Sie sind verbunden mit der Anordnung zur Unterbringung in einer Entzugsanstalt. Sollte der junge Mann seine Therapie durchhalten, kann er die restlichen Monate unter Bewährung auf freiem Fuß verbringen.

Als Dealer ist er bei Justiz und Ermittlern aufgefallen: Bei ihm fand man im Frühjahr 2012 nicht nur 1,1 Kilogramm Marihuana, sondern mit 106 Gramm Methamphetamin in der Wohnung der damaligen Freundin, wo der Mann lebte, die größte Menge dieser chemischen Modedroge, die im Raum Haßfurt bislang gefunden worden ist. Crystal-Meth ruiniert die Gesundheit.

Eine große Nummer auf dem Markt?

Speziell drehte es sich im Verfahren am Dienstag vor dem Landgericht in Bamberg um die Frage, ob die Angaben eines Belastungszeugen, bei dem 24-Jährigen handle es sich um eine große Nummer im Dealergeschäft, wahr sind. Der Angeklagte sollte angeblich 200 Gramm Crystal wöchentlich verkauft haben. Um es vorwegzunehmen: Das ließ sich nicht beweisen.

Angeklagt war der 24-Jährige wegen "Einkaufsfahrten" nach Tschechien, strafbar als unerlaubte Einfuhr von Betäubungsmitteln, ferner wegen unerlaubten Handeltreibens mit und Besitz von Betäubungsmitteln, und zwar alles in nicht geringen Mengen. Letztere erhöhen das Strafmaß. Dem jungen Mann drohten damit zwischen zwei und 15 Jahren Haft.

Aufgeflogen war die Sache bei Ermittlungen im Drogenmilieu. Bekannte standen vor dem Kadi und "sangen". Nicht zuletzt, damit ihre eigenen Strafen geringer ausfielen. Besonders ein Bekannter, eingesetzt als Drogenkurier, belastete den Angeklagten.

Die wesentlichen Vorwürfe bestätigten sich

In Bamberg bestätigten sich die wesentlichen Vorwürfe der Staatsanwaltschaft. So war der 24-Jährige im Januar mit anderen im Auto nach Eger gefahren, um dort auf dem Vietnamesenmarkt einmal 30 Gramm "Meth" zu kaufen - deutlich mehr, als für den Eigenbedarf nötig.

Ein weiteres Mal, im März 2011, hatte der Angeklagte einem anderen Geld mitgegeben. 15 Gramm Crystal und Speed fanden da von Tschechien her den Weg zu ihm.

Voll geständig war der junge Mann im Fall der bei ihm gefundenen Drogenmengen. Was blieb ihm anderes übrig: Ermittlungsbeamte hatten die Wohnung der Freundin, wo er lebte, durchsucht sowie das Haus der Eltern in einem Nachbarort.

Vorangegangen war eine wochenlange Telefonüberwachung. Da wurden Termine und Treffpunkte ausgemacht, Schulden eingetrieben, Drogen aus dem Fenster hinaus in die Büsche geworfen, auf dass der Kunde sie sich da hole. Der Kripo-Mann konnte 15 der Anrufer identifizieren, weit größer war der Abnehmerkreis, den man gerichtsmäßig nicht belangen konnte.

Am Rande wurde bei seiner Aussage vor Gericht deutlich, wie der Fund der 106 Gramm Methamphetamin einzuordnen ist: Bislang, so hieß es, sei die Grenze bei Bamberg gelegen. Jetzt sei erstmals eine größere Menge im Raum Haßfurt gefunden worden. Für die Vertreter von Polizei und Justiz klar: Die chemische Droge rückt immer weiter gen Westen vor. Auch der Landkreis Haßberge werde, wie es hieß, gegenwärtig von chemischen Drogen geradezu überschwemmt. Heroin trete dagegen in den Hintergrund.

Richtige "Giftlerwohnung"

Wie bei den Schilderungen des Kripobeamten vor Gericht deutlich wurde, fanden die Einsatzkräfte eine richtige "Giftlerwohnung" vor: Das dicke Päckchen mit 106 Gramm Crystal befand sich im Kühlschrank unter dem Gemüse. Auf dem Wohnzimmertisch lagen Rauschgiftutensilien, ein Rauchkopf auf der Toilette und ein "Rauschkochbuch" beschrieb, wie man Haschkekse, "Spacecakes", bäckt.

Gleichzeitig stellten Polizisten die Wohnung der Eltern auf den Kopf. 1,1 Kilogramm Marihuana lagerten im Keller. Rest eines Zwei-Kiloramm-Pakets, das der 24-Jährige zwei Monate vorher gekauft und dort versteckt hatte, als der Vater außer Haus war: "Der passt auf, dass ich keinen Mist mach", meinte der junge Mann.

Seine Vernehmung gab am Dienstag Einblick in eine Kindheit und Jugend, die durch die Angst vor dem Vater (so beschrieb der Gutachter) und früh durch Alkohol und Rauschgift geprägt worden ist, wie der junge Mann selbst aussagte. Mit elf Jahren ging es los mit Bier, dann kam Wodka. Mit 13 folgte Haschisch, erst nur am Wochenende, später jeden Tag. Nach der achten Klasse flog der Jugendliche ohne Abschluss von der Hauptschule, weil er einen Drogentest verweigert hatte, da versuchte er sich schon an chemischen Drogen.

