VON Dominik Schreiner

Saftig grün ist der Rasen oberhalb des Ebelsbacher Ortsteils. Die Atmosphäre hier ist ruhig. Ab und zu kann man lautlos ein Golfcart zwischen den Hügeln rollen oder ein weißes Flugobjekt durch die Luft zischen sehen. Je nachdem, wer den Schläger in der Hand hält, landet der kleine, mit 300 bis 450 kleinen Dellen versehene Ball dann auch früher oder später in einem der 18 Löcher.

Vom Clubmeister zur Bundesliga

Bei Florian Straßheimer aus Sand dauert das meist nicht sehr lange. Denn der 22-Jährige ist der Vorzeigespieler des Golfclubs Haßberge. Fünf Mal hat er in den letzten sieben Jahren die Clubmeisterschaft gewonnen. Aber die dürfte für ihn inzwischen relativ langweilig geworden sein, denn er spielt nur noch selten auf dem Platz in Steinbach. Inzwischen vertritt er den Frankfurter Golf Club in der Bundesliga. Und dort läuft es prächtig. Er und seine Mannschaftskollegen haben dieses Jahr gute Chancen, Titelverteidiger St. Leon-Rot die Krone abzuluchsen.

In zehn Jahren zum Handicap 0,1

Das hätte sich die Straßheimers sicher nicht erträumt, als sie vor gut zehn Jahren zusammen mit ihm zum Schnuppergolfen auf den neu eröffneten Steinbacher Golfplatz gegangen sind, und das erste Mal einen Schläger in die Hand gedrückt bekommen haben. Zwölf Jahre war er damals alt und hat sich schnell für den Sport begeistern können. "Es ist geil, wenn man den Ball dann irgendwann mal richtig weghauen kann", erinnert er sich. Als er dann gemerkt hat, dass durch das Training erste Erfolge zu verbuchen waren, und sein Spiel immer besser wurde, hat ihn der Ehrgeiz gepackt. Inzwischen liegt sein Handicap - diese Zahl beschreibt die Spielstärke eines Golfers und sagt aus, wie viele zusätzliche Schläge er zum Beenden der 18 Löcher im Vergleich zu einem Profi braucht - bei 0,1.
Ein Neueinsteiger fängt mit einem Handicap von 54 an. Nimmt er an Turnieren teil und schneidet gut ab, verbessert es sich. Es wird also nicht einfach abgeschätzt - die Zahl steht auf Papier. Gute Amateurspieler schaffen es auf ein Handicap von 20. Ein "Single Handicap", also unter zehn, erreichen nur die Wenigsten.

Eine anspruchsvolle Sportart

"Ohne ein gewisses Talent kommt man nicht in diese Sphären", meint Straßheimer, denn "Golf ist mit eine der schwierigsten Sportarten überhaupt."
Doch man muss nicht unbedingt zu den Besten gehören wollen, um Golf zu spielen: "Es macht einfach Spaß. Ich kann jedem empfehlen, es einmal auszuprobieren", sagt er. Das Schöne an der Sportart sei auch, dass es etwas für die ganze Familie ist. Körperlich muss man nicht unbedingt ein Spitzensportler sein, und ein Sonntagnachmittag auf dem Golfplatz macht Jung und Alt gleichermaßen Spaß.
Denn Golf sei nicht, wie oft angenommen, ein Altherrensport. Und auch die häufig astronomisch geglaubten Kosten halten sich - zumindest in Steinbach - in Grenzen. Gerade für Jugendliche seien die Jahresbeiträge im Golfclub extrem billig. Kampfsport oder Fitnessstudio kosten da eindeutig mehr.

Der Sport wird immer populärer

Straßheimer will mit Vorurteilen aufräumen und darauf hinweisen, dass die Sportart keineswegs nur Schnösel und Neureiche anziehe, sondern dass man auf dem Platz meist ganz normale Leute finde.
Denn Golf wird immer mehr zum Breitensport. "Es hat neben Fußball die größten Zuwachszahlen in Deutschland", sagt er. Und 2016 wird es das erste Mal seit über 100 Jahren wieder eine Disziplin bei den Olympischen Spielen sein.

Probieren geht über studieren

Wer jetzt neugierig geworden ist und sich das Ganze einmal selbst anschauen möchte, kann das bei Ramon Männel tun. Er ist der sogenannte "Pro" des Platzes - der Golflehrer - und bietet jeden Sonntag Schnupperstunden an. Zur Zeit betreut er rund 25 Neueinsteiger und schaut auch alteingesessenen Spielern, die ihr Handicap verbessern wollen, ab und zu über die Schultern.
Will man auf dem Golfplatz spielen, muss man zuerst einen Platzreifekurs absolvieren, in dem man Verhaltensregeln und technische Grundlagen lernt. Drei bis vier Wochen dauert das. Danach darf man sich dann auf dem Platz probieren.