Es klingt abgedroschen, wenn eine scheidende Kreistagsabgeordnete sagt, ihre Motivation zum Politikmachen sei es, "den Menschen zu helfen und für sie da zu sein". Bei der Sozialdemokratin mit der rötlich-braunen Kurzhaarfrisur, der roten Lederjacke und dem dazu passenden Lippenstift ist es glaubhaft. Für ihr soziales Engagement hat sie 2003 sogar das Bundesverdienstkreuz erhalten.

1972 wurde Pflaum Betriebsrätin bei dem Schweinfurter Wälzlagerhersteller FAG Kugelfischer, 1986 stieg sie zur stellvertretenden und 1990 zur Vorsitzenden des Betriebsrats auf. "Da begannen die schlechtesten Jahre der Firma. Mit vielen Kündigungen", erinnert sich Rosl Pflaum. Viele Angestellte suchten ihre Unterstützung. Dabei sei ihr egal gewesen, ob die in politischer Hinsicht "rot, schwarz oder kariert sind". Diese Herangehensweise, das nah am Menschen sein, wollte Rosl Pflaum auf ihre Arbeit im Kreistag Haßberge übertragen.

Dass sie sechs Perioden oder 36 Jahre dort geblieben ist, zeigt ihren Rückhalt im Wahlbezirk. Ihren früheren Wählern will die Eltmannerin weiter treu bleiben: Seit Jahren berät sie Bürgerinnen und Bürger ehrenamtlich in Rentenfragen. Die bevorstehenden Rentenreformen zum 1. Juli, sagt sie, bringt wieder viel Beratungsbedarf mit sich.

Außer Rosl Pflaum verabschiedete Landrat Rudolf Handwerker am Montag 18 weitere Kreisrätinnen und -räte im Sitzungssaal des Haßfurter Landratsamts. Elisabeth Ambros vertrat die CSU zwölf Jahre lang im Rat. Sie sei "prädestiniert für den Umwelt- und Werkausschuss" gewesen und "hatte außerdem immer ein offenes Ohr für soziale Fragen", sagte Handwerker. Emil Däschner (SPD), früherer Bürgermeister von Ebelsbach, lobte der Landrat als ein politisches Urgestein (36 Jahre im Rat), das "im positiven Sinne zu allem seinen Senf dazu gegeben hat". Mit dem "fränkische Schlitzohr" habe er sich zwar "oft und intensiv gezofft", trotzdem würdigte Handwerker den in vielen Ausschüssen tätigen Däschner als einen wertvollen Begleiter im Kreistag.

Heinrich Düring (SPD), seit 2013 im Kreistag, wurde von Handwerker für seine Verdienste im Umwelt- und Werkausschuss gelobt. Rudi Eck war 18 Jahre Mitglied im Kreistag, bis 2012 für die CSU, danach parteilos. Handwerker sagte, er schätze den Haßfurter Bürgermeister als einen "Debattenredner, der auch über den eigenen Kirchturm hinausschauen konnte." Seit 2002 war Eck Mitglied im Kreisausschuss, dem wichtigsten Gremium des Kreistags.

Gerhard Eller (Wählergemeinschaft), seit 36 Jahren im Kreistag und sei 1996 Mitglied des Umwelt- und Werkausschusses, bezeichnete Handwerker als "einen Menschen, der zupackt, Visionen hat und für seine Ziele kämpft." Günter Freß, der acht Jahre im Kreistag saß, brachte laut dem Landrat als selbstständiger Handwerker seine Erfahrung im Bauausschuss ein. Die seit 2008 im Rat sitzende Eva Göller (Wählergemeinschaft), Geschäftsführerin der Brauerei Göller, lobte er für besonderen Einsatz im sozialen Bereich. In 18 Jahren brachte Robert Herrmann (CSU) sein Fachwissen vor allem im Bauausschauss ein.
Der Eberner Bürgermeister arbeitete 2002 bis 2008 außerdem im Kreisausschuss mit. Vor allem der anstehenden Sanierung des Friedrich-Rückert-Gymnasiums oder der Erweiterung der Realschule Ebern habe er seinen Stempel aufgedrückt, so Handwerker.
Hedwig Kraft (CSU) aus Ebelsbach engagierte sich in den vergangenen zwölf Jahren unter anderem im Sozialhilfeausschuss und im früheren Krankenhausausschuss. Als ein weiteres Urgestein im Rat würdigte Landrat Handwerker Ludwig Leisentritt (SPD), der 36 Jahre im Amt war. In sieben Ausschüssen hat der "leidenschaftliche Kommunalpolitiker, Heimatforscher, Stadtarchivar und Autor", so Handwerker, mitgearbeitet. Günter Lipp (SPD) war mit 42 Jahren der Dienstälteste unter den verabschiedeten Räten. Er brachte seit Bestehen des Kreises Haßberge seine Expertise ein. Handwerker nannte Lipp einen "Fachmann bei allen kulturellen Fragen im nördlichen Kreis".

18 Jahre gehörte Irmgard Ruhhammer (CSU) dem Kreistag an. Sie war in den Ausschüssen für Kultur-, Sport und Tourismus aktiv und seit 2003 Verwaltungsrätin des Kommunalunternehmens Haßberg-Kliniken. Vier Wahlperioden, 24 Jahre lang, saß Werner Schneider (CSU) an ihrer Seite. Der ehemalige Bürgermeister von Knetzgau war unter anderem 18 Jahre Mitglied im Kreisausschuss und laut Handwerker "immer ein starker Vertreter der Kreispolitik hier im Maintal". Sogar 30 Jahre hatte Gerhard Schmidt (CSU) Sitz und Stimme im Kreistag. Er saß unter anderem wie Schneider 18 Jahre im Kreisausschuss, und es gebe "kein Feld der Landkreispolitik, in dem du nicht aktiv warst", sagte Handwerker.

