"Hier besteht keine Gefahr, dass gepanschte Mittel verabreicht wurden", sagte Apotheker Bernd Köber aus Schweinfurt, dessen Apotheke das Krankenhaus exklusiv mit Krebswirkstoffen beliefert. Die Haßberg-Kliniken sind die einzige Instanz, das im Kreis krebskranke Menschen behandelt.

Es waren Fälschungen im Umlauf. Nach Medienberichten handelte es sich unter anderem um die Krebs-Präparate Herceptin und Alimta. Außerdem steht das Präparat Remicade auf dem Index, das Mediziner gegen Rheuma, Morbus Crohn und Schuppenflechte einsetzen.

Keine betroffenen Chargen

Vor Kurzem wurden Krankenhäuser, Arztpraxen und Apotheken in ganz Deutschland vom zuständigen Paul-Ehrlich-Institut informiert, welche Chargen von Medikamenten im Verdacht stehen. Die Schweinfurter "Apotheke Gartenstadt" von Bernd Köber war von der Rückrufaktion nicht betroffen: "Wir hatten keine der verdächtigen Chargen auf Lager". In seiner Apotheke in Schweinfurt werden Krebsmedikamente für die Haßberg-Kliniken gelagert.

Dass Medikamente der zurückgerufenen Chargen noch in Umlauf sind, hält Köber für ausgeschlossen. "Ärzte und Apotheker, die die Präparate weiter verwenden, würden sich damit strafbar machen", sagte Köber. Außerdem könne niemand Fachkundiges behaupten, die Informationen der zuständigen Behörde verpasst zu haben.

Inhaltsstoffe ausgetauscht

Die betroffenen Präparate stammten nach Medienberichten aus italienischen Kliniken, aus denen sie in großen Mengen gestohlen wurden. Inhaltsstoffe seien zum Teil gegen handelsübliche Chemotherapeutika ausgetauscht oder stark verdünnt worden. Illegale Firmen haben sie in ganz Europa vertrieben.

Laut Bernd Köber erkennt man manipulierte Medikamente an ihren Verschlusskappen: "Ein erfahrenes Auge sieht, wenn da etwas verändert wurde." In seiner Schweinfurter Apotheke arbeiten sechs speziell geschulte Mitarbeiter mit den Wirkstoffen. Aufgefallen sei ihnen bislang nichts. "Wir hatten auch keine Rückmeldung bezüglich einer veränderten Wirkung", sagt Köber. Er versicherte die Vorsicht seines Unternehmens im Umgang mit Medikamenten und warnte gleichzeitig vor Panik.

Nach Informationen der Stuttgarter Zeitung gelangten gefälschte Medikamente über sogenannte Reimporte in den deutschen Handel. Die Vertriebsnetze von Medikamenten-Herstellern umgehen die Händler dabei: Sie kaufen die zugelassenen Arzneimittel zum im Ausland günstigeren Marktpreis ein, um sie mit Gewinnen in Deutschland wieder teurer zu veräußern. Ein Riesengeschäft auf Kosten schwerstkranker Patienten.

Welche Medikamente vom Rückruf betroffen waren oder sind, ist auf der Webseite des deutschen Paul-Ehrlich-Instituts sowie auf der Seite des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte im Detail nachzulesen.