Die Frauenstimme dringt wie ein stetes Stakkato durch die Wand: "Eins, zwei, drei, jaaaa, und hoch das Bein!" Die Stimme gehört Uta Möller-Reuß, der Inhaberin der Haßfurter Ballettschule On Point. Sie gibt gerade Unterricht, während sechs ihrer Schülerinnen im Übungssaal nebenan von ihren Vorbereitungen auf den Dance World Cup in Portugal erzählen.

Denn auch, wenn das Trainingslevel für einen Teil der Schülerinnen hochgestuft wurde, muss der Betrieb der Tanzschule weitergehen. "Wir fliegen extra erst am Dienstag, den 1. Juli los (der World Cup dauert von 29. Juni bis 5. Juli, Anm.d.Red.) damit die Mädchen so lange wie möglich die Schule besuchen können", erklärt Gisela Rausch. Sie ist die gute Seele der Ballettschule, verwaltet das Büro und hat die sechstägige Reise geplant.

Die Teilnahme am Wettbewerb in Portemao an der Algavre ist Ehrensache. Schließlich ist der Dance World Cup der größte und bekannteste internationale Tanzwettbewerb für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene bis 25 Jahre. Etwa 3000 Kinder und Jugendliche tanzen dort dieses Jahr in acht verschiedenen Kategorien vor.
Er findet jedes Jahr in einer anderen Stadt in einem anderen Land statt. Teilnahmeberechtigt sind Schüler privater Ballettschulen, Tanzschulen oder Vereine, die sich über einen offiziellen nationalen Tanzwettbewerb in ihrem jeweiligen Land qualifiziert haben.

Die Ballettschule On Point hat sich bei einem der fünf offiziellen Regionalwettbewerben in Selb qualifiziert. In der Klasse "Gruppe Gesang und Tanz" haben die Mädchen mit "Be our guest" den ersten Platz belegt und bekamen dafür außerdem den Wanderpokal für den Gruppentanz mit der höchsten Punktzahl. "Denn hatte On Point noch nie!", erzählt Lara Appel stolz. Die 15-Jährige und die fünf anderen Mädchen treten als Chor der Dienstmädchen in "Be our guest" auf. In dem Musicalstück aus Walt Disneys "Die Schöne und das Biest" tanzen und singen ein Kerzenleuchter, eine Kanne und eine Uhr die Hauptrollen, während der Chor im Hintergrund ebenfalls tanzt und singt.

Aufgeregt erst hinter der Bühne

Drei Minuten und 44 Sekunden dauert das Stück auf der Bühne. Eine Zeit, die nicht ansatzweise in Relation zu den Stunden steht, die die Mädchen bereits für ihren großen Auftritt geübt haben. Etwa vier Mal pro Woche kommen die Tänzerinnen zu der eineinhalbstündigen Probe, vor dem Flug nach Portugal sogar jeden Tag, auch am Sonntag. Ganz schön viel Disziplin für Mädchen zwischen 13 und 18 Jahren.

Die jungen Frauen sehen das nicht so. Sie lächeln nur und zucken mit den Schultern. Die meisten von ihnen tanzen, seitdem sie laufen können. "Das macht einfach sehr viel Spaß", erzählt Fee-Kristin Kießling. Die 18-Jährige ist die Älteste im Chor und findet es wie alle anderen toll, nicht nur zu tanzen, sondern gleichzeitig auch noch zu singen - obwohl sie das zuvor noch nie gemacht haben.

"Ein Mal in der Woche kommt eine Gesangslehrerin und übt mit uns", erklärt Lara Appel. Dann eilt sie mit den anderen Ballerinas in die Mitte des Übungsraumes, um eine tänzerische Kostprobe zu geben. Sobald die Musik einsetzt, weicht das Mädchenkichern einem professionellen Lächeln und selbstsicheren Bewegungen. Danach sind sie wieder Teenies, die sich gegenseitig versichern, noch überhaupt nicht aufgeregt zu sein. "Das kommt erst hinter der Bühne", versichert eine Dunkelhaarige.

Apropos Bühne: Weil der Dance World Cup so eine riesige Veranstaltung ist, haben die Tänzer keine Möglichkeit, ihren Auftritt auf der Bühne zu proben. "Wir stellen uns nur ein Mal davor und schauen, wo der Eingang ist. Das muss reichen", erklärt ein Mädchen ganz locker. Die Ballettschule On Point tritt mit sechs Tänzen an: einem Flamenco, dem klassischen "Tanz der Wäscherinnen", dem Gesangs- und Tanzstück "Be our guest" aus "Die Schöne und das Biest", einem Solo in Gesang und Tanz "Where you are" (Lorraine Bühl), einem klassischen Duett "Intensity" (Lorraine Bühl und Theresa Hauck) und einem modernes Duett mit dem Titel "I wanna dance with somebody" (Lorraine Bühl und Theresa Hauck).