Haßfurt muss und soll sich verändern und weiter an Attraktivität für die Bürger, die Wirtschaft und die Touristen gewinnen. Welche Verbesserungen denkbar und notwendig sind, hat die "Freie Planungsgruppe 7" mit verschiedenen Gutachtern, dem Stadtrat, der Verwaltung, Vertretern der wichtigsten Gruppierungen des städtischen Lebens und 38 Bürgern erarbeitet. Alle Handlungsvorschläge sind in das "Integrierte Städtebauliche Entwicklungskonzept" (ISEK) geflossen, das der Stadtrat am Montag in seiner Sitzung einstimmig beschlossen hat.
Die Stadt Haßfurt hat sich vorgenommen, die Sanierung in der Altstadt fortzusetzen, und wurde in das Bund-Länder-Förderprogramm "Aktive Stadt- und Ortsteilzentren" aufgenommen. Um in den Genuss von Fördermitteln zu gelangen, war die Erstellung des ISEK nötig.
Nach vielen Vorbereitungen fand im September 2012 die Auftaktveranstaltung statt. Etwa 100 Bürger verdeutlichen damals, welche Handlungsfelder und mögliche Projekte ihnen besonders am Herzen liegen. Danach beschäftigten sich vier Arbeitskreise mit den Themen "Städtebau und Mobilität", "Wohnen und soziale Infrastruktur", "Tourismus, Kultur und Naherholung" sowie "Arbeit, Handel und Dienstleistungen". Aus den Ergebnissen wurde ein Konzeptentwurf gefertigt, den jetzt im Stadtrat Petra Zeese von der "Freien Planungsgruppe 7" (FP7) aus Stuttgart erläutert. "Dieses Konzept ist nicht starr, sondern soll eine Arbeitsanleitung für den Stadtrat sein", betonte sie. "Es enthält langfristig orientierte und integrierte Entwicklungs- und Handlungsleitlinien, um die Lebensqualität und Attraktivität der Stadt zu sichern und zu stärken." Als Oberbegriff habe man das Motto "Mainstream" gewählt, weil Haßfurt am Main liege und damit punkten könne und weil die Stadt im "Fluss" beziehungsweise auf dem Weg sei.
An erster Stelle der Leitlinien stehe das Thema "Stadt am Main", weil die Aufwertung der Uferbereiche und angrenzender Stadtquartiere ein großes Potenzial für attraktive Wohnstandorte und die touristische Entwicklung bietet, sagte die Expertin. Auf den weiteren Plätzen lägen die Sicherung und Entwicklung der Versorgung und des Einzelhandels in der Innenstadt, die Optimierung des Innenstadtverkehrs, Umstrukturierungen in den Stadtquartieren, der Ausbau von attraktiven Wohnformen sowie Versorgungs- und Betreuungsangeboten, die Sicherung von Arbeitsplätzen und der Ausbau des Tourismus'.
Zur besseren Orientierung wurden sämtliche Vorschläge in Prioritäten eingeteilt. Außerdem wurde der jeweilige Umsetzungszeitraum von kurz- über mittel- bis langfristig skizziert.
Die Planungen umfassen im Wesentlichen den ehemaligen Ezo-Standort, Floriansplatz, Hafen, Bahnhofsumgriff, Untere Vorstadt und die westliche Promenade, das Salesianum, einen Teil der Hauptstraße sowie die Brückenstraße.

Stadtrat hat das letzte Wort

Welche Vorschläge schließlich umgesetzt werden, liegt in der Hand des Stadtrats. Zunächst wird er im Herbst dieses Jahres das entsprechende Sanierungsgebiet festlegen und den Förderantrag für 2014 stellen. "Wir entscheiden danach, was sinnvoll, notwendig, förderfähig und finanzierbar ist", betonte Bürgermeister Rudi Eck und gab bekannt, dass Ende Oktober/ Anfang November eine Bürgerversammlung stattfinden werde.