Der junge Mann besuchte berufsvorbereitende Einrichtungen, fand dann bei Zeitarbeitsfirmen Jobs. Als Einzelkind wohnte er bei den Eltern, so reichte das Geld locker. Zwei Jahre lang sah es sogar so aus, als könnte alles gut werden. Bei einer Firma war der Chef zufrieden mit ihm, wie die Mutter im Zeugenstand beteuerte.

Lebenslanger Kiffer

"Gekifft hab ich mein ganzes Leben, zehn Jahre schon," gab der Angeklagte vor dem Richter mit einem Schulterzucken an. Irgendwann um die 17 versuchte er, weniger Drogen zu nehmen, doch ab 21 war die "Chemie" wieder da. In den letzten Monaten vor der Verhaftung, er war aus dem Elternhaus aus- und bei der Freundin eingezogen, wurde sein Leben immer exzessiver. Er nahm "eigentlich alles, was da war," konsumierte an die eineinhalb Gramm Crystal und Speed am Tag, kiffte täglich bis zu drei Gramm; schnupfte, schluckte, rauchte und spritzte sich die Drogen.

Richter Manfred Schmidt bremste den jungen Mann bei der Befragung ein wenig ab, als es um dessen Eigenverbrauch ging. Das seien schon sehr große Mengen. Immerhin habe er ja wohl in Tschechien billig eingekauft und in Deutschland teuer verkauft, hielt er dem Angeklagten vor. Damals kostete dort das Gramm Methamphetamin zwischen 35 und 40 Euro, verkauft wird es in Deutschland zu 80 bis 100 Euro das Gramm. Heute, merkte ein Zollbeamter, der als Zeuge vernommen wurde, vor Gericht an, kostet das Gift in Tschechien nur noch 18 Euro das Gramm.

Aggressiv, hektisch, gereizt und lustlos

Die Drogen zogen den jungen Mann runter. Er kam morgens nicht mehr aus dem Bett, wurde aggressiv, hektisch, gereizt, lustlos. Seiner Mutter will, wie sie im Zeugenstand angab, die Veränderung des Sohnes erst vor etwa drei Jahren aufgefallen sein. Dass er wegen eines verweigerten Drogentests von der Schule flog, wollte sie gar nicht gewusst haben.

Ob sie es realisierte? Und ist dem 24-Jährigen sein Problem bewusst? Ob er es schon einmal mit einer Entziehung versucht habe, wollte Richter Schmidt am Vormittag wissen. Nein, kam die Antwort. Mit einer Entgiftung? Kopfschütteln. Ob er Probleme habe? Nein.

Genau dieselben Antworten, die offenbar auch die Eltern bei Nachfragen erhielten. Es sei alles in Ordnung, berichtete die Mutter, habe sie auf ihre Fragen gehört.

Vater und Mutter fielen aus allen Wolken, als die Polizisten zur Hausdurchsuchung anrückten. Es seien immer mal Leute da gewesen, erzählte die Mutter, "natürlich, aber dass die etwas gekauft haben, das habe ich nicht gedacht." Die schulische Laufbahn ihres Sohnes kommentierte sie: "Er wollt' halt nicht lernen."

Schweigsame Zeugen

Als die Bekannten aus dem Drogenmilieu als Zeugen aussagen sollten, verweigerten sie die Aussage; ebenso die frühere Freundin. Der junge Mann, der den Angeklagten in seinem eigenen Verfahren schwer belastet hatte, blieb bei seinen Angaben.

Der psychiatrische Gutachter attestierte dem Angeklagten chronischen Substanzmissbrauch und erste Störungen in der zeitlichen Orientierung. Er sieht die Gefahr, dass der junge Mann wegen seiner Abhängigkeit weiter Straftaten begeht. Daher empfahl er eine Entwöhnungsbehandlung. Die Therapiebereitschaft sei da.

In seinem letzten Wort vor der Urteilsverkündung war der 24-Jährige hellwach: Er wolle mit den Drogen aufhören und eine Therapie machen.

Sogar auf dem Spielplatz Drogen verkauft

Der Staatsanwalt sah in seinem Plädoyer den Tatbestand als bewiesen an, wertete die Geständigkeit des Angeklagten positiv, hob als straferschwerend aber hervor, dass es sich hier definitiv nicht um geringe Mengen gehandelt habe, die der Angeklagte unerlaubt eingeführt, besessen und in Handel gebracht habe. Selbst auf dem Spielplatz habe er die Drogen verkauft. Christopher Rosenbusch forderte daher eine Freiheitsstrafe von fünf Jahren. Und Unterbringung in einer Entziehungsanstalt.

Verteidiger Jochen Kaller wehrte die Behauptung, sein Mandant habe Drogen auf dem Spielplatz verkauft, als Polemik ab, es habe keine Observation gegeben, damit gebe es keinen Beweis für solch eine Behauptung. Er hingegen hielt vier Jahre für angemessen, verbunden mit 18 Monaten Therapie. Da dann mit den abgesessenen neun Monaten in Untersuchungshaft, zusammen 27 Monate, und also mehr als die Hälfte der Strafe bereits abgegolten sein, forderte er, den weiteren Vollzug nicht anzuordnen und auf Bewährung auszusetzen.

Das Urteil lautete schließlich auf vier Jahre, acht Monate. Richter Manfred Schmidt hielt dem 24-Jährigen seine Chance eindringlich vor Augen: "Sie haben die Möglichkeit mitzumachen." Er muss auf Entzug, und er muss sich dort bewähren, nur dann bleibt ihm das Absitzen der Haftstrafe erspart. Die restlichen Monate wurden zur Bewährung ausgesetzt. Das Urteil ist rechtskräftig.