Es ist ein schwieriger Indizienprozess, der am Amtsgericht Bamberg läuft. Es geht um eine gefährliche Körperverletzung im Oktober 2017 vor einer Diskothek in Knetzgau. Es braucht mehrere Verhandlungstage und eine lange Beratung, bis das Jugendschöffengericht zwei der Angeklagten aus dem Landkreis Haßberge zu acht- und neunmonatigen Bewährungsstrafen verurteilt Der dritte Angeklagte wird freigesprochen.

Für sich genommen sagt jedes einzelne Indiz erst einmal nicht viel. In der Gesamtschau aber zeigen sie für Staatsanwältin Franziska Frohberg ein klares Bild: Am Tag nach dem Vorfall betritt einer der Angeklagten die Klinik in Haßfurt und lässt sich unter falschem Namen behandeln. Er hat einen Knochenbruch an der Mittelhand, wie er bei Fausthieben auftreten kann, wenn man zu fest zuschlägt. Zwei der Angeklagten waren in der Diskothek in Knetzgau, wie ein Formular belegt. Denn der eine hatte als Erwachsener die Aufsichtspflicht über den anderen, einen Minderjährigen, übernommen. Sonst wäre der Jüngere gar nicht am Türsteher vorbei ins Innere gelangt. Ein Whatsapp-Chatprotokoll vom Smartphone des dritten Angeklagten erzählt davon, dass sich die beiden anderen in besagter Nacht geschlagen hätten. "Die bauen nur Mist," lautete der getippte Kommentar.

Ein Zeuge hatte augenscheinlich versucht, seine Kumpels mit einer Falschaussage zu entlasten. Er hatte angegeben, dort gewesen zu sein. Die Angeklagten habe er aber nicht gekannt, obwohl es Zeugen gibt, die von einem freundschaftlichen Abklatschen berichten. Ansonsten könne er sich an gar nichts erinnern, habe er doch unter dem Einfluss aufputschender Drogen (Amphetamin) gestanden. "Das halte ich für eine Falschaussage," so Richter Waschner. "Ich weiß nicht, ob es das wert ist."

Ein unbeteiligter Discobesucher, der einen der Angeklagten zur Disco mitgenommen hatte, wusste von "gereizter Stimmung" zu berichten. Es sei viel Alkohol im Spiel gewesen. Er habe gehört, wie sein Beifahrer davon gesprochen habe, heute mal wieder einen zu klatschen. Beide letztlich verurteilten Angeklagten (26 und 24 Jahre) sind bereits zuvor straffällig geworden. Unter anderem auch wegen Beleidigung und vorsätzlicher Körperverletzung.

Rechtsanwalt Stefan Wagner (Würzburg), der einen der Angeklagten verteidigt, hat da eine ganz andere Sicht auf die Dinge. "Man darf doch nicht irgendjemanden bestrafen, nur damit einer bestraft wird." Seinem Mandanten sei die Tatbeteiligung nicht nachzuweisen. Die Indizienkette reiche eben nicht aus. An diesem Abend seien Hunderte andere Personen dort gewesen. Selbst wenn er dabeigestanden hätte, bedeute das noch lange nicht, dass er auch zugeschlagen oder getreten habe, sagte der Anwalt. Keiner der Zeugen habe einen der drei Angeklagten zweifelsfrei wiedererkannt. Videoaufzeichnungen gebe es auch nicht. Woher die Handverletzung seines Mandanten komme, sei nicht klar. "Vielleicht ist er im Schwimmbad ausgerutscht?" Deshalb sei ein Freispruch die einzige Möglichkeit.

Am Ende verkündet der Vorsitzende Richter Martin Waschner das vergleichsweise milde Urteil wegen gemeinschaftlicher und damit gefährlicher Körperverletzung. Liegt die Tat doch schon fast eineinhalb Jahre zurück. Waren alle Beteiligten unterschiedlich stark alkoholisch enthemmt. Gingen die Schläge und Tritte doch nicht mit voller Wucht gegen Kopf und Körper des Opfers, das heute glücklicherweise über keine Spätfolgen klagt. Dennoch bekommt der junge Winzer, der damals zu Boden gebracht worden war, als eine der Bewährungsauflagen insgesamt 750 Euro Schmerzensgeld, das mit künftigen zivilrechtlichen Ansprüchen verrechnet werden kann. Außerdem müssen die beiden Verurteilten ebenfalls 750 Euro an den Verein "Lifeline" Bamberg und das Präventionsprojekt "Hexennacht" berappen. Falls sie das nicht tun, wird die Bewährung widerrufen und sie müssen ihre neun und acht Monate Freiheitsstrafe hinter Gittern absitzen. Dem dritten Angeklagten (20 Jahre) kann eine Tatbeteiligung nicht nachgewiesen werden. Er wird freigesprochen.