Eine ältere Dame, die die versammelten Herrschaften zunächst aus einigen Metern Abstand beobachtet hatte, wagte sich dann doch etwas näher heran. "Was soll das denn sein?", fragte die Frau den Reporter des Fränkischen Tags und zeigte auf die verhüllte Stahlsäule unweit des Marktplatzes in der Haßfurter Innenstadt. Mit der Antwort "ein Geodätischer Referenzpunkt!" wollte sich die Frau nicht zufrieden geben. "Hä?", entgegnete sie. "Des is nix für mich." Sie winkte ab und zog von dannen.

Sperriger Name

"Der Name ,Geodätischer Referenzpunkt' klingt zwar etwas sperrig", räumte Landrat Wilhelm Schneider (CSU) ein, "aber wir werden uns daran gewöhnen." Und der praktische Nutzen sei ohnehin unumstritten: Man könne nun "mit einem Klick die Zuverlässigkeit unserer Geräte überprüfen". Denn darum ging es bei der Veranstaltung am Freitagvormittag, zu der Finanzstaatssekretär Albert Füracker eingeladen hatte. "Gib mir einen festen Punkt - und ich werde die Welt aus den Angeln heben" - mit diesem dem antiken griechischen Mathematiker Archimedes zugeordneten Zitat ging Füracker auf das Thema ein. Der Landkreis Haßberge und die Stadt Haßfurt habe jetzt einen solchen festen Punkt. "Dass wir jetzt deswegen gleich die Welt aus den Angeln heben, das erwarte ich nicht", sagte Füracker. Aber Fixpunkte seien im Allgemeinen von Bedeutung, wenn es um Orientierung gehe.

Genauer navigieren

Mit Hilfe des Geodätischen Referenzpunkts können GPS-Geräte (GPS steht für "Globales Positionierungs-System" via Satelliten) auf ihre Genauigkeit überprüft werden. Nutzen bringt es Leuten, die zum Beispiel ein Navigationsgerät gebrauchen, wie etwa Wanderer und Radfahrer, die an dem Punkt vorbeikommen.
Auch für Geocaching (eine Art Satelliten-gestütztes Schatzsuche-Spiel) ist der Punkt von Bedeutung. Mit einer geeigneten App (zum Beispiel der BayernAtlas-App vom Vermessungsamt) kann die GPS-Genauigkeit etwa des eigenen Smartphones bestimmt werden.

Leise Vorahnung

Wie Gerhard Hartmann, der Leiter des Vermessungsamtes in Schweinfurt, bei der Einweihung des Referenzpunktes erklärte, hat die Stadt Haßfurt die Säule finanziert (die endgültige Rechnung ist noch nicht vorhanden, preislich bewegt sich der Referenzpunkt nach Angaben der Stadt bei einigen 100 Euro). Als Hartmann sich deswegen an Bürgermeister Günther Werner (WG) wandte, um sich zu bedanken, sorgte er mit einer Anekdote für einige Lacher: Es sei für ihn vorhersehbar gewesen, dass Werner eine politische Laufbahn einschlagen würde, sagte Hartmann. Denn das jetzige Stadtoberhaupt habe schon zu seiner Zeit als Schüler am Haßfurter Gymnasium durch sein versiertes politisches Wissen geglänzt. Woher er das wisse? "Meine Ehefrau war seine Banknachbarin", erklärte Hartmann und sorgte damit für einige Lacher in der Runde.