Die Fußball-WM 2022 in Katar wird nicht wie üblich im Sommer stattfinden, sondern in den Wintermonaten. Von Ende November bis Ende Dezember - so der grobe Zeitplan - wird das Turnier steigen, darauf legten sich die Fifa-Oberen jüngst fest.
Die Exekutive des Weltverbands muss im März diesen Vorschlag der Task Force zwar noch absegnen, Zweifel an einer Winter-WM gibt es im Grunde aber keine mehr. Im Sommer ist es im Wüstenstaat Katar am Persischen Golf - welch Wunder - schlicht zu heiß.

Verkürzung auf 28 Tage?

Vereine und Verbände laufen Sturm gegen die Entscheidung, bringt eine Winter-WM doch die nationalen Spielpläne komplett durcheinander. Betroffen sind natürlich auch Champions League sowie Europa League. Und besonders die englische Premier League, die traditionell keine Winterpause kennt, aber an ihre milliardenschweren TV-Verträge gebunden ist. Eine zusätzliche Entschädigung seitens des Verbands wird es wohl nicht geben. Das lässt den Unmut weiter steigen. Wegen der engen Terminlage soll die Endrunde von 32 Tagen auf 28 Tage verkürzt werden, wie die Fifa mitteilte. Das klingt zwar gut gemeint, verschärft aber das Problem zusätzlich: Weniger Tage bedeuten eine engere Taktung im Spielplan und eine höhere Belastung der Akteure.
Auswirkungen hat eine Winter-WM aber nicht nur auf Spieler und Vereine, auch die Fans müssen sich auf gänzlich andere Rahmenbedingungen einstellen.

Was wird aus Public Viewing?

Das gewohnte Public Viewing bei lauen Temperaturen - wie 2014 etwa in Zeil auf dem Gelände der Brauerei Göller im Industriegebiet oder beim Sander Weinfest die Übertragung des Finales - wird es dann wohl nicht geben. Es sei denn, man macht einen Weihnachtsmarkt daraus und reicht Glühwein und Lebkuchen zum Anpfiff.
Bleibt es bei dem von der Fifa erarbeiteten Fahrplan, müsste die Bundesliga vermutlich schon im Oktober in die "Winterpause" gehen, anschließend stünde das obligatorische Vorbereitungs-Trainingslager an - und dann die Reise nach Katar. Wir haben uns bei Fußballern und Fans in der Region umgehört, wie sie zur "Winter-WM in der Wüste" stehen.


Ex-Club-Profi Ludwig Müller sieht europäische Vereine vor Problemen


Ludwig "Luggi" Müller, ehemaliger Nationalspieler und dreifacher deutscher Meister (einmal mit dem 1. FC Nürnberg, zweimal mit Borussia Mönchengladbach), sieht die Vergabe der WM an den Wüstenstaat Katar ohnehin kritisch. Dass das Turnier nun im Winter stattfinden soll, mache die Sache nicht besser: "Ich denke, das ist ein Riesenproblem mit den europäischen Vereinen. Ihr ganzer Spielplan wird durcheinander gebracht." Müller ist gespannt, wie die Organisatoren das regeln wollen. An einen Rückzieher der Fifa in Sachen WM-Vergabe glaubt der 73-Jährige nicht. Zwar freue er sich stets auf eine WM, aber "leider Gottes ist der Sport ein bisschen in den Hintergrund" geraten die letzten Jahre.

Jürgen "Zetti" Zürl, Gastwirt und Fußballfan, spricht von "Verkauf statt Vergabe" der Fußballweltmeisterschaft an Katar. "Seit Beginn der Wetteraufzeichnungen ist es doch bekannt, dass es dort sehr heiß ist." Deshalb ärgert er sich über den Coup, den er allein Fifa-Chef Sepp Blatter, "diesem Sonnenkönig", zuschreibt. Der 50-Jährige: "Als Fußballfan ärgere ich mich, aber als Gastwirt kann ich mich mit einem Zeitplan im Dezember anfreunden. Mal ehrlich: Bei der letzten WM waren bei den Spielen unser Freibad wie auch unser Restaurant fast menschenleer. Das kann im Winter im Gasthaus anders sein und wir haben für die Gäste der Weihnachtsfeiern ein Zusatzangebot."

Bernd Reitstetter, Spielleiter des Fußballbezirks Unterfranken, sieht wegen des Wetters keine Alternative zu einem Wintertermin, "für die Gesundheit der Spieler ist die Verlegung natürlich sinnvoll." Von der Spielleiterseite drohe aber "ein Riesenchaos. Direkt ist der Amateurfußball nicht betroffen, wir gehen Ende November in die Winterpause und fangen im März wieder an." Aber wenn die Profiligen erst später als gewöhnlich ihre Saison beenden, gebe es wahrscheinlich große Probleme mit der Relegation an der Schnittstelle zwischen Amateur- und Profifußball, "die sich bis nach unten durchziehen." Als Fan fehle ihm im Winter "die bisherige Kultur. Ich bin kein Freund dieses Termins."

Markus Henneberger, ehemaliger Landesligaspieler beim 1. FC Haßfurt und Trainer, sieht die Terminverschiebung "nicht so dramatisch. Ich denke, dass man da zu einer einigermaßen akzeptablen Lösung kommen kann." Zwar sei die Entscheidung, den Terminplan der Profiligen umzukrempeln, "nicht schön. Aber das lässt sich bestimmt organisieren. Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg." Im Amateurbereich seien eine lange Winterpause und eine kurze Sommerpause ja der Normalfall, das könnten auch Profis einmal so handhaben. Finanzielle Einbußen der europäischen Ligen erwartet er keine. "Ich finde, man sollte das nicht von vorneherein ablehnen, sondern die neue Situation annehmen." nof/tsch/zi/al


Reaktionen auf Facebook

Auf unserer Facebook-Seitehaben wir unsere Leser gefragt, was sie von einer WM im Winter halten.

Joachim Stapf schreibt: Ich kann mich hier nur der Times (englische Tageszeitung, die Red.) anschließen, wenn diese Zeitung spottet: "Es gibt nur eine Sache, die dümmer ist als eine Winter-WM in Katar: eine Sommer-WM in Katar." Jetzt da diese WM vergeben ist, muss auch auf das Leistungsvermögen und die Gesundheit der Spieler geschaut werden. Bei den Sommertemperaturen dort ist beides nicht möglich. Ich hätte mir auch eine anständige WM unter vernünftigen Bedingungen gewünscht, doch der Bock ist geschossen. Da hätte man vorher besser schauen müssen, aber Geld macht blind und schaltet die Vernunft aus.

Georg Wagner schreibt: Was hat das noch mit Sport zu tun? Korruption, der Umgang mit den Arbeitern vor Ort, ein für ein Fußballturnier völlig unsinniges Austragungsland, das die Zeitpläne der Ligen durcheinander wirft, kein "bablic viuing im Biergarten"... kann die alten Männer von der Fifa keiner stoppen?