Das hat Alfons Schanz auch noch nicht mitgemacht: An einem einzigen Tag sind vier sanierte und ausgebaute Kreisstraßenabschnitte offiziell für den Verkehr freigegeben worden. "Der Zufall spielte mit" bei diesem Zeitplan, erklärt der Leiter der Tiefbauverwaltung des Landkreises, unserem Portal. Aber nicht nur. "Wir waren halt tüchtig", sagt Alfons Schanz und schmunzelt. Recht hat er. Einen dritten und vierten Punkt führt er an, dass vier Übergaben an einem Tag möglich wurden. Der Ausbau einzelner Abschnitte sei so gut gelaufen, dass gleich das nächste Projekt angehängt werden konnte, und der Landkreis habe von teilweise günstigen Ausschreibungen profitiert.

Fahrt durch den Landkreis

Am Freitag hat der Bauausschuss des Kreistages die vier Kreisstraßenabschnitte freigegeben. Das geschah bei einer Fahrt des Gremiums durch den Landkreis, bei der sich die Kreisräte die fertigen Trassen, laufende Projekte und geplante Ausbau-Trassen angeschaut haben. Quer durch den Landkreis führte die Tour, bei der vier Bänder, die quer über die neuen Straßen gespannt waren, durchgeschnitten worden sind.

Der Landkreis verfügt über ein Straßennetz mit 321 Kilometer. Zum Vergleich: Das Staatliche Bauamt Schweinfurt ist für rund 360 Kilometer Staats- und Bundesstraßen im Kreis verantwortlichen, und die Straßenmeisterei Knetzgau kümmert sich um über 60 Kilometer Autobahn (teilweise auch in den angrenzenden Landkreisen Bamberg und Schweinfurt).

Betreut werden die 321 Kilometer von der Tiefbauverwaltung des Landkreises (Sitz in Haßfurt). Folgende vier Projekte wurden am Freitag offiziell abgeschlossen: die Ortsdurchfahrt Koppenwind, die Kreisstraße in Trossenfurt Richtung Hummelmarter, die Kreisstraße Recheldorf-Hemmendorf und die Ortsdurchfahrt in Humprechtshausen. Die Gesamtkosten beliefen sich auf 3,6 Millionen Euro, für die Fördermittel an den Landkreis fließen.

Üblicherweise wendet der Landkreis pro Jahr rund zwei Millionen Euro auf, um Kreisstraßen zu unterhalten, zu sanieren und auszubauen. Dabei rechnet der Kreis stets mit rund einer Million Euro an Zuschüssen. Heuer ist diese Zwei-Millionen-Marke deutlich überschritten worden, bedingt auch durch die günstigen Ausschreibungen. Alfons Schanz, der Leiter der Tiefbauverwaltung, hält diese "Massierung" aber für gerechtfertigt.

Welche Maßnahmen wann und wo ergriffen werden, richtet sich nach dem Ausbauplan, den der Bauausschuss des Kreistages festlegt und immer wieder aktualisiert. Um die besten Informationen zu haben, schaut sich der Bauausschuss, wie jetzt am Freitag geschehen, die Brennpunkte an. Dabei werden natürlich Wünsche innerhalb des Gremiums laut, und die meisten Kreisräte sind dabei weniger die Vertreter des Landkreises als vielmehr die Vertreter der Gemeinde, aus der sie kommen und für sie sich einsetzen. Ein weiteres Kriterium für Bauprojekte sind parallel laufende Ausbauten (wie Dorferneuerungen).

Noch ein Argument: Projekten richten sich nach der Notwendigkeit: Was muss unbedingt und rasch erledigt werden? Alfons Schanz nennt als Ziel des Kreises, rechtzeitig Unterhaltungsmaßnahmen in die Wege zu leiten. "Wenn ich das tue, spare ich finanzielle Mittel. Je länger ich nämlich warte, desto größer werden die Schäden. Unsere Devise muss deswegen sein, zeitnah Unterhaltungsmaßnahmen durchzuführen. Dann erspare ich mir spätere Flickschusterei", sagte er bei der Rundfahrt. Bei den Unterhaltungsmaßnahmen unterschied er die Ausbauarten Oberflächenbehandlung, Dünnschicht-Heiß-Unterhaltung sowie den Deckenausbau, der am teuersten kommt.

Manche Bauten und Sanierungen laufen zügig, bei anderen dauert es etwas länger. Auf Freistrecken kommen die Arbeiten immer schneller voran als in Dörfern. Zum Beispiel: Die 1,4 Kilometer lange Kreisstraße zwischen Recheldorf und Hemmendorf ist außerordentlich schnell ausgebaut worden, während die 1,1 Kilometer lange Ortsdurchfahrt von Koppenwind mehr Zeit in Anspruch nahm. Innerorts werden vielfach auch Wasser- und Kanalleitungen erneuert. Das erfordert Koordination, weiß Alfons Schanz. Hofeinfahrten müssen berücksichtigt werden, und der Verkehr muss trotzdem laufen; zumindest sollen die Anlieger zu ihren Grundstücken gelangen können. Deshalb wird eine solch aufwendige Baumaßnahme wie etwa in Koppenwind laut Alfons Schanz "in vielen kleinen Abschnitten durchgepflügt".

