"Interreligiös" hatten die Leiterinnen, Carolin Schuler (VHS) und Katrin Ruppert (Diakonie), diesen Kochkurs besonderer Art überschrieben, und so standen auf dem Koch- und Speiseplan Rezepte, die um Ostern kreisten.
Als Hinführung wurde zunächst mit den Teilnehmern aus Syrien und Afghanistan über Sinn und Inhalt des christlichen Osterfestes gesprochen, ebenso über Osterbräuche und Traditionen hier in Deutschland. So war es für die Menschen, die in einem völlig anderen, nicht christlich geprägten Kulturkreis aufwuchsen, neu zu erfahren, dass Ostern das älteste und wichtigste Fest der Christen ist. Sie erfuhren etwas über Fastenzeit und Karwoche, über Jesu Leiden, Hinrichtung und den christlichen Glauben an seine Auferstehung.
Wie fremd Ostern den Menschen in Syrien oder Afghanistan ist, zeigte sich auch daran, dass auch mit Smartphone-Hilfe dafür gerade noch die arabische Bezeichnung "eyd alfash" herauszubekommen war, für Osterlamm oder Osterbrunnen aber nichts.
Dann ging es daran, Gruppen einzuteilen und die Rezepte zu besprechen. Zu Ostern gehört in Deutschland das Osterlamm zur Erinnerung an das Passahfest der Juden, aber auch als Symbol der Reinheit und der Friedfertigkeit. Also wurde von einer Kochgruppe Lammkeule mit Rosmarinkartoffeln und Butterbohnen vorbereitet. Die Köchinnen und Köche wuschen und schälten Kartoffeln, putzten Bohnen und bereiteten sie schmackhaft zu.
Eine andere Gruppe buk Osterlämmer und Osterhasen in entsprechenden Backformen. Sie stellten einen passenden Rührteig her und füllten diesen in die Formen. In einer dritten Gruppe schließlich wurden für die Nachspeise aus dünn gewalztem Teig Kekse in Osterhasenformen ausgestochen. Unterstützt wurden die aus ihrer Heimat geflüchteten Basema, Mezkin, Shirin, Anina, Kamor, Khalida, Mohammed, Jehan usw., also Männer, Frauen und Kinder, von mehreren Mitarbeitern aus dem Helferteam Asyl. Nach Meinung von Katrin Ruppert wäre es schön gewesen, wenn Teilnehmer auch über diesen Helferkreis hinaus gekommen wären.
Menschen begegnen sich, sie tauschen sich aus, indem sie miteinander kochen und essen. Jehan Youssef, vor mittlerweile drei Jahren aus Syrien gekommen, lebt mit ihrem Mann in Deutschland. Sie äußerte sich sehr erfreut darüber, dass sie in dem vergleichsweise kleinen Ebern leben kann. Hier habe sie Menschen kennen und mögen gelernt. Dies wäre ihr wahrscheinlich in der Anonymität einer Großstadt nicht möglich gewesen.
Wie Jehan erfuhren die Teilnehmer im praktischen Tun viel über Traditionen in Deutschland und in anderen Ländern. In dem Bewusstsein, dass gemeinsames Essen, Erzählen und Feiern Menschen über die Grenzen von Religion, Kultur und Nationalität hinweg verbindet, hatten die VHS und die Diakonie der Haßberge zu dieser christlich-islamischen Begegnung eingeladen.
Wie die beiden Leiterinnen der Aktion berichten, sollen diesem ersten Kochkurs in Ebern weitere folgen, sowohl in anderen Orten wie Haßfurt, Hofheim oder Zeil als auch zu anderen Themen wie Fastenbrechen, Hochzeit, Taufe oder auch weiteren christlichen und muslimischen Jahresfesten. Die Art, mit welcher Freude und Spaß das gemeinsame Tun am Herd und dann bei Tisch angenommen wurde, versetzte Carolin Schuler und Katrin Ruppert in Begeisterung und machte ihnen Mut, die geplanten weiteren Vorhaben im Landkreis umzusetzen.