Der Stadtmarketingprozess der Kreisstadt geht in die nächste Runde. Jetzt kamen Vertreter der Stadt sowie Geschäftsleute zum zweiten Workshop im Sitzungssaal des Rathauses zusammen. Unterstützt wird die Stadt dabei von der Citymarketingagentur Cima.

"Beim letzten Mal haben wir versucht festzustellen, wie die Stadt tickt", sagte Projektleiter Roland Wölfel von Cima. Nun gehe es um die Frage: "Wie kriegen wir es hin, dass aus Ideen konkrete Maßnahmen werden?" Zunächst begann Wölfel mit einer Auflistung der Themen, die im ersten Workshop am 17. November als Schwerpunkte herausgearbeitet worden waren, an denen gearbeitet werden müsse. Ganz oben stehen hier Leerstandsmanagement, Angebotserweiterung, Erreichbarkeit, Hotels und Gastronomie. Weiter finden sich Punkte wie Events, Tourismus, Handelsmarketing oder die Kommunikation nach außen.


Wo bleibt der Sport?

Stadtrat Manfred Stühler äußerte an dieser Stelle seinen Unmut darüber, dass sich das Thema Sport nicht auf der Liste finde. "In den 50er bis 90er Jahren war ein Haßfurter Fußballverein eine Marke, die man in ganz Deutschland kannte", sagte er. Mittlerweile fehle dem Verein aber die Unterstützung. Wölfel entgegnete, das Sportangebot sei als Unterpunkt anderer Themen durchaus dabei, notierte sich aber, dass dieser Punkt besonders wichtig sei.

Weiter stellte er die aktuelle Situation der Stadt vor und zeigte sowohl Stärken als auch Schwächen auf. So gebe es in Haßfurt zwar einige engagierte Akteure wie beispielsweise den Aktionskreis Haßfurt Aktiv (AHA), es fehle aber an einer Zusammenarbeit. Zudem werde das Thema Hotels und Gaststätten als wichtige "Baustelle" empfunden. Auch ein Problem sei eine fehlende Positionierung der Stadt, es gebe keine klar definierte "Marke Haßfurt".

Auf Einwände von Teilnehmern des Workshops, die einige dieser Punkte nicht als Probleme sahen, erwiderte Bürgermeister Günther Werner: "Das Eigenbild ist oft anders als das Fremdbild." So sei man oft blind für die eigenen Schwächen.

Als Ziele formulierte Wölfel, man wolle auf bestehende Akteursstrukturen aufbauen, diese aber besser vernetzen als bisher. Das Miteinander solle durch eine gemeinsame Plattform gestärkt werden. Wichtig sei mehr Hauptamtlichkeit, um einzelne Teile zusammenzuhalten. "Ich sage bewusst hauptamtlich und nicht professionell. Sonst klingt es, als würden Sie es jetzt nicht professionell machen", sagte Wölfel in Richtung des AHA. Gastronomie und Industrie sollten eingebunden werden. Auch bei der Finanzierung sei eine gute Zusammenarbeit hilfreich. Außerdem solle ein Lenkungsgremium von etwa zwölf Leuten geschaffen werden, in dem Vertreter der Stadtverwaltung, Kulturamt, AHA, Industrie und Gastronomie zusammensitzen. So solle eine gemeinsame Plattform entstehen, sagte er.


Die Verbindung fehlt

Dritter Bürgermeister Stephan Schneider merkte an: "Mir fehlt die Verbindung von Innenstadt und Außenbereichen." Damit sprach er ein Thema an, das vielen Geschäftsleuten in der Haßfurter Innenstadt sorgen macht. Groß ist die Sorge vor einem Aussterben des Stadtkerns. "Ich kann verstehen, dass sich manche in der Innenstadt bedroht fühlen", sagte AHA-Berater Hachem Farmand. Aber der Aktionskreis könne auch die Geschäfte außerhalb des Zentrums nicht fallen lassen. "Auch von denen sind einige AHA-Mitglieder." "Aber die Innenstadt hat im Moment deutlich mehr Probleme", betonte Apothekerin Doris Zeltner.

Manfred Stühler äußerte sich wenig erfreut über die Teilnehmerzahl des Workshops. "Wenn ich die Stadträte abziehe, komme ich auf 14 Geschäftsleute. Das ist wenig, ich will nicht sagen beschämend", betonte er.
Wölfel erklärte: Es gehe nicht darum, möglichst viele Menschen zur Mitarbeit zu bekommen, sondern darum, die ins Boot zu holen, die wirklich etwas bewegen wollen. Bürgermeister Werner berichtete in diesem Zusammenhang auch, die Stadt kümmere sich momentan um einen Termin für ein Treffen der Gastronomen und Hoteliers aus Haßfurt und den Stadtteilen. Für sie brauche es einen gesonderten Termin. Ein gemeinsames Treffen mit Stadträten und Ladenbesitzern sei aufgrund der unterschiedlichen Öffnungszeiten schwierig.
Stefanie Schleicher, Leiterin der Buchhandlung Hübscher, merkte an, dass sicher viele Geschäftsleute bereit wären, sich am neuen Prozess zu beteiligen, die sich durch den AHA nicht vertreten fühlen. "Ich bin selbst Mitglied und finde es auch gut, was die machen", betonte sie. Dennoch wolle sie nicht auf die Mitarbeit von Leuten verzichten, die engagiert seien, aber dem Aktionskreis den Rücken gekehrt haben.
Manfred Schweiger stimmte ihr zu: "Wir sollten den neuen Verein als Chance sehen, wieder alle ins Boot zu holen. Wir dürfen nicht so tun, als wäre jetzt alles in Ordnung."


Leerstände

Doris Zeltner merkte an, der wichtigste Punkt sei nun das Leerstandsmanagement. "In der Innenstadt muss was da sein, was die Leute anzieht. Was hilft sonst die Kommunikation?", fragte sie. Bürgermeister Werner erklärte, ein Problem sei, dass viele Hausbesitzer zu hohe Mieten verlangen, so dass es für einen neuen Unternehmer fast nicht finanzierbar sei, in der Innenstadt anzufangen. Sein Vorschlag wären Konzepte zur "Starthilfe", bei denen neue Unternehmen am Anfang weniger Miete zahlen. "Aber das entscheidet nicht die Stadt, sondern der Eigentümer", warf Hachem Farmand ein, worauf der Bürgermeister erklärte: "Aber wir können es anregen."
Ein Termin für den nächsten Workshop steht noch nicht fest, wahrscheinlich soll dieser nach Ostern stattfinden. Ziel ist, bis zum Herbst ein laufendes Konzept auf die Beine zu stellen.