Bettler und Gaukler haben sich angesagt. Auch viele Handwerker - wie etwa Hufschmiede, Besenbinder, Rauchfangkehrer. Und viele mehr wollen dabei sein, wenn am 7. und 8. September (Samstag und Sonntag) im wunderschönen Schlossareal in Gleisenau eine außergewöhnliche "Historische Zeitreise" vom Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert stattfindet mit Gruppen aus ganz Deutschland. Sie umlagern die Kulisse des fast 250 Jahre alten Schlosses.

In Szene gesetzt

Die zweitägige Veranstaltung ist der Höhepunkt der 650-Jahr-Feier des Ebelsbacher Gemeindeteils Gleisenau. Hauptverantwortlich für die aufwendige Organisation ist Gabriele Schöpplein, die bereits vor neun Jahren das "Historische Treiben" anlässlich des 1200-jährigen Bestehens von Ebelsbach bestens ins Szene gesetzt hat.
Seit zwei Jahren kümmert sich die Leiterin der (Jugend-) Kunstschule "ars vivendi" um die Vorbereitung der Veranstaltung. Unter anderem waren "endlose Internetrecherchen" notwendig, um für die einzelnen Jahrhunderte geeignete Gruppen, Musiker und Akteure zu finden. Natürlich kamen ihr die noch bestehenden Verbindungen von 2004 zugute. Doch auch neue Kontakte, etwa bei einem Weihnachtsmarkt in Berlin, beim Mittelaltermarkt in Goslar oder beim Burgfest in Kronach hat sie geknüpft. Zahlreiche weitere Aufgaben mussten zudem erledigt werden. "In den letzten Wochen klingelte bis spät in die Nacht das Telefon", sagt Gabriele Schöpplein und hofft jetzt, "dass sich meine Arbeit lohnt und sehr viele Menschen zum Fest kommen. Hoffentlich spielt auch das Wetter mit."

Vergangenheit vermitteln

Sie will in erster Linie "Vergangenheit unserer Region" vermitteln. "Die Besucher können durch die Geschichte unseres Landes und durch die Jahrhunderte wandern", betont die Künstlerin und fügt hinzu: "Das ist etwas komplett Neues gegenüber anderen historischen Festen. Es geht nicht nur um einen historischen Markt. Es gibt auch keinerlei Kommerz." Alle anderen aktiven Teilnehmer sollen Geschichte darstellen und die Handwerker alte Berufe entdecken. Sämtliche rund 200 Akteure tragen historische Gewandungen. Tagsüber garantieren Aktionskünstler und Gaukler mit Jonglagen, Bogenschießen, Ritterturnieren, Feldschlachten sowie Schaukämpfen mit Kanonenfeuer ein umfangreiches sowie vor allem kurzweiliges Programm. Auch die Kinder kommen auf ihre Kosten, denn der Zirkus Lauenburger, ein Puppentheater, ein Schattentheater im Gewölbekeller, eine Kinderturnierbahn, ein Bauchladentheater, ein orientalischer Märchenerzähler sowie eine alte Schule sind zu bestaunen. Angeboten werden zudem historische Gesichtsbemalungen und historische Basteleien.

Feuer, Kerzen und Laternen

Bei Einbruch der Dunkelheit tauchen Feuer, Kerzen und Laternen das Schlossareal in geheimnisvolles Licht. Dann startet zudem das große Abendprogramm mit Feuershows. Höhepunkt ist das Konzert mit der Mittelalterband "Irrlichter" auf der Seebühne und den irisch/ schottischen "Saufliedern" in der großen Taverne.
Die Gruppe "Irrlichter" besteht aus vier Frauen, die sich der Musik aus vergangenen Zeiten und fernen Welten widmen. Das vom Westdeutschen Rundfunk und Unicef ausgezeichnete Ensemble begeistert das Publikum mit mitreißenden Tänzen aus Mittelalter, Renaissance, anzüglichen Liedern, tragischen Balladen und mit märchenhaften Kompositionen.
Die in ihrer ausgefallenen Form gestalteten Zelte sind derweil mit authentischem Mobiliar ausgestattet: Bänke und Hocker, mit Fellen bedeckte Betten und große Truhen - "viel mehr war damals nicht notwendig", betont Gabriele Schöpplein. Über offenem Feuer, in einem großen Kessel, werden Speisen zubereitet. Auch hier können die Gäste das historische Besteck und die speziellen Schalen sehen, die in früheren Zeiten genutzt wurden. "Die historischen Gruppen, die Lagerleute in ihren Gewändern, stellen den Alltag ihrer Zeit dar", erklärt die Organisatorin und lädt alle ein, sich das Treiben und die tägliche Arbeit, die verrichtet werden musste, hautnah anzuschauen. "Hierbei kann viel über lang vergangene Zeiten in unserer Region erfahren werden", sagt sie. "Das ist Geschichte hautnah erleben."

Seiler und Schlitztrommelbauer

Händler und Handwerker wie Büttner, Schlitztrommelbauer, Seiler, Korbflechter, Steinmetze, Kräuterweiber, Bierbrauer, Weberinnen und viele andere geben Einblick in teils ausgestorbene Berufe. Authentisches Handwerk wird groß geschrieben.
Zahlreiche Handwerker demonstrieren ihr Geschick in der Ausübung ihrer Handwerkskunst. Historische Werkzeuge, gepaart mit dem Wissen um deren Einsatz beim Herstellen von Waren verschiedener Art, gibt es zu bewundern. Freilich ist bei der "Historischen Zeitreise" nicht nur Anschauen erlaubt. Kinder und Erwachsene dürfen sich auch selbst in verschiedenen Handwerken versuchen. Mehrmals täglich finden historische Vorführungen statt: Tänze aus verschiedenen Jahrhunderten, Musikdarbietungen, Modenschauen, Bettler, Theater sowie Nachtwächter, wilde Horten.
Beginn ist am Samstag um 14 Uhr. Eine Stunde später ziehen dann die Ehrengäste und die Gemeinderäte in barocken Gewändern mit Fanfaren und Trommeln ein. Am Sonntag öffnen die Pforten nach einem Festgottesdienst (10 Uhr) bereits um 11 Uhr. Für Erwachsene kostet der Eintritt fünf Euro, für Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren drei Euro. Die Zweitageskarte kostet acht Euro (vier Euro). Kinder unter 14 Jahren können die "Historische Zeitreise" kostenlos erleben. Auf der Internetseite www.ebelsbach.de führt ein Link zur "Historischen Zeitreise". Dort gibt es weitere Informationen, und es sind viele Bilder zu sehen.
Bereits am Freitagabend, 6. September, ist in der evangelischen Kirche die offizielle Eröffnung der 650-Jahr-Feier von Gleisenau, an der auch Landrat Rudolf Handwerker, Vertreter der Regierung von Unterfranken und weitere Gäste teilnehmen. Im Mittelpunkt steht ein Festvortrag von Roland Mayer, Vorsitzender des Heimatgeschichtlichen Arbeitskreises.