Und am Ende bleibt wohl doch ein "Gschmäggle", wie es eine Zeller Männerrunde in den ersten Minuten nach der Informationsveranstaltung zu dem Thema "Grundstücksalternative" für den Bau eines Tierheims im Landkreis Haßberge am Montagabend in Zell ganz treffend zusammenfasste.

Landrat Wilhelm Schneider (CSU) war eigens mit Amtstierärztin Simone Nowak und Eva Mangold vom Kreishochbau in den Ort gekommen, um nicht nur die kommunalen Vertreter, sondern auch die betroffenen Bürger vor Ort "relativ zeitnah" und "deshalb so kurzfristig" über die aktuellen Fortschritte in der Grundstücksdebatte zu informieren - noch bevor der Kreistag am Montag, 8. Dezember, "abschließend beschließt". Die Vorwürfe der Zeller vom Mai dieses Jahres scheinen noch auf den Schultern des Landrates zu lasten: "Ich habe damit mein Versprechen gehalten, sie nicht vor vollendete Tatsachen zu stellen", sagte er.

Zell macht viele Vorschläge

Sechs Wochen hatten die Bürger im Sommer Zeit, Alternativen zu dem vorgeschlagenen Grundstück des ehemaligen Gärtnereigeländes zu liefern - und das haben die Zeller "reichlich gemacht", so der Landrat. "25 Alternativvorschläge sind eingegangen, 16 davon wurden intensiver geprüft. Neben der (zunächst favorisierten, d. Red.) Gärtnerei war dann noch eines übrig." Es wird wohl das Grundstück "gleich nach der Autobahn", "da beim Sumpfgebiet", überprüften einige Zeller an einem Tisch die an die Wand geworfenen Kartenausschnitte.
Eigentlich schien alles ganz ruhig zu bleiben an diesem Abend. Hier und da steckten zwar zwei oder drei die Köpfe zusammen, aber der verhaltene Applaus und die Worte vom ehemaligen Bürgermeister Werner Schneider (CSU) - "Ich glaube, liebe Zeller, damit können wir leben"- lassen meinen, die Gemüter hätten sich grundsätzlich beruhigt.

Und überhaupt: Gegen ein Tierheim, das der Landkreis ganz dringend braucht, oder Tiere an sich in Zell hat ja sowieso niemand etwas. Das betonen doch einige immer wieder. So auch Simone Sponsel. Sie ist die Tochter von Manfred Sponsel, der das alternative Flurstück gepachtet hat. Das Grundstück selbst gehört einer Frau aus dem Landkreis Haßberge, mit der sich das Landratsamt offenbar über einen Verkauf einig ist. Auch mit Pächter Sponsel hatte sich der Landkreis geeinigt, und obwohl der Landrat von einem "fairen und gemeinsamen Ergebnis" spricht, scheinen der Familie Sponsel das Hin und Her der vergangenen Wochen doch ein wenig aufzustoßen.

Denn nach eher unspektakulären Wortmeldungen sprach die junge Frau, die die meisten Zeller im Saal, wie ihren Vater auch, kennen. Es war ihr "persönliches Anliegen, ein paar Worte über die letzten Wochen" zu sagen. "Wir machen das nicht aus unserem Ermessen heraus", das musste sie "klipp und klar sagen". "Wie der Werner schon gesagt hat, wir hätten eigentlich bei beiden Grundstücken das Los gezogen, dass man beteiligt ist", sagte Sponsel. Denn: Ihr Vater hat auch unmittelbar um das andere für den Tierheim-Neubau in Frage kommende Grundstück bei einer ehemaligen Gärtnerei in Zell Felder gepachtet. Somit stand er gewissermaßen unter Zugzwang, um die seit rund drei Jahren andauernde Standort-Suche für ein Tierheim nicht noch weiter in die Länge zu ziehen. Das wurde deutlich, nachdem sich Simone Sponsel für ihren Vater zu Wort gemeldet hatte. Ihrer Ansicht nach hatte "eigentlich nie irgendjemand überhaupt die Wahl".

Für Wilhelm Schneider kam diese öffentliche Bekundung sichtlich überraschend, "unkommentiert" wollte er diesen entfachten Unmut nicht stehen lassen: "Wir sind als Vertragspartner ordentlich miteinander umgegangen (...) und haben mehrmals mit Ihrem Vater gesprochen." Doch dann kam dem Landrat eine Aussage über die Lippen, die er wenig später, auf die Aufforderung seines politischen Kollegen Werner Schneider, zurücknahm: "Ich betone, es ist ihm ganz gut vergoldet worden." Hier widersprach Werner Schneider, der den Vertragsverhandlungen beigewohnt hatte: An Sponsel sei nämlich kein Geld geflossen. Vielmehr sei der Pächter dem Landkreis entgegengekommen und habe sich dem Vorhaben des Tierheim-Neubaus nicht in den Weg gestellt. Voraussichtlich bis Mitte, Ende 2016 soll das Tierheim nun bei dem Grundstück nahe der Autobahn errichtet werden. Ortssprecher Werner Schneider sagte, dass "gemeinsam ein Ergebnis erzielt" wurde.

Was passiert mit der Jagd?

Auf die durch Dritte übermittelte Androhung hin, dass der momentane Jagdpächter zurücktreten werde, sollte das Tierheim wirklich dort in Zell gebaut werden, fand der Landrat dann auch noch eine klare Antwort: "Für den Jagdpächter hat sich nix verändert", "noch ist nichts passiert. Wenn, dann sieht man in zwei Jahren weiter", sagte Schneider. Schlussendlich blieb die Reaktion für die Zahl der Besucher verhalten - keine Beschimpfungen, keine Aufschreie. Für Verwunderung hat weniger die Information seitens des Landratsamtes, als vielmehr die Äußerungen von Simone Sponsel gesorgt. "Eigentlich wäre auch der andere Standort okay gewesen. Es ging darum, wie mit uns umgegangen wurde", sagte ein Zeller Bürger. Wenn sich am 8. Dezember nicht noch einmal etwas im Kreistag verändert, wird das Grundstück bei Zell nahe der Autobahn aller Voraussicht nach Tierheim -Standort.