Seit April 2015 sitzen zwei 41-jährige Zwillingsschwestern aus dem Landkreis Haßberge in Untersuchungshaft, nachdem in einem von ihnen bewohnten Haus in Zeil Haschisch im Wert von rund 300 000 Euro gefunden worden war. Am zweiten Prozesstag sagten vor dem Bamberger Landgericht eine Nachbarin sowie mehrere Polizeibeamte als Zeugen aus. Die beiden Frauen sind wegen eines Drogendelikts angeklagt; ein weiterer Verdächtiger aus der Gemeinde Rauhenebrach ist auf der Flucht. In Zeil fand die Polizei 23 Kilogramm Rauschgift und in Rauhenebrach weitere sieben Kilogramm.

Noch bevor am Dienstagvormittag die Zeugenvernehmungen begannen, gab der Anwalt einer der beiden Angeklagten eine Erklärung ab. In dieser räumte seine Mandantin ein, dass sie versucht hatte, einen Teil der Drogen beiseite zu schaffen, als die Polizei zu der Durchsuchung eintraf. Daher habe sie einen Karton mit Haschischplatten über den Zaun in den Garten der Nachbarin gebracht. "Dass die Nachbarin nichts damit zu tun hat, versteht sich von selbst", sagte der Verteidiger in seiner Erklärung.

Insgesamt fünf Polizisten vom Landeskriminalamt Nordbayern in Nürnberg, die an der Hausdurchsuchung beteiligt waren, sagten am Dienstag aus. "Ohne Rauschgifthund hätten wir das nicht gefunden", erklärte der Einsatzleiter. Ein Großteil der Haschischplatten hatte sich in einem Versteck unter dem Fußboden auf dem Dachboden des Hauses befunden. Das Versteck sei "gut gemacht" gewesen, sagte der Polizist, "es sah aus wie der normale Boden".

Weitgehend übereinstimmend schilderten die Polizisten und die Nachbarin die Ereignisse bei der Durchsuchung. Demnach war eine der beiden Angeklagten beim Eintreffen der Polizei mit einem Karton zum Garten eines Nachbarhauses geeilt. Die Bewohnerin dieses Hauses hatte die Frau allerdings dabei beobachtet und die Polizei informiert. Ein auffälliges Detail, das dem Einsatzleiter in Erinnerung blieb, war, dass die Frau in Socken, aber ohne Schuhe durch den Garten lief. Die beiden Schwestern sowie deren Lebensgefährten, die mit im Haus lebten, hätten keine Gegenwehr geleistet, der Einsatz sei "ruhig und friedlich" verlaufen, berichteten die Polizeibeamten dem Gericht.

Der Polizei gegenüber hätten die beiden Angeklagten keine Angaben zum ihnen vorgeworfenen Handel mit den Drogen gemacht. Eine Polizistin sagte allerdings aus, ihr gegenüber hätten die beiden Angeklagten angegeben, selbst kein Haschisch zu konsumieren. Diese Aussage deckt sich auch mit den Funden in der Wohnung. Unter den Funden war nichts, das auf einen Konsum der beiden hindeuten würde.


Wie auf einer "Baustelle"

Eine entscheidende Rolle spielte die Frage, welche Teile des Hauses von welcher der beiden Schwestern genutzt wurden. Der Dachboden, auf dem der Spürhund das Haschischversteck im Fußboden fand, wurde von der Frau genutzt, die auch am Tag der Durchsuchung versucht hatte, einen Karton zum Nachbargrundstück zu bringen. Nun ging es um die Frage, wie uneingeschränkt der Zugang ihrer Schwester zu den Räumen war. Deren Wohnung befand sich im Umbau, weshalb der Vorsitzende Richter Manfred Schmidt bei den Polizisten nachfragte, ob dort überhaupt alle nötigen Räume vorhanden gewesen seien. Keiner der Beamten erinnerte sich, in der Wohnung, die manche als "Baustelle" beschrieben, eine funktionsfähige Küche gesehen zu haben. Allerdings gaben einige auch an, selbst nicht in allen Räumen des Hauses gewesen zu sein.

Scharfe Kritik äußerten die Verteidiger der beiden Frauen, Jochen Kaller und Joachim Voigt, an einem Medienbericht, der nach dem ersten Verhandlungstag in der "Bild"-Zeitung erschienen war. Im Gespräch mit der Presse kündigten sie an, gegen die unsachliche Darstellung, wonach ihre Mandantinnen den Prozess nicht ernst nehmen würden, vorgehen zu wollen. Am Mittwoch wird der Prozess in Bamberg fortgesetzt.