Zahlen sind sein Ding. Mit vielen Daten versuchte Rainer Gottwald in der vergangenen Woche, die Bürger im Landkreis zu überzeugen, dass die zum 1. Januar 2018 vollzogene Fusion der beiden Sparkassen Ostunterfranken und Schweinfurt zur Sparkasse Schweinfurt-Haßberge vor allem für den Landkreis Haßberge ein schlechtes Geschäft sei und rückgängig gemacht werden sollte. Er sammelt Unterschrift für ein Bürgerbegehren, das in einen Bürgerentscheid münden soll, bei dem dann die Bürger die Wahl treffen, ob sie die Fusion haben wollen oder nicht.

Bis dahin scheint es aber noch ein weiter Weg zu sein. Und das können auch wieder Zahlen belegen. Rainer Gottwald, der Rentner und frühere Betriebswirt aus Landsberg am Lech, der sich selbst als Sparkassen-Kenner bezeichnet, hatte zu insgesamt sechs Informationsveranstaltungen eingeladen, um sein Anliegen vorzustellen. Bei der ersten Runde in Haßfurt waren es sieben Besucher, wie unser Reporter feststellte. Bei der zweiten Veranstaltung in Königsberg zählte der Reporter der "Mainpost" acht Interessierte. Es folgten Zeil, Knetzgau und Ebern; dort waren offenbar keine Medienvertreter. Laut Gottwald kamen nach Ebern rund 20 Besucher, in Knetzgau waren es nach seiner Darstellung etwa 15, und "in Zeil waren wir zu zweit", gestand der 72-Jährige auf Anfrage. Zur letzten Informationsveranstaltung am Samstagabend im Gasthaus "Mainterrasse" in Eltmann kamen drei Besucher.

Trotz der geringen Resonanz ist Rainer Gottwald weiter von seiner Mission überzeugt. "Ich fahre zufrieden heim", sagte er in Eltmann. "Das ziehe ich durch." Zuversicht gibt ihm, dass er Unterschriften für das Bürgerbegehren sammeln konnte. Am Samstagvormittag hatte er einen Stand auf dem Königsberger Marktplatz aufgebaut, um Unterschriften zu bekommen. Wer eine Zeitlang das Geschehen beobachtete, bemerkte, dass sich dort nicht allzu viel getan hat.

Auf Anfrage teilte Rainer Gottwald mit, dass er bereits eine Liste mit 24 Unterschriften von Personen aus der Stadt Königsberg im Rathaus abgegeben hat. Diese Zahl ließ sich über das Wochenende nicht bestätigen. Und von einer Frau hat er nach eigenen Angaben am Samstagvormittag Formulare mit weiteren Unterschriften erhalten, so dass es aktuell rund 100 Königsberger Unterschriften gibt. Von Personen aus dem Kreis Haßberge hat er, wie er auf Anfrage erklärte, rund 150 Unterschriften. In einer Online-Abfrage, die rechtlich ohne Bedeutung ist, hatte er nach eigenen Angaben zuvor 513 Unterstützer im Kreis gewinnen können.

Damit ein Bürgerbegehren zu einem Bürgerentscheid werden kann, braucht der Fusionskritiker aus der Stadt Königsberg 300 bis 350 Unterschriften. Oder: Aus dem Landkreis benötigt er 4000 bis 4500 Unterschriften. Der 72-Jährige hat selbst Zweifel, dass er die Hürde für den Landkreis überwindet. Aber für Königsberg sieht er die Chance, dass er die geforderte Zahl an Unterstützern schafft.

Warum die Trennung nach Landkreis und Stadt Königsberg? Die Träger der früheren Sparkasse Ostunterfranken waren der Landkreis Haßberge mit einem Anteil von 83 Prozent und die Stadt Königsberg mit 17 Prozent. Wenn in einem der beiden Gebietskörperschaften ein Bürgerentscheid zustande kommt und sich eine Mehrheit für die Rückabwicklung der Fusion ausspricht, dann platzt der Banken-Zusammenschluss. Und bei Königsberg sieht Gottwald die weitaus größeren Chancen.

Nach der Auffassung von Rainer Gottwald war die Fusion vor allem für die Sparkasse Ostunterfranken nicht nötig. Sie habe die bessere Position und hätte nicht mit Schweinfurt zusammengehen müssen, meint er. Bei der Fusion "gibt es nur eine Handvoll Gewinner", sagte er in Eltmann und nannte mit Blick auf höhere Bezüge die Vorstände, die Verwaltungsräte und die Mitarbeiter, die befördert werden. Er erinnerte daran, dass die Sparkassen einst gegründet worden seien, um unteren Schichten den Zugang zu Geld zu ermöglichen. Dahin müssten die Sparkassen zurück und sich nicht als Global-Player versuchen.

Die Sparkasse selbst sowie die Kommunalpolitiker im Landkreis und in Königsberg, die der Fusion nahezu einmütig zugestimmt hatten, weisen die Vorwürfen Gottwalds zurück und verteidigen den Zusammenschluss als notwendige Maßnahme. Landrat Wilhelm Schneider (CSU) hat zwar Verständnis für manche der Aussagen Gottwalds, aber auch er hält die Fusion für den richtigen Schritt. Aktuell habe die Sparkasse Ostunterfranken nicht den Druck gehabt, fusionieren zu müssen, aber in vielleicht zwei Jahren wäre das laut Schneider der Fall gewesen. Es sei besser, jetzt den Zusammenschluss zu realisieren, als später unter Druck, ist Schneider überzeugt. Dann bestehe die Gefahr, dass man die Bedingungen diktiert bekommt. Jetzt bei der Fusion "haben wir gut abgeschlossen", unterstrich der Landrat auf Anfrage.

Als eine "zukunftsweise Entscheidung" bezeichnet auch der Königsberger Bürgermeister Claus Bittenbrünn (FW) die Fusion. "Wir haben uns sehr viele Gedanken gemacht", versichert er. Die Fusion "ist der beste Weg". Sie stärkt nach seiner Ansicht auch die Filialen der Sparkasse im Landkreis Haßberge. Dem Bürgerbegehren von Rainer Gottwald räumt der Königsberger Bürgermeister keine Chancen ein. "Das wird auf keinen Fall etwas", sagte er auf Anfrage. Claus Bittenbrünn hält Gottwalds Bemühungen für "an den Haaren herbeigezogen".

Warum tut sich der Rentner aus Landsberg am Lech das Ganze überhaupt an?, lautet eine Frage, die immer wieder gestellt wird. "Was hier läuft, ist Vorbild für andere", sagt Rainer Gottwald. Er denkt in die Zukunft und an sein Ziel, solche Fusionen generell zu verhindern.