Der Stempel auf jedem Scheit Brennholz ist noch eine Vision, aber ansonsten halten die Gütesiegel schon Einzug ins heimische Wälder -und damit auch die Anglizismen: FSC-Zertifizierung lautet so eine Formel, die finanzielle Erfolge verspricht, verliehen vom Forest Stewardship Council), einer internationalen Einrichtung mit Sitz in Bonn, die ihre Späher durch den Stadtwald und den Forst der Unterpreppacher Körperschaft streifen ließen.

Das Resultat dieser Spionage: Anerkennung für die Waldarbeit in den zurückliegenden Jahrzehnten, die mindestens bis auf Forstamtsleiter Willy Bergmann zurückgeht."Der hat das kreiert", wie Forstamtsrat Wolfgang Gnannt, Eberns Revierleiter, anerkennend feststellte. Deren Vorarbeit und das Gütesiegel führen nun dazu, dass für die Stämme bessere Preise erzielt werden. Aber keine bange: Es wird nicht jeder Baum mit einem Zettel drapiert. An einem Findling am Steinberg prangt ein Schild: "Dieser Wald ist ausgezeichnet" - ein Prädikat, das für sämtliche Stadtforsten gilt.

Themen, die sich Gnannt seit Jahren zu Herzen genommen und zum Credo erhoben hat: Naturgemäße Waldwirtschaft mit Naturverjüngung und standortgerechten Pflanzungen, ohne Kahlhiebe, mit mittelfristiger Planung und ausgebildetem Personal sowie einem Leitsatz - "Wald vor Wild".

Bürokratie treibt Blüten

Dass die Bürokratie dennoch ihre Blüten treibt, zeigte sich bei einem Gespräch mit Gnannt und den nachgeordneten Unternehmern Thomas Birklein aus Bramberg und Georg Ebert aus Reutersbrunn, deren Betriebe sich ebenfalls den kritischen Augen der Juroren stellen mussten, um vom Deutschen Institut für Gütesicherung ihre RAL-Urkunde zu erhalten. "Zu mir kam ein Förster aus Niedersachsen, der sechs Stöcke in ganz unterschiedlichen Waldabteilungen genau untersuchte."

Doch damit nicht genug: Sicherheits- und Umweltaspekte wurden abgeprüft, ebenso arbeitsmedizinische Untersuchungen vorgenommen. Von der Sägerhose bis zum Öl-Auffangbecken und selbst so soziale Aspekte wie die angemessene Bezahlung der Beschäftigung musste nachgewiesen werden. "Und das wird jetzt jedes Jahr wiederholt."

Holzrücker Georg Ebert musste seine Maschinen, Kräne und Seilwinden präsentieren, die Reifen wurden ebenso kontrolliert wie die Verwendung von Bio-Öl und das Vorhandensein aller notwendigen Sperrschilder.
Macht bei so einem Paragrafen-Dschungel die Arbeit im Wald eigentlich noch Spaß? Birklein und Ebert nicken im gleichen Takt:"Wir haben ja schon vorher nach solchen Standards gearbeitet, auch um unsere Leute zu schützen, denn wenn etwas passiert wäre, hätten wir haften müssen."

Jetzt haben sie halt ein Papier mehr und ein Gütesiegel in der Hand - und vielleicht ein paar Euro mehr auf dem Konto, denn als zertifizierter Betrieb dürfen sie höhere Preise verlangen. Gleiches gilt auch für den Förster beim Holzverkauf, weil es aus einem FSC-Wald kommt. Das lässt auch in der Zukunft üppige Erlöse erwarten, erwirtschaftet im heimischen Wald. Zuletzt lag der Überschuss bei 80 000 Euro. Kämmerer und Bürgermeisters haben ihre Freude am Wald.