Wilfried Neubauer, am Landratsamt Haßberge der Spezialist für das komplizierte Wirtschaftsgefüge, mit dem der Landkreis und seine Kommunen und Bürger an der Energiewende mitverdienen wollen, erläuterte am Dienstagabend im Gremium Hintergründe und gab detailliert Auskunft über Genossenschaft, Gesellschaft, Holding - bis sich bei manchem Stadtrat im Kopf alles drehte. Zumal auch Norbert Zösch, Chef der Haßfurter Stadtwerke, mit einigen Hintergrundinformationen aufwartete.

Gesellschaftsvertrag muss geändert werden

Beispielsweise muss die Gesellschaft "Städtische Betriebe Haßfurt" rein formal im Gesellschaftsvertrag ihren Unternehmensgegenstand erweitern. Bislang kümmern sich die Städtischen Betriebe um Altstadt-Garage und Freizeitzentrum (Freibad und Eissportstadion) und um den Auf- und Ausbau der Nahwärmeversorgung. Nun wurde die "Beteiligung an Unternehmen zur Förderung erneuerbarer Energien" in Paragraph 2 des Gesellschaftsvertrags aufgenommen, um rechtlich korrekt mit ins Boot einsteigen zu können.

Bürgermeister Rudi Eck (parteilos) hatte eingangs angesprochen, dass das Energie-Thema öffentlich lang und breit diskutiert wurde. Das zeigte auch die Sitzung, in der über die Grundprinzipien Konsens bestand. Allerdings formulierte Karl-Heinz Eppelein (CSU) zur bereits gegründeten Bürgergenossenschaft Kritik, die er an die Adresse von Wilfried Neubauer schickte, einem der drei Geschäftsführer der GUT (Gesellschaft zur Umsetzung von erneuerbaren Technologieprojekten):

Dass die Gründung in solch kleinem Kreis im Landratsamt erfolgte, beweise wenig Bürgernähe; man hätte auch Leute, die nicht aus dem Kreistag stammen,wählen können.

Neubauer machte darauf allerdings nachvollziehbar verständlich, worum es ihm bei der quasi ersten Besatzung der Bürgergenossenschaft gegangen sei. Zuallererst bedeuteten die Posten jede Menge Arbeit, und zwar "deutlich mehr als zwei, drei Stunden pro Woche", und dazu seien sie auch noch ehrenamtlich, unterstrich er.

Er wollte außerdem vor allem Fachleute, die sich mit dem Genossenschaftsrecht auskennen: Oskar Böhm, der Geschäftsführer, kommt von der Baugenossenschaft Haßfurt, auch Rudi Eck kennt sich damit aufgrund früherer beruflicher Erfahrungen gut aus. Hans-Georg Häfner und Wolfgang Borst sind wiederum Elektro-Spezialisten ("Photovoltaikanlagen sind ja auch einmal unser Ziel").

Neubauer betonte ferner, es seien Ämter auf Zeit, und in drei Jahren, wenn die Anfangsphase geschafft sei, könne man ja leichter in anderer Besetzung weitermachen.

Petra Schilling (CSU) fragte noch nach den Kosten für Management und Sekretariat. Die seien in der Wirtschaftlichkeitsberechung eingeplant, antwortete Neubauer. Schillings weitere Frage nach der Rentabilität beantwortete Norbert Zösch, der den Strompreis in den Blickwinkel rückte. 30 Prozent etwa koste die Energie selbst, 30 Prozent fielen auf die Netzentgelte und die letzten 40 Prozent seien Abgaben und Steuern.

Selbst wenn der Bau eines Umspannwerkes nötig ist und es ein Management braucht: Die Region werde ihren Strompreis selbst bestimmen können, zeigte sich Zösch überzeugt. Es sind die 30 Prozent Energie, die man abschöpfen kann. Und auch der Bürger, der jetzt nicht investiere, werde einen Nutzen von den niedrigeren Strompreisen haben, bejahte er die Frage von Schilling.

Zösch rechnet mit geringeren Kapitalkosten in acht bis zehn Jahren. Die ersten Renditen gebe es sicherlich in drei bis fünf Jahren. Neubauer merkte an: Es stünden jetzt schon etliche Privatleute vor seiner Türe, um 100   000 Euro zu investieren.

Eine Gegenstimme

Und um es nicht zu verschweigen, gab es auch eine Gegenstimme von Elisabeth Hutzel (FDP/Freie Bürger). Kurz listete sie ihre Gründe auf: Die Atomkraft bestehe weiterhin in den Nachbarstaaten, Probleme würden nur verlagert; die Auswirkungen der Windkraftnutzung auf Mensch und Natur seien noch nicht hinreichend erforscht, nur Offshore-Windkraftanlagen seien akzeptabel, und schließlich wolle sie nicht gegen den erklärten Willen der Bürger handeln, die sich in der Gemeinde Riedbach gegen die Windkraft ausgesprochen hätten.