"Es ist ein Allroundfahrzeug" beschreibt es Hans Jüngling, der Gruppenführer auf dem neuen Fahrzeug, das sowohl zur Brandbekämpfung als auch zur technischen Hilfeleistung geeignet ist. Die Zusammenlegung verschiedener Aufgaben und Möglichkeiten auf ein Fahrzeug sei auch einem gewissen Personalmangel bei der Feuerwehr geschuldet, berichtet Jüngling. Das HLF 20 hat ein 15-Tonnen-Fahrgestell und 290 PS. Es verfügt über eine Pumpe mit einem Druck von zehn Bar, die in der Lage ist, 2000 Liter Wasser in einer Minute durch die Schläuche zu pressen. Das Löschfahrzeug selbst hat einen Tank mit 1600 Liter Wasser, dem über die Pumpe Löschschaum zugemischt werden kann. Eine Löschgruppe mit neun Feuerwehrleuten kann mit dem HLF 20 zum Einsatz fahren.


Förderantrag wurde 2013 gestellt

Wenn eine Feuerwehr ein neues Fahrzeug benötigt, dauert das einige Zeit. In diesem Fall waren es zwei Jahre. "Im Herbst 2013 haben wir den Förderantrag gestellt", erzählt Feuerwehrkommandant Martin Volpert. Vorangegangen war die Erkenntnis, dass ein Ersatz für ein mittlerweile 25 Jahre altes Löschfahrzeug her musste. "Das haben wir ausgesondert, nachdem die Reparaturkosten den Zeitwert überstiegen haben", erklärt Volpert.

In der Haßfurter Feuerwehr gründete sich ein zehnköpfiges Fahrzeugbeschaffungsteam, das sich um die Ausschreibung kümmerte. Eine große Aufgabe, denn nach Berücksichtigung aller Vorgaben war die Ausschreibung zum Schluss stolze 200 Seiten dick. Nach europaweiter Ausschreibung bestellte die Feuerwehr das neue Löschfahrzeug schließlich im Oktober 2014 für 390 000 Euro.

"Eigentlich wären die Kosten noch höher gewesen", berichtet Volpert, doch einige Teile konnten vom ausgemusterten Vorgänger wiederverwendet werden.
Drei Firmen waren an dem neuen Einsatzgefährt beteiligt. Das Fahrzeug selbst ist ein Mercedes-Benz Atego, der Feuerwehraufbau stammt von der baden-württembergischen Firma Albert Ziegler, die Beladung lieferte die Firma Ludwig Feuerschutz aus Bindlach im Landkreis Bayreuth. "Feuerwehrfahrzeuge müssen 20 bis 25 Jahre halten. Stellen Sie sich vor, Sie würden Ihren privaten Pkw so lange fahren", sagt Martin Volpert. "Deshalb darf es nicht nur um den Preis gehen, sondern auch um die Qualität."


Es gibt etliche Verbesserungen

Dem Vorgänger gegenüber bietet das Fahrzeug einige Verbesserungen. ABS und ESP bieten mehr Sicherheit für die Feuerwehrleute auf dem Weg zum Einsatz, ebenso wie der Sicherheitsgurt auf jedem Platz. Auch die Vorbereitung auf den Einsatz geht mit dem neuen Fahrzeug schneller. Im neuen Fahrzeug können vier Helfer bereits auf der Fahrt Atemschutzgeräte anlegen.

Bisher gab es nur zwei Atemschutzgeräte im Innenraum, die anderen mussten die Geräte am Einsatzort anlegen, wodurch wertvolle Zeit verloren ging. Dafür gibt es eine farbige Beleuchtung, die es den Einsatzkräften ermöglicht, sich bei Licht umzuziehen, ohne damit den Fahrer zu blenden. "Das kann man sich vorstellen wie in U-Boot-Filmen, nur, dass das Licht bei uns nicht rot ist, sondern grün", erzählt Julian Weidinger vom Presseteam der Feuerwehr.

Weitere Besonderheiten sind ein Lichtmast, der bei Nachteinsätzen für tageslichtähnliches Licht sorgt, sowie eine Rettungsplattform, von der aus die Einsatzkräfte nach einem Lkw-Unfall auf Höhe des Führerhauses arbeiten können. Mit dabei ist eine tragbare Stromerzeugung, so dass die Feuerwehr für Stromausfälle gerüstet ist, sowie ein Hochleistungslüfter, der bei Brandeinsätzen dafür da ist, den Rauch aus dem Gebäude herauszubringen. "Der ist sogar explosionsgeschützt, wir können ihn also auch bei Gefahrguteinsätzen verwenden", berichtet Volpert.

Mit dabei sind zwei Multifunktionsleitern, die bis zum zweiten Obergeschoss eines Gebäudes reichen, sowie eine Schiebleiter, die bis zum dritten Obergeschoss reicht. Als "letzte Möglichkeit, wenn man mit den Leitern nicht hinkommt", gibt es noch ein aufblasbares Sprungpolster. Für den Fall, dass sich die Feuerwehrleute erst den Weg zum Einsatzort erkämpfen müssen, sind auch Werkzeuge wie ein Motorschleifer oder eine Kettensäge mit an Bord.

Seinen ersten Einsatz hatte das neue Fahrzeug bisher noch nicht. Auch wenn die Feuerwehrleute sicher gerne die neuen Gerätschaften im Ernstfall ausprobieren wollen, findet der Kommandant: "Es ist ja eigentlich gut, wenn nichts Schlimmes passiert."