Die Ganztagsschule ist im Schulsystem angekommen, und doch passt vieles noch nicht zusammen - eine so gar nicht geplante Diskussion entwickelte sich in der jüngsten Sitzung des Zweckverbandes Schulzentrum, nachdem die Rektorin der Mittelschule Haßfurt, Susanne Vodde, einen aktuellen Bericht abgegeben hatte. Auch Landrat Rudolf Handwerker (CSU) wünschte sich vom Freistaat ein klares Bekenntnis und vor allem ein Konzept für "Ganztagsschule in neuer Form".

Über die Hälfte der Kinder

Rektorin Vodde berichtete den Verbandsräten, dass an der Albrecht-Dürer-Mittelschule Haßfurt mittlerweile über die Hälfte der Kinder bis in den späten Nachmittag unterrichtet oder betreut wird, je nachdem, ob sie die gebundene oder die offene Ganztagsschule besuchen. Beiträge, die früher für die offene Ganztagsschule fällig wurden, gibt es nicht mehr, die Eltern zahlen rund drei Euro täglich für das Mittagessen. 107 Mittelschüler besuchen die gebundene Ganztagsschule, die rhythmisierten Unterricht bis 15.30 Uhr anbietet, weitere 45 nutzen das Angebot der offenen Ganztagsschule.

Ein Teil der Eltern wählt trotz der höheren pädagogischen Förderung in der gebundenen die offene Version der Ganztagsschule. Susanne Vodde: "Manche Eltern bevorzugen diese Form, weil sie ihre Kinder nur tageweise anmelden wollen."

Zwölf zusätzliche Lehrerstunden

Jede gebundene Ganztagsklasse bekommt zwölf zusätzliche Lehrerstunden pro Woche. Die Hälfte davon wird benötigt, um den Nachmittagsunterricht abzudecken, die weiteren Stunden stehen zur Verfügung, um in kleineren Gruppen zu arbeiten oder den Unterrichtsstoff individueller und intensiver zu üben.

Das bringt für alle Schüler Vorteile und bessere Ergebnisse, bestätigte die Rektorin. Außerdem erhalten Ganztagsklassen ein Budget, aus dem sie sich externe Partner engagieren können. Schließlich soll im Ganztag auch Zeit sein für Musisches und Sport. So gibt es in Haßfurt Arbeitsgemeinschaften in Gong Fu, Basketball, Tanz, Zumba, Jugger, und "Style your life" nennt sich ein Angebot der Berufsvorbereitung; die Kreativ-AG trifft sich wöchentlich und für die neunten Klassen gibt es eine Prüfungsvorbereitung.

So weit, so gut, könnte man meinen, aber die Verbandsräte nutzten die Gelegenheit, sich grundlegend zu dem Thema zu informieren. So interessierte, ob vorwiegend Kinder von Alleinerziehenden die Ganztagsschule besuchen. Das sei so, bestätigte Susanne Vodde, und man bemühe sich auch, die meisten Bedarfslagen abzudecken.

"Kein Billigheimer"

Einige Alleinerziehende hätten aber das Problem, dass ihre Kinder um 15.30 Uhr den Unterricht verlassen und die Mutter oder der Vater später Feierabend haben. So müssten dann Verwandte, Bekannte oder Tagesmütter den restlichen Nachmittag abdecken.Warum die Eltern der Grundschulkinder noch zahlen müssen für Ganztag, das interessierte eine weitere Verbandsrätin. Dazu erklärte Grundschulrektorin Gisela Schott, dass die Ausrichtung von Grundschule und weiterführenden Schulen ein andere sei. An der Grundschule werde eine Mittagsbetreuung geboten. Diese gebe es auch noch später am Tag, wenn die Eltern das nachfragen.

Gutes kostet einfach Geld

Susanne Vodde betonte einmal mehr, dass die Ganztagsschule "kein Billigheimer sein kann". Der Sachaufwand sei deutlich höher und die pädagogische Ausrichtung verlange wesentlich mehr Anstrengungen vom Kollegium. Beide Schulleiterinnen würden sich ein geschlossenes System wünschen, das keine Abhängigkeiten von Regelschule und Ganztagsschule erfordert und in dem die Ausgangslage gleich ist. "Das wäre mein Traum, dass wir eine Ganztagsschule haben und ohne formale Hürden auf die Bedürfnisse der Schüler eingehen können", so Susanne Vodde.

Deutliche Worte sprach Landrat Rudolf Handwerker. Er machte keinen Hehl daraus, dass er den erreichten Stand für unzureichend hält. "Im Schulsystem in Bayern fehlt einfach die Konsequenz einzugestehen, dass man die Ganztagsschule in neuer Form braucht, und danach zu handeln. Wir haben zu geringe Ressourcen, und wenn die Kommunen nicht in Vorleistung gehen, bleiben wir oft auf halbem Weg stehen", erklärte er unumwunden. In die gleiche Richtung gingen auch die Wortmeldungen derjenigen Verbandsräte, die als Lehrkräfte tätig sind.
Übereinstimmend konnten Räte und Schulvertreter aber den Schluss ziehen, dass man in Haßfurt seit 2008 ein ganzes Stück vorangekommen ist. Susanne Vodde lobte denn auch den Zweckverband und seine Führung: "Mir ist noch nie ein vernünftiger Wunsch abgeschlagen worden, das findet man nicht überall."