"Bienen, Glyphosat und Pflanzenschutz - Miteinander vereinbar oder unverträglich?" Unter diesem Thema stand die Informationsveranstaltung, die über 100 Teilnehmer verzeichnete. Am Ende wurde doch Bereitschaft zu einer sachlichen Zusammenarbeit signalisiert: "Die Landwirtschaft braucht die Bienen, und die Imker brauchen die Bauern. Damit beide zufrieden sind, müssen wir versuchen, gemeinsame Lösungen zu entwickeln", betonte der Kreisvorsitzende der Imker, Jürgen Schubert. BBV-Kreisobmann Klaus Merkel bedankte sich für dieses Angebot.
Der Bayerische Bauernverband (BBV), der VlF Haßberge sowie der Maschinen- und Betriebshilfering hatten gemeinsam zu dieser Veranstaltung eingeladen. BBV-Kreisobmann Merkel machte deutlich, dass Landwirtschaft und Imkerei auch in der Vergangenheit immer wieder bei Differenzen miteinander gesprochen hätten. Neuerlicher Anlass sei nun das Thema "Glyphosat und Pflanzenschutzmittel".
"In den letzten 30 Jahren wurde der Einsatz von Glyphosat halbiert und im Jahre 2016 wurde nur halb so viel Glyphosat eingesetzt wie im Jahr 2008. Keiner von uns Landwirten will das Mittel einsetzen, wenn es nicht notwendig ist, denn das kostet uns ja auch Geld. Der Einsatz ist also stark rückläufig, und auch wir selbst haben für einen gezielteren und besseren Einsatz dazugelernt", betonte Merkel. Er wies darauf hin, dass die Standards nirgendwo so überwacht und überprüft würden wie in Deutschland.
Der Referent für den Sachkundenachweis und Pflanzenschutz, Robert Bohla, berichtete, dass derzeit in der Welt 880 000 Tonnen Glyphosat jährlich ausgebracht würden, davon 3300 Tonnen in Deutschland. Das seien rund 0,2 % des Welteinsatzes. In Deutschland habe allein die Bahn auf ihrem Streckennetz einen Anteil von 25 bis 30 % am Glyphosat-Einsatz. Auf befestigten Flächen wie Schotter oder Pflaster sei heute schon kein Einsatz mehr erlaubt.
"Wir sind also auf dem richtigen Weg mit einem Minimum an Glyphosat und Pflanzenschutzmitteln", betonte Merkel und lenkte den Fokus auf Schlagzeilen wie "Glyphosat im Bier, in der Muttermilch oder im Brot". Da müsse der Verbraucher natürlich Angst bekommen.
Für dieses Thema war ein Referent des Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) angekündigt worden, das seit dem Jahr 2014 insgesamt 1114 Lebensmittel auf Rückstände von Glyphosat untersucht hat. Auch Säuglings- und Kleinkindnahrung wurden kontrolliert, um Lebensmittel für diese besonders empfindliche Verbrauchergruppe zu betrachten. Bei 26 dieser Proben stellte das LGL Rückstände an Glyphosat fest, aber in keinem dieser Fälle sei der zulässige Rückstandshöchstgehalt überschritten worden.


"Verzehr ohne Bedenken"

Aus einem Brief des LGL zitierte man das Fazit: "Aus lebensmittelrechtlicher Sicht ist Glyphosat kein Problem. Alle Lebensmittel können selbstverständlich ohne Bedenken verzehrt werden. Ein Referent des LGL wird auch nicht viel mehr sagen können. Daher wird die Entsendung eines Referenten für entbehrlich angesehen."
Auch in Muttermilch seien keine Rückstände festgestellt worden. Das Bundesinstitut für Risikobewertung habe eine von den Grünen in Auftrag gegebene Untersuchung angezweifelt und selbst 114 Muttermilchproben aus Niedersachsen und Bayern untersucht. Diese hätten keine Rückstände aufgewiesen.


Umstrittene Studien

Die am häufigsten zitierte Studie der Internationalen Krebsforschungsagentur mit dem Ergebnis, dass Glyphosat "wahrscheinlich krebserregend" sei, habe gleichzeitig auch Kaffee oder den Konsum heißer Getränke insgesamt, Langstreckenflüge und den Friseurberuf als "wahrscheinlich krebserregend" tituliert und als "sicher krebserregend" Sonnenstrahlen und Alkohol, bemerkte BBV-Kreisobmann Merkel. Seit Veröffentlichung der Studie seien viele unabhängige Studien veröffentlicht worden, die eine konkrete Gefahr für den Menschen durch Glyphosat ausschließen.
Merkel stellte heraus, dass durch einen verantwortungsvollen Umgang mit Glyphosat die Bodenbearbeitung besser sei und diese für Humusaufbau sorge. Eng verbunden sei dies mit dem Zwischenfruchtanbau, einem geringeren Eintrag von Nitrat ins Grundwasser und einem positiven Einfluss auf das Niederwild. Merkel: "Glyphosat ist für uns wichtig als Notnagel, wenn mechanische Bodenbearbeitung nicht mehr ausreicht."
Der Kreisvorsitzende der Imker, Jürgen Schubert, wertete die Anwesenheit von zahlreichen Imkern als ein Zeichen dafür, "dass wir uns Sorgen um die Bienen und den Einsatz von Glyphosat machen". Auch im neuen Koalitionsvertrag stehe, dass die Verwendung deutlich eingeschränkt und grundsätzlich beendet werden soll. Ebenso setze sich der Imkerbund für ein Verbot von Glyphosat ein, egal ob es krebserregend ist oder nicht.
Von zu viel Erwartungsdruck sprach Johann Dennert als Imker- und Bienenfachmann. Bei den Handlungsempfehlungen für Glyphosat zeige sich, dass vielfach auf die Anwendung dieses Mittels verzichtet werden könne. "Bei Mulch- oder Erosionsvermeidung kann aber auf Glyphosat nicht verzichtet werden." Bei 137 Honigproben in den Jahren 2012 bis 2014 seien bei 72 % keine Rückstände gefunden worden, in 27 % Rückstände unterhalb des Grenzwertes und nur bei einem Prozent habe es eine Grenzüberschreitung gegeben.


Raps ist oft die Haupttracht

"Was machen wir mit unseren Bienen, wenn wir keinen Raps mehr haben, der oft die Haupttracht ist? Wir können doch nicht auch noch die Pflanzenschutzmittel an sich verbieten. Dann haben wir uns am Ende selbst ins Knie geschossen", meinte Dennert.
Eine Frau aus dem Publikum warf ein, dass in der Veranstaltung sehr unkritisch mit Aussagen umgegangen werde. Glyphosat sei sehr wohl krebserregend, und Bürger wollten im Laden ja auch keine Frucht mit der Aufschrift "wahrscheinlich krebserregend" kaufen.
Am Montag, 26. Februar, wird der Kreistag über zwei Anträge von SPD und ÖDP zum Einsatz beziehungsweise auf den Verzicht von Pestiziden im Landkreis entscheiden.