Willy Schütz (Linke) gehörte seit 2008 dem Kreistag an - und achtete laut Handwerker darauf, dass Entscheidungen sozial ausgewogen zu treffen seien. Ebenfalls seit 2008 saß Jochen Steppert (Junge Liste), ausscheidender Bürgermeister von Kirchlauter, im Rat. Erich Stubenrauch (Wählergemeinschaft), abgewählter Bürgermeister von Königsberg, rückte 2009 in den Kreistag nach und war seitdem Mitglied im Ausschuss für Kultur und Sport. 17 Jahre saß Werner Thein (SPD) im Kreistag. Der ehemalige Bürgermeister von Maroldsweisach wirkte in Ausschüssen wie Bau, Sozialhilfe, Krankenhaus und Wirtschaft und Verkehr mit."Man spürte es seinen Beiträgen an, dass da jemand redet, der die Materie beherrscht", sagte Handwerker.


Landrat: "4400 Prozent mehr Krippenplätze und flächendeckende Ganztagsbetreuung"

Sie haben gestritten, argumentiert, sich eingesetzt - und manchmal wegen akuter Müdigkeit vor sich hin gegähnt. "Von hier vorne hat man einen guten Überblick", scherzte Rudolf Handwerker beim letzten Treffen des scheidenden Kreistags. Am Montag zog der Landrat seine Bilanz über viele Jahre Kreispolitik.

Drei Herausforderungen gab es im Bereich Jugend und Familien: Man wollte mehr wohnortnahe Betreuungsangebote für Kinder ab dem zweiten Lebensjahr, bessere soziale Betreuung von Schulkindern und modernere Schulgebäude. "Immer mehr Frauen sind gut ausgebildet und wollen arbeiten. Deshalb müssen Familie und Beruf vereinbar sein", sagte Handwerker. Kinderkrippen, Horte, Kindergärten und (Ganztags-)Schulen müssten deshalb nicht nur vorhanden, sondern auf einem hohen Niveau sein.

Den Ausbau der Kinderkrippen bezeichnete Handwerker als sehr gelungen: Nachdem 2005 die erste Kinderkrippe des Landkreises in Zeil mit zwölf Plätzen entstand, gibt es aktuell 540 Krippenplätze im Kreis. Das ist eine Steigerung von 4400 Prozent. "Träger und Kommunen haben bei diesem Kraftakt Teamgeist bewiesen", lobte Handwerker. Ende des Jahres soll es 660 Krippenplätze im Kreisgebiet geben. Das entspricht Betreuungsplätzen für 50 Prozent der unter dreijährigen Kinder.

"Wir haben flächendeckend ausgezeichnete schulische Angebote", sagte Handwerker zur Bildungslandschaft. Die Schulen im Kreis bieten mittlerweile fast alle Mittagessen und Nachmittagsbetreuung an, entweder als offene oder als gebundene Ganztagsschulen. Zehn Grundschulen im Kreis bieten Hausaufgabenbetreuung an. Seit einem Jahr hat auch das Regiomontanus-Gymnasium in Haßfurt neben der offenen eine gebundene Ganztagsklasse für die fünfte Jahrgangsstufe. Das Friedrich-Rückert-Gymnasium Ebern hat 2012 ebenfalls gebundene Ganztagsangebote eingeführt. "Der Lernort Schule wird auf diese Weise zu einem Lebensort", sagte Landrat Handwerker. Auch die Sozialarbeit an Schulen wurde in den vergangenen sechs Jahren ausgebaut: 15 Sozialpädagogen betreuen Schüler.

Ebenfalls viel getan hat sich in den vergangenen Jahren bei den Haßberg-Kliniken. Ein Auszug: Das Haus Hofheim wurde saniert, das Haus Ebern hat eine Palliativeinheit eröffnet und in Haßfurt wird aktuell der Bettentrakt für neun Millionen Euro modernisiert. Zwar rechnet Handwerker beim Jahresergebnis der Haßberg-Kliniken mit deutlich roten Zahlen, "aber wir haben neue Strategien entwickelt, die die starke Stellung unserer Häuser am Markt sichern werden".

Als Herausforderung für die Zukunft nannte der Landrat den Einwohnerschwund im Kreis - weil ein Teil der Gesellschaft überaltert und die Jungen zunehmend in die Ballungszentren ziehen. "Wir müssen den altersgerechten Umbau unserer Gesellschaft planen", forderte er.

Froh war Handwerker, dass eine Lösung für das Tierheim gefunden und der "Fall Loacker" geklärt wurde. "Ich bin dankbar, dass wir gemeinsam den Mut hatten, diese Themen anzupacken, und dass Konzepte zur Stärkung des Landkreises erarbeitet wurden".

Nach Handwerkers Bilanzrede verabschiedete dessen Stellvertreter Günther Geiling den Landrat, der 24 Jahre das Amt inne hatte: "Wir können uns glücklich schätzen, diesen Vollblutpolitiker fast ein Vierteljahrhundert an unserer Spitze gehabt zu haben". Geiling würdigte Handwerker als "Visionär und Optimist". Abschließend überreichte er Handwerker das abstrakte Kunstwerk "Adam und Eva" des Königsberger Künstlers Gerhard Nerowski.