Die vier Trassen

Vier sanierte und ausgebaute Kreisstraßenabschnitte hat der Bauausschuss des Kreistages am Freitag offiziell übergeben, 3,6 Millionen Euro investierte der Kreis.

Den größten Investitionsaufwand erforderte die Ortsdurchfahrt Koppenwind mit 1,1 Kilometern. Die Gesamtbaukosten beliefen sich auf 1 997 000 Euro. Davon entfielen 879 000 Euro auf den Landkreis, 521 000 Euro auf die Teilnehmergemeinschaft Rauhenenbrach und 579 000 Euro auf die Gemeinde Rauhenebrach. Bürgermeister Oskar Ebert (FW) sprach von "keiner leichten Baustelle, denn vier Gewerke mussten gleichzeitig bearbeitet werden: der Straßenbau, Randbereiche, Neubau Kanal und Wasserleitung bei laufendem Betrieb. Da kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen, welche Schwierigkeiten wir während des Baues zu bewältigen hatten."

In einem Gespräch mit unserem Portal erinnerte Gemeinderat Klaus Markfelder daran, dass die Maßnahme schon vor sechs Jahren ausgeführt werden sollte. Durch die Wartezeit und die Dorferneuerung seien aber mehr Mittel herausgesprungen, und für die Bürger sei es dadurch glimpflich ausgegangen. Der lange Winter und das Hochwasser an Pfingsten hätten in der Bauphase zu Problemen geführt. "Im unteren Teil ist auch der Kanal komplett ausgetauscht worden. Dies war notwendig, weil immer wieder die Keller überflutet wurden. Die Kosten werden aber auf die Gebühren umgelegt, und wir werden nur für die Gehsteige herangezogen, weswegen wir bei 100 000 Euro und 40 Anwesen pro Anwesen durchschnittlich mit zirka 2000 Euro rechnen." Als sehr gelungen gegenüber früher hält Markfelder den einseitig durchgezogenen Gehsteig.

Fritz Herbst erinnerte sich daran, dass die erste Schwarzdecke der Ortsstraße 1967/68 eingebaut wurde. "Damals gehörten wir ja noch zum Landkreis Bamberg. Die Straße war natürlich nicht so gut ausgeführt wie heute. Als Bürger müssen wir uns beim Landkreis Haßberge und bei der Gemeinde bedanken für die große finanzielle Unterstützung. Unser Dorf ist damit viel schöner geworden, alles ist bestens gelungen." Er habe zwar keine Kritik, wolle aber dennoch den Hinweis geben, dass man bei der Anlage der Gehsteige und Einfahrten zukünftig sinnvoller mit dem Bürger in Verbindung treten solle, empfahl Herbst.

In Humprechtshausen in der Gemeinde Riedbach ist die Ortsdurchfahrt im Zuge der Kreisstraße auf 306 Metern Länge ausgebaut worden. Die Gesamtkosten belaufen sich auf knapp 400 000 Euro.

Für den Ausbau der Kreisstraße Hemmendorf-Recheldorf in der Gemeinde Untermerzbach) auf einer Länge von 1,4 Kilometern betrugen die Herstellungskosten 831 000 Euro. Der Landrat Rudolf Handwerker (CSU) wies auf drei Bauabschnitte hin: Untermerzbach einschließlich Recheldorf im Jahre 2009, nun Recheldorf-Hemmendorf und für 2017 sei noch Hemmendorf-Gleusdorf vorgesehen. "Daran ersehen Sie, dass dem Landkreis Haßberge sehr daran gelegen ist, die Infrastruktur für seine Bürger auch in den entlegensten Winkeln des Landkreises in einem guten Zustand zu halten." Trotz aufwendiger Sicherung und Umverlegung einer Telekom-Hauptleitung konnten die Bauarbeiten in einer Rekordzeit von nur 68 Arbeitstagen abgeschlossen werden. "Dies ist eine Traumleistung der Firma Rädlinger aus Selbitz", lobte der Landrat.

Der Ausbau der Strecke Trossenfurt-Hummelmarter war bereits für 2010 vorgesehen, wurde aber in zwei Bauabschnitte unterteilt. Nun ist der erste Abschnitt, die Ortsdurchfahrt in Trossenfurt auf einer Länge von 295 Metern in Richtung Hummelmarter, ausgebaut. Die Kosten betragen über 400 000 Euro.
Der zweite Bauabschnitt bis Hummelmarter mit einer Länge von 2,2 Kilometern ist im Ausbauplan für das Jahr 2015 und Gesamtkosten von 1,8 Millionen Euro eingeplant. Begleitend wurden der Gehweg erneuert und Parkplätze angelegt.

Die weiteren Planungen

Derzeit laufen im Landkreis vier Kreisstraßen-Ausbauprojekte. Das sind die Trasse Unter-/Obermerzbach, die Strecke Kraisdorf-B 279, die Ebelsbachbrücke in Dörflis sowie der Bau eines Kreisverkehrsplatzes in Hofheim.

Im Ausbauplan für 2014 stehen die Kreisstraße mit der Barockbrücke Frickendorf, die Kreisstraße Burgpreppach-Leuzendorf sowie die Kreisstrße Haßfurt-Sechsthal. Auf 970 Metern ist die Fahrbahn dort stark beschädigt. ks/gg