"Mit Feuereifer", so schilderte am Dienstag ein Wahlexperte, haben am Sonntagabend, am Montag und noch am Dienstag die Wahlhelfer die Stimmzettel für die Kreistagswahl ausgewertet. In den späten Vormittagsstunden stand am Dienstag das vorläufige Ergebnis der Wahl zum 60-köpfigen Kreistag Haßberge fest. Alle 211 Stimmbezirke waren ausgezählt.

Die Auswertung der riesigen Stimmzettel für die Kreistagswahl ist keine leichte Aufgabe. Mehrere hundert Kandidaten auf acht Listen waren angetreten. Die Wähler konnten Listenstimmen vergeben sowie einzelne Personen ankreuzen; ferner konnten sie häufeln und durchstreichen und das Votum quer über alle acht Listen verteilen. Da müssen die Wahlhelfer genau hinschauen.

Deshalb sei das Ergebnis der Kreistagswahl auch nach Auszählung aller 211 Stimmbezirke erst einmal vorläufig, hieß es aus dem Landratsamt, in dem die Fäden für diese Wahl zusammenliefen. Das endgültige Ergebnis der Kreistagswahl stellt der Wahlausschuss des Landkreises fest. Das Gremium tagt am Dienstag, 1. April (dann ist auch die Stichwahl für die neue Besetzung des Landratspostens vorbei).

Auch wenn das Ergebnis erst einmal vorläufig ist, steht fest: Gravierende Änderungen wird es nicht mehr geben. Gewinner sind die CSU (jetzt 22 Sitze), die Wählergemeinschaft (zehn Sitze) und die Grünen (vier Sitze); sie haben jeweils ein Mandat dazugewonnen im Vergleich zur Kommunalwahl 2008. Verlierer sind die Junge Liste (jetzt fünf Sitze), die FDP/Freie Bürger (drei Sitze) und die Linken (ein Sitz); sie haben jeweils ein Mandat abgegeben. Die SPD (jetzt 13 Sitze) und die ÖDP (zwei Sitze) sind unverändert.

Einige Urgesteine fehlen

Die personellen Veränderungen halten sich in Grenzen. Auffallend ist, dass gleich drei bisherige Kreisräte der Jungen Liste jetzt bei der CSU auftauchen (Steffen Vogel, Thomas Sechser und Mark Zehe). Einige politische Urgesteine sind nicht mehr im neuen Kreistag vertreten: der Knetzgauer Werner Schneider, der Riedbacher Theo Diem, der Eberner Robert Herrmann, der Haßfurter Rudi Eck sowie die Ebelsbacherin Hedwig Kraft (alle CSU); ferner fehlen künftig Emil Däschner aus Ebelsbach, Rosl Pflaum aus Eltmann, Günter Lipp aus Ebern und Ludwig Leisentritt aus Zeil (alle SPD). Die Wählergemeinschaft verliert den Kraisdorfer Gerhard Eller und den Königsberger Erich Stubenrauch, die Linke den Sander Willy Schütz.

Eine Änderung in der Besetzung des neuen Kreistages, dessen Amtsperiode am 1. Mai beginnt, wird es auf jeden Fall noch geben. Ein Ersatzmann für den neuen Landrat kommt hinzu. Die beiden Landratskandidaten Wilhelm Schneider (CSU) und Bernhard Ruß (SPD) sind mit den jeweils besten Ergebnissen ihrer Parteien als Kreisräte wiedergewählt worden. Wenn Wilhelm Schneider Landrat wird, rückt für ihn auf der CSU-Liste Theo Diem (Riedbach) nach. Macht Bernhard Ruß das Rennen, ist der Eltmanner Ullrich Pfuhlmann auf der SPD-Liste der Nachrücker im Kreistag.


Die 60 Kreisräte im neuen Kreistag HaßbergeMehrere hundert Kandidaten sind auf den acht Listen für die Kreistagswahl angetreten - und wenig hat sich verändert. Wenn man die ausscheidenden Kreisräte unberücksichtigt lässt, die nicht mehr angetreten waren, dann sind die Veränderungen minimal. Die Wähler haben den Bewerbern ihre Stimme gegeben, die sie kennen und die sich bewährt haben. Und das sind meistens die Kandidaten, die schon ein Mandat im Landkreis-Parlament haben.

Die Kontinuität muss aber kein Nachteil sein. Der Landkreis hat in den vergangenen Jahren eine erfolgreiche Politik betrieben, in der stets die Sache im Vordergrund stand. Parteipolitik spielte kaum eine Rolle. Abstimmungen gingen quer durch alle Fraktionen.

Mehr als die Zugehörigkeit zu einer Partei oder Wählergruppe schlug sich bei Wortbeiträgen oder Beschlüssen der regionale Aspekt nieder. Im 60-köpfigen Kreistag sitzen viele Bürgermeister sowie Stadt- und Gemeinderäte, die auch in der Landkreis-Vertretung das Wohl ihrer Kommunen im Auge haben. Das ist verständlich, macht die Kreispolitik mitunter aber schwierig.

Am deutlichsten wird die regionale Brille immer, wenn der Bauausschuss des Kreistages seine Tour durch den Landkreis unternimmt und dabei Bauprojekte vor Ort besichtigt. Die Sanierungen von Kreisstraßen werden dabei besprochen, und in diesen Fällen ist fast jedem Bürgermeister das Hemd näher als die Hose, sprich, die Sanierung der Kreisstraße in meiner Gemeinde ist am dringlichsten. Dem armen Alfons Schanz, dem Leiter der Tiefbauverwaltung des Landkreises, fliegen bei dieser Tour die Wünsche nur so um die Ohren. Es ist legitim, dass die Städte und Gemeinden Wünsche äußern. Sie finanzieren per Kreisumlage einen Großteil des Kreis-Etats.