Eine "Institution" verlässt das Haßfurter Schulzentrum. Für den beliebten Hausmeister Norbert Jäckisch beginnt ein neuer Lebensabschnitt. Der 61-jährige gebürtige Gemeinfelder geht nach 32 Dienstjahren in die Freistellungsphase der Altersteilzeit.
Kim Davey und Jörg Gramlich organisierten als Lehrer spontan eine kleine Verabschiedung. Geschickt sorgte die Lehrerin unter einem Vorwand dafür, dass "Nobby", wie der Hausmeister liebevoll genannt wird, nicht mitbekam, wie sich die rund 1000 Schüler des Regiomontanus-Gymnasiums ins Freie bewegten. Mit einer großen La-Ola-Welle und Beifall wurde er völlig überrascht.
Handwerker, Seelentröster und Ratgeber ist er in einer Person, und von ihm wollte sich jeder Schüler mit Handschlag verabschieden. Der künftige Rentner erhielt den "Goldenen Hammer" als Abschiedsgeschenk.
Eigentlich hatte Norbert Jäckisch nicht gewusst, ob die Hausmeistertätigkeit das Richtige für ihn ist, als er den Job bekam. Nach seiner Lehre zum Gas- und Wasserinstallateur wurde er mit 23 Jahren der jüngste Meister seines Faches. Wenige Jahre später folgte die Meisterprüfung im Spengler- und Heizungsbauerhandwerk. 13 Jahre arbeitete Jäckisch in Hofheim, bevor er 1986 ans Schulzentrum kam. Schnell ins Herz geschlossen hatten ihn Schüler wie Lehrer. Er strahlte Ruhe aus und verteilte, sein Markenzeichen, Lollies. Vor Prüfungen, zu Weihnachten, an Geburtstagen - alleine im letzten Schuljahr 12000.


Herz für die Schüler

"Nie habe ich einen Schüler zum Chef bringen müssen, weil er etwas angestellt hatte", resümierte Jäckisch. "Das haben wir immer unter uns geregelt." Die "Strafarbeit" sah so aus, dass der Betreffende ihm bei einer handwerklichen Tätigkeit helfen musste. Jäckisch war Vertrauensperson. So beobachte er beim Pausenverkauf, bei dem ihm seine Frau Jutta zur Seite stand, wie ein Junge plötzlich immer nur ein blankes Brötchen für damals 20 Pfennig kaufte. Der Schüler erzählte ihm, dass seine Eltern kein Geld hätten, weil sie gebaut haben und der Vater plötzlich arbeitslos wurde. Bei "Nobby" bekam der Bub fortan ein mit Wurst belegtes Brötchen für seine Groschen. Nach etwa einem halben Jahr kam der Schüler und sagte: "Du musst mir nichts mehr geben, mein Papa hat eine neue Arbeit gefunden."
"Pädagogisch wertvoll" wirkte er im Hintergrund: Ein Mädchen kam heulend auf ihn zu und berichtete von Hausarrest und Fernsehverbot wegen schlechter Noten. "Nobby" gab den Tipp, den Lernstoff nur einmal gründlich durchzulesen anstatt ihn sterotyp zu pauken. Fünf Monate später kam die Mutter des Mädchens mit Pralinen und berichtete, dass ihre Tochter durch die Lernmethode nun auf einer Drei stand und sich somit um zwei Notenstufen verbesserte. Die Liste der Anekdoten ließe sich beliebig weiterführen.