeans. Ein freundliches Lächeln, abwartend. Mal eine Frage: Ist die Ente dort hinten Ihr Auto? "Ja", lautet die Antwort. "Wollen Sie sie sich mal anschauen? Es ist eine High-Tech-Ente", sagt er und grinst.

Jan Havlik ist ein Tüftler. Sein Wohnmobil, sein Auto, er hat alles selbst gebaut: Ein Basisfahrzeug und der Rest stammt aus der Havlikschen Ideenschmiede. Auf dem Caravan-Stellplatz in Ebern nennen ihn die anderen Camper alle Daniel Düsentrieb, wie den Erfinder aus den Disney-Comics.

Von der Ente bleibt wenig übrig

Jan Havlik hat über viele Jahre hinweg an seinem Citroën 2CV (im Volksmund "Ente" genannt) herumgeschraubt, bis im Grunde genommen nichts mehr von dem französischen Kultmobil übrig geblieben ist außer die klassische Form der Schnauze (beziehungsweise des Schnabels in diesem Fall). Der Original-Zweizylinder-Motor des Wagens brachte es dereinst auf 26 Pferdestärken, dank Havliks Basteleien fährt die Ente nun mit einem Vielfachen davon durch die Gegend.

170 Stundenkilometer

Die genau Zahl will er nicht verraten ("reichlich PS"), nur soviel: Die Ente lahmt jetzt nicht mehr, sie bringt es dank Turbolader auf ordentliche 170 Stundenkilometer. Für extra Schub des auf Autogas umgerüsteten Gefährts sorgt die Wassereinspritzung: Rund 28 Prozent Leistungssteigerung bringt das dem Motor. Mehr als genug, findet Havlik, der den Vorschlag eines anderen Campers, doch auf Lachgas umzurüsten, dann doch lieber ablehnt: Das brächte zwar über 200 PS, aber nur für sehr kurze Zeit: "Das würde den Motor auseinander reißen", sagt Havlik.

Der 69-Jährige aus Erlangen ist in Ebern, weil er an einem Wohnmobil-Oldtimertreffen teilgenommen hat, das er mitorganisiert und das am Wochenende hier stattgefunden hat. Rund 25 Camper waren da und zeigten ihre über 30 Jahre alten Fahrzeuge, von denen jedes seinen ganz speziellen Charme hat.

Havlik bleibt noch ein paar Wochen hier, um Urlaub mit seiner Frau Eva und seinen zwei Hunden zu machen. Ihre rollende Wohnung hat es ebenfalls in sich: Den 6,6 Tonnen schweren Mercedes Lkw hat er einst als Zugmaschine mit Pritsche und Plane für 20 000 D-Mark gekauft und Stück für Stück umgebaut. 45 000 D-Mark zusätzlich hat er so noch einmal hineingesteckt. Seit 1987 nutzt er ihn als Wohnmobil. "Die Kabine ist von einer Firma, die Laborcontainer für die Antarktis baut", sagt Havlik und grinst wieder. Kalt wird den Bewohnern da drin jedenfalls nicht so schnell, falls einmal die Heizung ausfallen sollte.

Hightech überall

Aber die Technik, von dem gelernten Informatiker in Eigenregie eingebaut und immer wieder aufgerüstet, tut seit 27 Jahren verlässlich ihren Dienst. Ohnehin mag es Havlik ausgefeilt: Sowohl sein Wohnmobil als auch seine Ente strotzen nur so vor Hightech. Ob über Handy ansteuerbare Heizungsanlage, eigenes Navigationssystem mit Rückfahrkamera oder selbstgebaute Klimaanlage: Tüftler Havlik findet für alles eine Lösung. An der flinken Ente (Baujahr 1986) hat er sogar einen Bremsfallschirm verbaut. Angeschlossen ist der allerdings nicht. "Das ist nur ein Gag", sagt Havlik und grinst schon wieder.