Eine politische Debatte aus Sicht der jungen Generation lieferten sich am Wochenende Vertreter der Jugendorganisationen verschiedener Parteien im Sportheim Krum. Eingeladen hatte die Schülerunion Haßberge, deren Vorsitzende Selina Schorr zusammen mit ihrem Stellvertreter Yannick Reuß auch die Moderation übernahm. Unter den Teilnehmern hatten Julian Müller aus Sand (Junge Liste Haßberge), Winni Geuß aus Ebern (Junge Union) und Jens Heyn aus Knetzgau (Grüne Jugend) ein Heimspiel. Mangels Nachwuchs im Landkreis Haßberge hatte die Linke Jugend solid Gizem Fesli aus Nürnberg nach Krum geschickt, während Marco Strube für die Jungen Liberalen aus Bamberg kam und Thomas Schramm von der Jungen Alternative aus Bad Staffelstein anreiste. Bei sechs Fragerunden konnten die Jugendvertreter ihre Ansichten zu verschiedenen Themen kundtun.

Nach den persönlichen Zielen zur Kommunalwahl beziehungsweise denen ihrer Partei gefragt, antwortete Julian Müller, dass er sowohl für den Kreistag als auch für den Gemeinderat in Sand kandidiere. Nach bereits erfolgreich initiierten Projekten, wie zum Beispiel der Einführung der Gelben Tonne, schreibe sich die Junge Liste mit dem Bau eines Allianz-Bades, der Optimierung des ÖPNV (öffentlicher Personennahverkehr) sowie dem Erhalt des Eberner Krankenhauses neue Ziele auf die Fahne.

Gizem Fesli kandidiert für die Linken in Nürnberg und will sich für die Digitalisierung und die Stärkung des ÖPNV im Nürnberger Raum einsetzen. Thomas Schramm plädierte für einen Ausbau des Mobilfunks auch im ländlichen Raum, so dass er einer Industrienation würdig sei. Das Ehrenamt stärken und verbilligte ÖPNV-Tickets für Schüler einführen möchte Marco Strube. Als Stadtrat in Ebern und Kreisrat kandidierend, will sich Winni Geuß für den Erhalt des Freibades und der Bücherei einsetzen sowie für mehr Transparenz im Stadtrat.

Lebhaft wurde zur Frage diskutiert, wie man jungen Flüchtlingen helfen könne, in Deutschland besser zurechtzukommen. Marco Strube zählte mit dem Lernen der deutschen Sprache, einen Ausbildungs- oder Arbeitsplatz anzunehmen und dem Engagement in Sportvereinen drei Voraussetzungen zur Integration auf. Man müsse Unterschiede zwischen Asylanten und Migranten machen, meinte Thomas Schramm. Asylanten sind nach seiner Meinung oft wenig qualifiziert und müssten in ihre Heimat zurückgeschickt werden, sobald der Grund für das Asyl verfallen sei. Migranten müssten langfristig assimiliert werden, so Schramm.

Sehr positiv fand es Gizem Fesli, dass 18 Millionen Menschen in Deutschland Migrationshintergrund haben. Die eigene Kultur aufzugeben könne keine Forderung gegenüber den ausländischen Mitbürgern sein, betonte die Linken-Politikerin. Winni Geuß sah größere Probleme in Großstädten als auf dem Land und befürwortete die teilweise Assimilierung, zum Beispiel in Bezug auf die Rechte der Frauen. Für ein hartes Durchgreifen bei Straftätern, aber auch für eine gute Unterstützung Berechtigter ist Julian Müller. Er steht kritisch den Ankerzentren gegenüber und lobte seinerzeit die Verteilung der Flüchtlinge in alle Kommunen des Landkreises. Jens Heyn möchte den Menschen bei der Bürokratie helfen und fordert, dass Flüchtlinge ihre Kultur anpassen, vor allem da, wo die deutsche Gesetzgebung anfängt, beispielsweise bei den Frauenrechten.

Über das große Thema Umwelt ging es bei der Frage "Was können Städte und Gemeinden für das Klima tun?" Jens Heyn zeigte sich enttäuscht, dass so wenig junge Menschen bei der letzten "Friday for Future"-Demonstartion in Haßfurt waren. Der junge Grüne plädierte für mehr erneuerbare Energien und weniger Individualverkehr. Winni Geuß findet die "Friday for Future"-Bewegung grundsätzlich gut, toleriert es aber nicht, dass dafür die Schule geschwänzt werde. Die Demos können auch nachmittags oder am Wochenende stattfinden, sagte Geuß. Erst auf Druck habe die Bundesregierung reagiert, meinte Gizem Fesli. Ihrer Meinung nach wurde der Druck durch das Schuleschwänzen erst richtig untermauert.

