Die Kirchaicher Feuerwehrleute warfen sich in ihre Ausgeh-Uniformen, um einen besonderen Tag zu begehen. LF 20 heißt das Zauberwort: Das neue Löschgruppenfahrzeug wurde dem ganzen Dorf präsentiert. Die Blaskapelle voraus, ging es im Festzug durch Kirchaich und auch aus der Nachbarschaft waren zahlreiche Zuschauer gekommen.

"Löschgruppenfahrzeug" ist ein etwas unscheinbarer Begriff für dieses Hilfspaket auf Rädern. Das LF 20 hat nicht nur 2000 Liter Wasser und 120 Liter Lösch-Schaum mit den dazugehörigen Pumpen und Schläuchen zum Löschen an Bord, sondern auch die vielfältigste und modernste Ausstattung für die technische Hilfeleistung, die heute von den Feuerwehrleuten häufiger gefragt ist als der reine Brandeinsatz. Mit Xenon-Licht sorgt ein ausfahrbarer Lichtmast an der Einsatzstelle für die erste Übersicht, bevor ein großer Lichtmast angerückt ist. Hebekissen und Absturzsicherung, ein "Ziehfix" zur Öffnung von Fahrzeugen, ein "Stab-Fix" zur Stabilisierung von verunglückten Fahrzeugen, Auffangbehälter für auslaufende gefährliche Stoffe, Elektrowerkzeug und eine komplette Schornsteinfeger-Ausrüstung für Kaminbrände finden sich im Auto. Ebenso eine Säbelzahnsäge, der weder Glas noch Metall widerstehen kann, ein Sprungkissen, ein Nass-Trocken-Sauger und ein Lüfter, um nach einem Zimmerbrand den Rauch schnell zu entfernen.

Dass die Pressluftatmer jetzt im Mannschaftsraum des Fahrzeugs hängen, ist inzwischen Standard. Die Atemschutzgeräteträger können sich während der Anfahrt fertig machen und sind sofort einsatzbereit, wenn sie an Ort und Stelle angekommen sind.

Auch auf die Eigensicherung der Wehrleute wird ein großes Augenmerk gelegt. Ein kleines, sichtbares Zeichen dafür ist die kleine Sanitäreinheit, die wie die anderen Ausrüstungsgegenstände aus dem Fahrzeug gezogen werden kann. Denn nach dem Brand ist "Händewaschen" angesagt. "Die Leute müssen sich zumindest grob reinigen, damit sie keine gesundheitsschädlichen Stoffe mit ins Feuerwehrhaus schleppen", erklärte Kommandant Norbert Gülta bei der Besichtigung des Fahrzeugs, die viele Kirchaicher und Vertreter von benachbarten Feuerwehren nutzten. Auch Kreisbrandrat Herbert Dressel ließ es sich nicht nehmen, beim Empfang des Autos dabei zu sein. Immerhin kostet ein solches Fahrzeug mit aller Ausrüstung 328 000 Euro, etwa 230 000 Euro davon trägt die Gemeinde Oberaurach, der Rest ist staatlicher Zuschuss.

Eine Exklusiv-Führung hatten schon am Morgen die Kindergartenkinder. Die sind, seit sie den neuen Kindergarten bezogen haben, direkte Nachbarn der Feuerwehr und so war es für sie Ehrensache, dass sie für das neue Fahrzeug ein Feuerwehrlied einstudierten "Die Feuerwehr, die rennt, wenn's brennt", sangen sie aus vollen Kehlen und zauberten ein Lächeln auf die Gesichter der Feuerwehrleute. Die ließen natürlich kurz das Martinshorn anlaufen und zeigten die vielen spannenden Details des Autos.

Etwa ein halbes Jahr lang aber wird noch das alte Feuerwehrfahrzeug, Baujahr 1976, seinen Dienst tun müssen, denn bis alle 45 Aktiven mit allen Details des neuen Fahrzeugs vertraut sind, so dass im Ernstfall jeder Handgriff sitzt, wird es jetzt eine intensive Übungszeit benötigen. Angesichts des Schmuckstücks sind die Kommandanten allerdings überzeugt, dass die Teilnahme an den angesetzten Übungen groß sein wird. Viele Feuerwehrleute haben sogar Urlaub eingeplant, um sich intensiv mit dem neuen Gerät für Kirchaich auseinanderzusetzen.