Vor 20 Jahren begann Heinrich Weisel mit seiner Familienforschung. Fünf Jahre später steckte er bereits mitten in den heimatgeschichtlichen Forschungen nach den Zeiler Steinhauern im 17. und 18. Jahrhundert. Am Anfang studierte Weisel auf der Suche nach seinen Ahnen besonders die Kirchenbücher der Pfarreien in der Umgebung. Später schaute er sich die Unterlagen in den Stadtarchiven von Zeil und Bamberg genauer an. Viele interessante Geschichten hat die Region Heinrich Weisel zu verdanken, der sie ans Tageslicht förderte.


Nach Bamberg hatte sich Weisel gewandt, weil die Zeiler Maurer und Steinhauer bis 1700 Mitglieder der Bamberger Zunft waren. Im September 1700 wurden die Zeiler Handwerker selbstständig und bekamen eine eigene Handwerksordnung.


Denkmalpfleger waren ganz Ohr

Bei Weisels Archivbesuchen in Bamberg ergaben sich Kontakte zu Bauexperten und Kunsthistorikern im Landesamt für Denkmalpflege im Schloss Seehof bei Memmelsdorf. Von ihnen erhielt der Zeiler Informationen über das Bamberger Bauwesen im 17. und 18. Jahrhundert in Stadt und Umland. Weil die Zeiler Handwerker weit reichende Geschäftsverbindungen hatten, recherchierte Weisel auch in den Staatsarchiven Bamberg, Würzburg und Coburg und studierte historische Literatur. Sein Material wuchs an. 2000, 2005 und 2009 schließlich schloss er die dreiteilige Zeiler Steinhauergeschichte im 17. und 18. Jahrhundert ab - vorläufig.


Weil er über seine Erkenntnisse vielfach berichtete, "stieß ich auf reges Interesse und erhielt viele Anfragen von Leuten, die Näheres wissen wollten", erzählt Heinrich Weisel. Teilweise liehen ihm die Menschen Archivalien von baulichen Vorgängen und dazugehörigen Handwerkernamen zur Auswertung. "Dabei fiel mir auf, dass alle diese Dokumente aus einem Archiv des früheren Rittergutes in Gleisenau stammten", berichtet Weisel. Er fragte nach, führte viele Gespräche und erfuhr von einem für ihn schier unglaublichen Vorgang.


Das 1548 erbaute erste Schloss Gleisenau gehörte Familie Fuchs von Bimbach. Im 18. Jahrhundert kaufte es die Familie Groß von und zu Trockau. 1772/1773 wurde ein neues Schloss (jetzige Form) errichtet. In dessen Dachgeschoss brachte man alle alten schriftlichen Unterlagen der Fuchs von Bimbach in einem Raum unter. Auch die Groß von Trockau nutzten das Dach als Registratur und Archiv.


Umbau


Als 1965 der Schweinfurter Industrielle Georg Schäfer das Schlossareal erwarb, ließ er es umbauen zum Tagungszentrum. Das marode Dach wurde erneuert - und da störten die eingelagerten Archivalien. Sie kamen in die Scheune, wo sie nicht lange blieben. Man verlud sie auf Lkws und brachte sie ins Kugelfischerwerk Eltmann: Futter für die Heizung.

Beim Transport der Schriftstücke auf den offenen Lkws fielen Schriften auf holpriger Straße, in Kurven oder im Kufi-Werk herab. Mancher hob die Dokumente auf und nahm sie mit nach Hause. Die alten Handschriften aus dem 16., 17. oder 18. Jahrhundert konnten viele aber schlecht entziffern. "Die Fundstücke wurden schon bald zur Seite gelegt, wo sie über Jahrzehnte hinweg ruhten, glücklicherweise erhalten blieben und jetzt so nach und nach zum Vorschein kommen", weiß Weisel. "Das älteste Schriftstück, das ich bisher in Händen hielt, war ein Lehenbuch der Gleisenauer Gutsherrschaft Fuchs von Bimbach aus dem Jahr 1525, der Zeit des Bauernkrieges, mit den Namen und Wohnorten der Lehensleute im Bereich Eltmann", unterstreicht er die Bedeutung.