Gemütlich auf dem Sofa oder Sessel ausgebreitet, mit einem kühlen Bier in der Hand, vorne mitreißendes Entertainement - so lässt es sich leben. In den Rängen des Capitol-Theaters Zeil, in denen man normalerweise Hollywoodblockbuster und Liebesschnulzen auf der Leinwand mitverfolgt, bot sich dem Besucher am Freitagabend etwas ganz anderes: "Soul Jam", "Minimal", "Zeitlos" und "Crash Unplugged" standen auf der Bühne und zeigten, dass es für gute Livemusik nur den Schritt vor die Haustür benötigt.

Seit April 2011 gibt es das "Ohrenkino", das die Musikinitiative Haßberge und das Capitol-Theater Zeil mit ihrem Chef Bruno Schneyer bisland halbjährlich organisierten. Ihr Ziel: "Jungen Nachwuchsbands aus der Region die Möglichkeit geben, auf der Bühne zu stehen", wie Michael Lorz von der Musikinitiative erklärte. Bruno Schneyer, Inhaber des Zeiler Kinos, fügt hinzu, man wolle auf eine Mischung aus aufstrebenden und bereits etablierten Bands achten - um Austausch zu schaffen.

Junge Profis

Welchen Status die jeweiligen Bands an diesem Abend innehatten, war für die Besucher teilweise schwer herauszuhören. Denn trotz ihrer Jugend, wirkten sie allesamt wie alte Hasen im Musikgeschäft und bewiesen, dass im Kinosaal auch ohne Leinwand und Filmrolle ordentlich die Post abgehen kann.

Den perfekten Einstieg lieferten "Soul Jam" aus Bamberg. Ihre musikalische Mischung ist ihr Motto und der Name ihrer ersten Platte: "Rap meets Rock". Der Vierertrupp riss das Publikum schnell mit. Begleitet von groovigem Bass- und Gitarrensound und immer im Takt des Schlagzeugs schmetterte Frontmann "George 33" die selbst komponierten Lieder und Freestyle-Rap entgegen. Eine exotisch-eindringliche Kombination, die Lust auf mehr machte.

Zwischendurch etwas sanfter umwarb das Akustik-Duo "Minimal" die Hörer. Adrian und Iris, beide 18 Jahre, sind Mitglied der Musikinitiative Bad Neustadt und mit dem Bandaustauschprogramm "Bands on Tour" ins Kino nach Zeil gekommen. Eine Gitarre und ein Satz Stimmbänder sind ihre Instrumente.

Neben Eigenkreationen, von denen sich so mancher Songwriter eine Scheibe abschneiden könnte, spielten die beiden Coverversionen mit ganz eigener Note. Aus "Barbie Girl" oder "I'm sexy and I know it" machten sie wirklich anhörbare und stimmige Songs. Ein Duo, das viel Talent in sich trägt und hoffentlich weiterhin den Weg auf die Bühne sucht.

Heißhunger auf Musik

"Zeitlos", eine junge Band aus dem Steigerwald merkte man den Heißhunger auf Musik an. Energetisch und mitreißend performten sie Werke von Coldplay und den Red Hot Chili Peppers bis hin zu Jan Delay und Casper. Eine bunte Mischung, die alle ansprach. Doch so viel Spaß es auch machte - nach einer Zugabe mussten dann auch die fünf Jungs die Bühne für die nächste Gruppe räumen.

"Crash Unplugged" stand schon in den Startlöchern. Das fränkische Akustik-Quintett war Schlusslicht des Abends und brachte den Kinosaal mit Coversongs aus den Achzigern bis hin zu aktuellen Top-Ten-Hits noch einmal auf Hochtouren. Mit fetzigem Sound, der nicht nur in die Beine, sondern auch ins Herz geht, sorgten sie für einen gelungenen Abschluss des Abends.

Fazit des Ganzen: Die Bands aus der Umgebung haben viel Potenzial. Was ein bunt gemischtes Publikum aus Jung und Alt zu würdigen wusste. Und nicht nur den Zuhörern hat der Abend Spaß gebracht. Niko, dem Sänger von "Zeitlos", fielen auf die Frage, wie er den Auftritt und den Abend denn fand, nur zwei Worte ein: "Sau geil!" Er sei begeistert von dem Publikum. "Denn, wenn wir anderswo spielen, brauchen die Leute immer zwei bis drei Stunden und den ein oder anderen Tropfen Alkohol, bis sie so mitgehen, wie das hier von Anfang an der Fall war."

Sehr geiles Ambiente, super Publikum

Und auch der Frontmann von "Soul Jam", "George 33", war angetan von der Veranstaltung. "Sehr geiles Ambiente, super Publikum, gute Atmosphäre und alles sehr gechillt", zählte er auf. Da störte es ihn auch nicht, genau wie alle anderen Bands keine Gage, sondern nur eine kleine Aufwandsentschädigung bekommen zu haben. Schließlich ist die Musik ein wichtiger Teil seines Lebens, wie er betonte.

Und die Musikinitiative, die alle Kosten für das Event mit freiem Eintritt stemmen muss, finanziert sich fast ausschließlich aus Sponsoren- und Spendengeldern. Für die Künstler bleibt da am Ende nicht viel übrig - wenn überhaupt etwas übrig bleibt. Aber um es mit Georges Worten aus dem Song "Unterwegs" zu sagen, den er kurz zuvor auf der Bühne performt hatte und was alle anderen Bands des Abends bestimmt absegnen würden: "Wir machen's für die Sache - wir machen's nicht für's Geld."



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