Seit fast 15 Jahren hat er im Landratsamt Haßberge ein gewichtiges Wort mitzureden, wenn es um Bauvorhaben geht: Kreisbaumeister Herbert Schäfer. Am Dienstag hatte er seinen letzten Arbeitstag und wurde von Landrat Wilhelm Schneider in den Ruhestand verabschiedet. "Der Job war sehr verantwortungsvoll und abwechslungsreich. Es war nie langweilig", zieht er Bilanz.
Herbert Schäfer ist in Wipfeld aufgewachsen und lebt heute mit Familie in Sand. Nach seinem Architekturstudium in München trat er 1983 beim Finanzbauamt Würzburg in den öffentlichen Dienst ein und wechselte 1992 zum Landkreis Haßberge - hier in den kreiseigenen Hochbau; seit 2004 ist der 63-Jährige Kreisbaumeister und leitet den Fachbereich "Bautechnik".
Als Kreisbaumeister widmete sich Herbert Schäfer insbesondere den Belangen der Erhaltung und Weiterentwicklung der Baukultur und setzte sich für nachhaltige Ortsentwicklung ein. Er war erster Ansprechpartner für eine kompetente und unabhängige Beratung von Kommunen und Bauherren zu grundsätzlichen planerischen und gestalterischen Fragen sowie Handlungsmöglichkeiten. Dabei stand vor allem das Bewahren städtebaulicher Qualitäten im Vordergrund.


Gestaltete Heimat

"Jedes Haus, jedes Gebäude ist ein Stück gestaltete Heimat und trägt zur regionalen Baukultur bei", erklärt Schäfer. Ganz gleich, ob im Ortskern, in Siedlungs- oder Gewerbegebieten - ein gut gestaltetes Gebäude bedeutet Lebensqualität. Der Landkreis ist ländlich geprägt; jede Gemeinde hat ihren Charme. "Anonyme Neubauten wie in großstädtischen Siedlungsgebieten sind bei uns kaum zu finden. Doch leider greifen auch bei uns immer mehr Bauherren zu Standardlösungen, die sich nicht in die gewachsenen Strukturen einfügen", bedauert der Kreisbaumeister.
"Ein individueller gut gestalteter Neubau bereichert das Ortsbild; ein seelenloser lieblos gestalteter Bau bewirkt das Gegenteil."
In der Bevölkerung wird die mangelnde architektonische Qualität bei Neubauten oft beklagt. "Ursache ist hier aber nicht eine lasche Haltung der Behörde", stellt der Architekt klar, sondern das geänderte Baurecht, das der Gebäudegestaltung nur nachrangigen Stellenwert beimisst.
Hinzugekommen sei, dass sich die Einstellung der Bauwilligen gegenüber den Behörden stark veränderte. "Bauherren wollen sich nicht mehr viel vorschreiben lassen", kennt Schäfer Grenzen seiner Beratung. "Deswegen werden Bebauungspläne auch teilweise als Eingriff in die persönliche Freiheit gesehen", so seine Erfahrung. Äußerungen wie "Ich ziehe doch nicht in ein Haus mit rotem Ziegeldach" oder "Entweder ich darf mein Haus mit schwarzem Walmdach bauen oder ich baue gar nicht" seien keine Seltenheit.
Eine weitere Aufgabe des Kreisbaumeisters ist es, Baupläne auf Verstöße gegen die technischen Bauvorschriften der Bayerischen Bauordnung zu prüfen. Da geht es um Brandschutz, Sicherheit, Gebrauchstauglichkeit der geplanten Gebäude und Nachbarschutz. "Rechtlich gesehen, stellt meine Stellungnahme dann eine Beratung meiner Kollegen der Verwaltung dar", berichtet Schäfer.


Die Wünsche der Bauherren

Ein Schwerpunktthema ist ferner der Brandschutz, besonders im Industriebau oder im Schulbau. "Hier geht es darum, die rechtlichen Forderungen mit den Wünschen der Bauherren in Einklang zu bringen oder auch über verantwortbare Abweichungen von Vorschriften gebrauchstaugliche Lösungen zu ermöglichen." Exemplarisch nennt der Kreisbaumeister die Dreibergschule Knetzgau. "Das neue Lehr- und Lernkonzept war nur durch die enge Abstimmung zwischen Brandschutzplaner und dem Bauamt zu verwirklichen."


Investitionsfreundliches Klima

Auch im Industriebau stelle eine gute Zusammenarbeit mit den Unternehmen die Basis für ein investitionsfreundliches Klima dar. "Überzieht die Behörde die Vorschriften, schreckt sie Investoren ab", weiß der Fachmann. "Werden die Kosten für die behördlichen Auflagen, zum Beispiel aus dem Brandschutz, teurer als die Baumaßnahme selbst, baut keiner mehr."
Egal ob Altbau oder Neubau: "In der Architektur gibt es immer viele Lösungen, das Reizvolle ist es, einen Kompromiss zu finden", so Herbert Schäfer. Dem Kreisbaumeister war es wichtig, allen Bauherren auf gleicher Ebene zu begegnen, Architekten und Ingenieure als Partner zu sehen und das Ziel, den Bau eines Gebäudes schnell zu ermöglichen, nicht aus den Augen zu verlieren. "Ohne Zweifel ist es mühevoller, einem Bürger bei der Lösung seiner Probleme zu helfen, als ihn mit Zitaten aus dem Baurecht abzuspeisen, aber es hilft, ein positives Bild der Verwaltung aufzubauen", ist er überzeugt. Jedes Problem stelle eine Herausforderung dar, Neues kennenzulernen und Wissen zu erwerben.


"Gesetze bürgerfreundlich ausgelegt"

Bei der Verabschiedung im Landratsamt Haßberge bedankte sich Landrat Wilhelm Schneider laut Pressemitteilung der Behörde bei seinem langjährigen Kreisbaumeister für die verantwortungsvolle und zuverlässige Arbeit. "Bei den Kolleginnen und Kollegen sind Sie geschätzt, beliebt und geachtet", stellte der Kreischef fest. Daneben sei es Herbert Schäfer gelungen, das Vertrauen der Bauherren, Planer, Architekten, Baufirmen und Schulleiter zu gewinnen. "Sie haben die verschiedenen Interessen der Bauwilligen und die des Heimatschutzes zusammen geführt und die Gesetze bürgerfreundlich ausgelegt." Für den neuen Lebensabschnitt wünschte der Landrat ihm alles Gute.
Nachfolger von Herbert Schäfer ist Thomas Will, der beste Voraussetzung für diese neue Aufgabe mitbringt. Nach der Ausbildung zum Bauzeichner studierte er Bauingenieurwesen. Als Bauleiter im Hochbau sammelte der 52-Jährige weitere berufliche Erfahrungen.
Im Anschluss absolvierte er allerdings dann die Ausbildung zum Versicherungsfachmann und war drei Jahre selbstständig tätig.
Seit Dezember 2006 ist er beim Landkreis Haßberge im Kreishochbau als Bauingenieur tätig und hatte bereits sechs Jahre lang die Stellvertretung der Leitung des Sachgebietes inne. Thomas Will ist verheiratet und hat zwei Kinder.