Der junge Liberale Marco Strube hält den Individualverkehr auf dem Land für absolut notwendig. Lieber solle man neue Kraftstoffe entwickeln oder kommunale Gebäude energetisch sanieren. Als Pragmatiker sagte Julian Müller, dass Demos im Prinzip immer gut seien, aber in Bezug auf "Friday for Future" das Einsammeln von Plastikmüll stattdessen sinnvoller wäre, als nicht in die Schule zu gehen und sich auf dem Marktplatz zu versammeln. Ein Dieselfahrverbot bringe nichts, angesichts der Umwege, die dadurch zurückgelegt werden müssen, so Müller. Die Junge Liste verfolge zurzeit eine Idee aus dem Landkreis Hof, wo es Ruf- beziehungsweise Landbusse gibt.

Thomas Schramm konnte die Klimahysterie nicht teilen. Deutschland wolle die ganze Welt retten, wobei hier der Kohlendioxid-Ausstoß seit 1990 bereits um 25 Prozent zurückgegangen sei. Vielmehr sah er große Länder wie China in der Pflicht und war der Meinung, dass lieber in die Forschung investiert werden solle, anstatt Verbote auszusprechen.

"Wie kann man Schüler/Studierende beim Umzug und der Wohnungssuche unterstützen?", fragten die Moderatoren. Thomas Schramm vertrat die Auffassung, dass die heutige Generation verwöhnt sei. Das Bafög ist nach seiner Meinung ausreichend . Im Übrigen meinte der Vertreter der jungen Alternative , dass das Niveau wieder soweit hochgesetzt werden müsse, dass wie früher nur noch 30 Prozent der Schüler studieren anstatt wie aktuell 50 Prozent. Marco Strube empfindet die Hilfe durch Studentenkreis beziehungsweise Studentenverbindungen ausreichend und sagte auch, dass nicht jeder die Qualität zum Studieren habe. Fesli Gizem sah dagegen enormen Handlungsbedarf und forderte eine Erhöhung des Bafög-Satzes.

Mehr Platz zu schaffen, damit die Wohnungen erschwinglich bleiben, verlangte Julian Müller. Es müssten auch mehr Möglichkeiten geschaffen werden, vor Ort zu studieren, damit man nicht wegziehen müsse, sagte er. In diesem Zusammenhang lobte Müller die geplante Entstehung eines Technologietransferzentrums in Haßfurt.

Jens Heyn empfindet die Höhe des Bafögs als zu gering und forderte eine individuellere Förderung, die sich dem anpasst, was die jeweilige Person zum Leben brauche. Eine Aufwertung der Ausbildungsberufe forderte Winni Geuß und meinte, dass es einem Studierenden Wert sein solle, nebenbei zu arbeiten, wenn das Bafög nicht ausreiche. Thomas Schramm vertrat die Meinung, dass das Bafög nur den Linken und den Grünen nicht reiche, weil sie nicht mit Geld umgehen könnten.

"Wie kann man die Jugend in die Politik aktiv mit einbeziehen?", war eine weitere Frage, bei der sich Gizem Fesli für ein Wahlrecht bereits ab 16 Jahren aussprach. Es sei nicht so, dass die Jugend kein Interesse habe, aber mehr Mitspracherecht, zum Beispiel als Schüler- oder Klassensprecher, würde Fesli gut heißen. Ebenfalls ab 16 dürfte man wählen, wenn es nach Marco Strube ginge. Sozialkunde sollte in der Schule spannender gestaltet und mehr Raum zur Diskussion geboten werden.

Thomas Schramm fand die Veranstaltung der Schülerunion als guten Anfang. Man solle über alles offen diskutieren und keine andere Meinung von vornherein ausgrenzen, so Schramm. Jens Heyn glaubt, dass die Demokratie immer weniger werde, weil zu wenig darüber gesprochen werde. Julian Müller betonte, dass die Junge Liste immer ein offenes Ohr gegenüber Themen, die die Jugendlichen bewegen, habe und diese auch in den Kreistag einbringe. Für eine bessere Information der jungen Leute sprach sich Winni Geuß aus, wobei man aufpassen müsse, dass keine Beeinflussung stattfinde.

Neben den interessierten Jugendlichen waren auch einige kommunalpolitischen Amtsträger nach Krum gekommen. So der stellvertretende Landrat Oskar Ebert, der sich über das Engagement der Jugend freute. In Bezug auf die bevorstehende Kreistagswahl betonte Ebert, dass er sich über neue Kollegen im Gremium immer freue. Eine Aussage von Jens Heyn empfand Ebert aber als diskriminierend, als der junge Grüne sinngemäß forderte, dass die "Alten" Platz machen sollten für den Nachwuchs.