Stefan Paulus wirkt euphorisch. Kein Wunder, der Bürgermeister der Gemeinde Knetzgau im unterfränkischen Landkreis Haßberge hat Großes vor. Seine Vision: Der Main soll Marke werden. Möglich machen will das die Initiative "Gemainsam", der sich bereits mehr als 100 Gemeinden, Landkreise und Institutionen angeschlossen haben. Das Ziel formuliert Paulus so: "Alle Main-Anrainer müssen sich vernetzen, um die Region nachhaltig voranzubringen." Touristisch, wirtschaftlich, kulturell. Bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Aber erste Schritte sind getan.

Um bestehende Aktivitäten entlang des Flusses zu strukturieren und neue zu etablieren, braucht es laut Paulus einen zentralen Koordinator. Bestenfalls angegliedert an ein Staatsministerium der Landesregierung in München, aber mit Ansprechpartnern vor Ort. "Der Main soll sichtbar werden, weit über die Grenzen hinaus", sagt er. Das gelinge nur, wenn alle Akteure rund um den Fluss zusammenarbeiteten. Beispiele für solche Regionenprojekte gebe es viele, so Paulus. "Da reicht schon ein Blick in die Alpen oder an den Neckar."

Besucherzentrum soll Fluss vermarkten

Paulus' Vision entstand aus der Idee heraus, in Knetzgau ein Maininformationszentrum (MIZ) zu errichten. Modern, digital, interaktiv - so könne der Fluss endlich die Aufmerksamkeit erhalten, die er verdient. Von Touristen ebenso wie von Einheimischen.

Baupläne liegen bereits vor und eine Machbarkeitsstudie schafft Mut, das Millionenprojekt tatsächlich stemmen zu können. Für eine einzelne Gemeinde ist das Mammutprojekt MIZ allerdings zu groß, alleine der horrenden Kosten wegen. "Wir könnten loslegen. Wir brauchen nur noch jemanden, der es baut", sagt Paulus auf München verweisend. "Wir haben dem Freistaat den Ball auf den Elfmeterpunkt gelegt."

Hier kommt "Gemainsam" ins Spiel. Voraussetzung für das MIZ ist ein stabiles Netzwerk von Main-Anrainern. Im ersten Schritt sollen alle Initiativen erfasst und neue Ideen angeregt werden. Wichtig ist den Machern der Austausch nicht nur mit Fachleuten, sondern auch mit den Bürgern vor Ort. Sind gemeinsame Ziele gefunden, lassen sich Projekte schneller und kosteneffizienter abstimmen. So das Kalkül.

Auf der Agenda stehen Themen wie Hochwasserschutz, Wasserlauf, Artenvielfalt und Tourismus. "All diese Punkte interessieren die Menschen von Kulmbach bis Aschaffenburg", so Paulus. Um sich eine solche, etwas abstrakt klingende Mainregion besser vorstellen zu können, nennt der Bürgermeister konkrete Beispiele, die die Strahlkraft weit über die Grenzen hinaus erhöhen sollen: sei es die Erweiterung des Radwegenetzes, Wasserspielplätze, Anlaufstellen für Elektroboote, das Freischlagen des Ufers, um den Fluss sichtbarer zu machen, und nicht zuletzt das geplante MIZ als multimedialen Anziehungspunkt.

Keine Parallelstrukturen

Welche Projekte schlussendlich auch immer gestartet werden: Den Initiatoren ist es in diesem Zusammenhang wichtig zu betonen, keine Parallelstrukturen zu schaffen. Sie wollen alle an einen Tisch bekommen. Nur so könne man im Wettbewerb mit anderen Freizeit- und Kulturregionen bestehen.

Die nächsten Schritte erörtern die "Gemainsam"-Strategen am heutigen Freitag während des Bayerischen Wasserstraßen- und Schifffahrtstages in Bamberg. Ausgang offen. "Es gibt keine Blaupause", sagt Paulus. Aber er ist zuversichtlich. Nicht nur weil Staatsregierung und sogar Ministerpräsident Markus Söder persönlich von Beginn an positive Signale sendeten. Die Knetzgauer sind überzeugt: Wenn die Leute den Main als Teil ihrer Identität anerkennen, wird der Fluss wieder zu dem, wovon er sich über die Jahre entfernte: Heimat.