Am Freitag werden die Gäste wieder ins Flugzeug steigen. Mehr als sieben Stunden Flug und rund 7000 Kilometer Wegstrecke warten auf die Schülergruppe aus Ebern, ehe es aus dem sommerlich warmen Delhi (aktuell rund 27 Grad) zurück ins schmuddel-herbstliche Deutschland geht.

Für zwei Dutzend Reisende aus Ebern endet eine zwölftägige Expedition voller gegensätzlicher Eindrücke und Erlebnisse. Als erste Teilnehmer an einem Schüleraustausch mit der "Delhi Public School Ghaziabad" sind die Neunt- und Zehntklässler Pioniere einer neuen Schüleraustauschbeziehung mit Indien. Partner ist eine Elite-Schule in Ghaziabad, einem Vorort Delhis, das wiederum die indische Hauptstadt Neu Delhi einschließt. Die 17-Millionen-Einwohner-Metropole gilt als eine der aufstrebenden und modernsten Metropolen der Welt.


Andere Dimensionen

Von dem Wort "Vorort" darf man sich dabei nicht täuschen lassen, denn Ghaziabad allein zählt rund drei Millionen Einwohner, mehr als doppelt so viele wie der gesamte Regierungsbezirk Unterfranken. Und Ghaziabad ist mit Neu Delhi verschmolzen, so dass die Schüler aus der Provinz in den Haßbergen das leben in einer wahren Megametropole erleben.

Die "Delhi Public School Ghaziabad" wurde 1980 eröffnet und zählt heute zu den führenden Bildungseinrichtungen in Indien, Auf einem mehr als sechs Hektar großen Campus vereint sie Kindergarten, Grundschule und Gymnasium unter einem Dach. Die Schülerzahl wird auf etwa 3800 beziffert.


Soziale Unterschiede

Bei reichen Familien sind die Gäste aus den Haßbergen während ihres Aufenthalts untergebracht, die oftmals mehrere Bedienstete in den Haushalten beschäftigen.

Dabei erleben die Schüler, wie sie ihren Freunden und Verwandten in der Heimat via Facebook oder Skype berichten , eindrucksvoll die sozialen Unterschiede. So etwa, wenn die Luxuslimousinen der Gastgeber an Ampeln von Bettlern bedrängt werden, oder aber wenn der Chauffeur der Familie nachts auf der Straße vor der Villa der Familie schlafen muss.

Der Besuch bietet den Ebernern einprägsame Erlebnisse und wahrhaft erhebende Momente. Dazu zählten beeindruckende Trips nach Jaipur und Agra mit Besichtigung des Heiligtums Taj Mahal, aber auch der abendliche Ritt auf einem Elefanten oder eine Exkursion auf dem schwankenden Rücken von Kamelen.


Empfang im Palast

Direkt aus Delhi berichtet Elternbeiratsmitglied Bettina Knauth, neben den Lehrern Julia Rogner und Thomas Steinmetz eine der Begleitpersonen der Besuchergruppe, von einer großen Ehre für die Teilnehmer des Indien-Austausches: Zusammen mit ihren indischen Partnern und der Leitung der Partnerschule um Jyoti Gupta wurden sie am Mittwoch von der Ministerpräsidentin der Region Delhi, Sheila Dixit, empfangen. Die 74-Jährige, die zugleich im indischen Nationalkongress (Parlament) sitzt, ist bereits seit 15 Jahren im Amt. Im Garten ihres Palastes in New Delhi nahm sich die Politikerin, deren offizieller Titel "Chief Minister of Delhi" lautet, Zeit für ihre jungen Gäste.

Da die indischen Partner in der Schule Uniformen tragen, so erzählt Bettina Knauth weiter hatten die Schüler des Friedrich-Rückert-Gymnasiums eigens T-Shirts für den Austausch anfertigen lassen, um bei offiziellen Anlässen ebenfalls einheitlich aufzutreten. Welche Erfahrungen sie denn in Indien gemacht hätten, wollte die beliebte und volksnahe Politikerin wissen, erzählt Bettina Knauth von diesem Erlebnis.

Scharfes Essen und chaotischer Verkehr

Die Zehntklässler Sebastian Bottler, Hendrik Büttner und Vanessa Hirt berichteten von der überaus freundlichen Aufnahme in ihren Gastfamilien und von ihren Eindrücken bei Ausflügen, aber auch vom manchmal für deutsche Gaumen zu scharfem Essen und dem auch nach einer Woche immer noch schockierend chaotischem Straßenverkehr. Knauth zitiert die Ministerpräsidentin mit den Worten: "Das Beste ist, wenn Ihr Euch gut amüsiert und Freude daran habt Indien und seine Kultur näher kennen zu lernen."

Die Ministerpräsidentin lud die deutsch-indische Delegation zu einem kleinen Imbiss ein. Als Dankeschön für die Einladung überreichten die Schüler Nürnberger Lebkuchen und auch einen FRG-Jahresbericht gab es für die Politikerin, berichtet Bettina Knauth aus Indien.


Erfolgsgeschichte mit Anlauf

Kontakte des Eberner Gymnasiums nach Indien bestehen bereits seit 2007. Damals war noch Dr. Kilian Popp Leiter des Eberner Gymnasiums. Er machte sich für die internationalen Beziehungen stark und hat unter anderem auch den Austausch mit China begründet.

Vor fünf Jahren hatten Schüler aus Ebern 20 000 Euro für die Tsunami-Opfer in Südindien gesammelt. Geld, mit dem später eine Schule in Vaniakudy gebaut wurde. Eine 28-köpfige Reisegruppe aus Ebern besuchte damals den Neubau.


Erster Austausch

Im Jahr 2009 kam es zu einem Austausch mit der "Trivandrum International School", einer internationalen Schule im südindischen Bundesstaat Kerala.
Aufgrund dieser früheren Kontakte war das Eberner Gymnasium direkt gefragt worden, ob Interesse an einer Teilnahme am Projekt "deutsch-indisches Klassenzimmer" der Robert-Bosch-Stiftung und des Goethe-Instituts besteht. Klauspeter Schmitt, der aktuelle Schulleiter, sagte begeistert zu. Die Stiftung unterstützt den Austausch finanziell.

Im Januar hatten sich die Lehrer bei einem Kurzbesuch im Januar kennen gelernt, bei dem die gemeinsame Bewerbung für das Projekt abgefasst wurde. Damals wurde auch ein wissenschaftliches Projekt fixiert, mit dem sich die Austauschpartner gemeinsam beschäftigen. Es geht um erneuerbare Energien und deren Akzeptanz in der jeweiligen Region. Ein topaktuelles Thema also. Im Frühsommer war eine Besuchergruppe aus Ghaziabad zu Gast in Ebern: Fünf Mädchen und 15 Jungen, und deren Lehrer Kala Nagarkoti und Geeta Badh.

Auch wenn die indischen Austauschpartner selbst gerade erst mit dem Deutschunterricht in der Schule begonnen hatten, die Verständigung in den Gastfamilien bereitet den Jugendlichen aus den Haßbergen kaum Problem. Englisch ist in Indien Amts- und Bildungssprache. Allerdings klingt indisches Englisch ein wenig anders, als das Schulenglisch hierzulande, mussten die Gymnasiasten immer wieder feststellen.