Die Zahlen sind alarmierend: Aktuell leben in Deutschland fast 2,9 Millionen pflegebedürftige Menschen, Tendenz steigend. Doch schon jetzt fehlen zehntausende Pflegefachkräfte, das heißt, der Arbeitsmarkt ist leer gefegt. Gravierend ist es in der Altenpflege. Immer weniger sind bereit, diese physisch und psychisch anstrengende Arbeit zu leisten. Fakt ist: Die Menschen werden immer älter, zudem gibt es immer mehr, die chronisch krank oder dement sind. Deren Betreuung erfordert mehr Zeit, aber die ist in den aktuellen Pflegeschlüsseln nicht vorgesehen.

Obwohl die meisten Einrichtungen gute Arbeit leisten, gibt es immer wieder Pflegeskandale - unter anderen auch im Landkreis Haßberge. Nach mehreren ungeklärten Todesfällen in einem Seniorenheim war im Herbst 2016 die Heimleitung vorübergehend verhaftet worden. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft laufen.

Die Bayerische Gesundheitsministerin Melanie Huml will die Pflege besser kontrollieren. Aber wie? Fachaufsichten sollen in Zukunft schneller eingreifen können. "Der Vorschlag für eine

entsprechende Gesetzesänderung wird derzeit vom bayerischen Gesundheits- und Pflegeministerium erarbeitet", sagt Huml (CSU). Der Pflegeexperte Claus Fussek ist pessimistisch, wenn es um die Zukunftsfähigkeit der Pflege geht: "Wir leisten uns den Irrsinn als Gesellschaft, dieses Thema kollektiv zu verdrängen. Keine Partei hat dieses Thema als Schicksalsfrage. Wir empören uns über Maut, Bierpreiserhöhung und was sonst noch. Doch bei der Pflege glauben wir, das betrifft uns nicht."

Zu wenig Zeit und Personal, zu wenig Geld für die Pflegekräfte: Was muss die Politik unternehmen, um mehr Menschen für die Altenpflege zu gewinnen? Warum gehen die Parteien in ihren Wahlprogrammen nicht auf das drängende Problem Pflege ein? Wie können Kontrollsysteme verbessert und gravierende Missstände in Pflegeheimen abgeschafft werden? Steht uns angesichts einer immer älter werdenden Gesellschaft der Kollaps des Pflegesystems bevor?


Lust auf Beteiligung?

Darüber diskutieren Bürgerinnen und Bürger unter der Leitung der Moderatoren Tilmann Schöberl und Franziska Storz mit Huml und Fussek am Mittwoch, 26. Juli, im Oberaurach-Zentrum, Am Sportzentrum 6, in Trossenfurt. Einlass ist ab 19.15 Uhr, Sendungsbeginn um 20.15 Uhr. Kostenlose Karten können Interessenten via E-Mail an jetztredi@br.de oder unter der Telefonnummer 089/5900-25299 (werktags von von 9 bis 17 Uhr) reservieren lassen, teilte der BR mit.

Wer sich an der Diskussion beteiligen möchte, kann seine Meinung per E-Mail an jetztredi @br.de dem Bayerischen Rundfunk in München mitteilen. red