Weitere Punkte aus dem Stadtrat

Würdigung Der Haßfurter Stadtrat hat Werner Holzinger verabschiedet. "Wenn man wie ich so lange und mit so viel Engagement dabei war, ist der Abschied eine schwere Sache und ich gehe mit sehr viel Wehmut", sagte Werner Holzinger (SPD), der nach fast 30-jähriger Tätigkeit als Stadtrat von seinen Kollegen und Bürgermeister Rudi Eck mit stehenden Ovationen am Montagabend verabschiedet wurde. Holzinger hatte sein Mandat im März dieses Jahres aus gesundheitlichen Gründen niederlegen müssen. Zuvor hatte Bürgermeister Rudi Eck betont, dass Werner Holzinger in den fast 30 Jahren einen großen Teil seines Lebens und seiner Freizeit "mit sehr viel Einsatz zum Wohl unserer Stadt und aller Bürger, auch des Landkreises, ausgefüllt" habe. Das verdiene hohen Respekt.

Baugebiet Speziell für die Wünsche von drei Bauwerbern, die fünf Wohnhäuser errichten möchten, hat der Stadtrat die Aufstellung eines Bebauungsplans für das Wohngebiet "Hundsrück" im Norden von Wülflingen beschlossen. Zwar sieht der Flächennutzungsplan eine Wohngebietsfläche auf 4,5 Hektar vor. Doch zum einen ist das Gebiet als Ganzes schwierig zu erschließen, und zum anderen gibt es derzeit keine weitere Nachfrage nach Bauplätzen. Daher, so Bürgermeister Eck, soll nur eine Fläche von 1,2 Hektar erschlossen werden, die sich in privater Hand befindet. Eine weitere, spätere Erschließung sei dabei nicht gefährdet.

Finanzen In der Sitzung bestätigte der Stadtrat die Beschlüsse des Finanz- und Hauptausschusses. So wird die Stadt Haßfurt in diesem Jahr das Mehrgenerationenhaus in Haßfurt unter der Trägerschaft des Bayerischen Roten Kreuzes, Kreisverband Haßberge, mit 37 540 Euro fördern. Der Verein "Bibelwelten" Haßfurt erhält 21 143 Euro als Zuschuss zu den Gesamtkosten in Höhe von 211 432 Euro für seine "Jesus-Ausstellung" im Keller des Kupsch-Marktes in Haßfurt. Weiterhin wurde das von der CSU-Fraktion beantragte Förderprogramm für Investitionen zur Erhaltung, Erneuerung, Verbesserung und Neuschaffung von Bausubstanz zur Wohnnutzung in den Altorten der Kernstadt und der Stadtteile genehmigt. Schließlich beschafft die Stadt Haßfurt in einem Rahmenvertrag mit dem Bezirksfeuerwehrverband Unterfranken 20 Fahrzeug- und 58 Handfunksprechgeräte für die Freiwilligen Feuerwehren im Stadtgebiet für den erweiterten Probebetrieb zur Einführung des Digitalfunks im Wert von rund 85 000 Euro.

Kultur Wie Bürgermeister Rudi Eck in der Sitzung des Stadtrats mitteilte, hat die Stadt Haßfurt vom Bezirk Unterfranken den Zuschlag für die Ausrichtung der "Unterfränkischen Kulturtage" und des "Tages der Franken" im Jahr 2020 erhalten. Bezirksrat und stellvertretender Landrat Siegmund Kerker habe in dem Schreiben erklärt, dass der Kulturausschuss des Bezirks auf seinen Vorschlag hin beide Veranstaltungen nach Haßfurt "aufgrund der herausragenden kulturellen Arbeit in den letzten Jahren" vergebe.

Idee Stadtrat Stephan Schneider (SPD) regte an, einen Familienbeauftragten im Stadtrat zu wählen. Rudi Eck erwiderte, dass dies der neue Stadtrat nach den Wahlen im nächsten Jahr beschließen sollte.

Kritik Stadträtin Elisabeth Hutzel verlangte, dass sich der Stadtrat öffentlich von der Spielhalle, die im Bahnhof in Haßfurt eingerichtet werden soll, distanziert. Bürgermeister Eck stellte fest, dass der Bauantrag genehmigt wurde. "Damit ist das Thema erledigt."