Rudi Ruß nimmt es, so gut es geht, mit Humor: "Die haben ein Telefon", sagt der Sander Ortsobmann des Bayerischen Bauernverbandes über die Wildgänse, die seit einiger Zeit in seiner Gemeinde die Landwirte ärgern. Anders ließe sich kaum erklären, warum die Vögel von Jahr zu Jahr mehr werden. Da sagt die eine Gans der anderen Bescheid, wie schön es doch in Sand sei.


Den Vögeln geht es gut
Denn in dem Gebiet rund um den Baggersee in der Mainaue (nicht der mit dem Campingplatz) geht es den Tieren richtig gut. Sie können dort, so erklärt es Ruß, ungestört brüten und finden leicht Schutz vor Fressfeinden. Noch dazu richten ihnen die Sander Landwirte, die hier Wintergetreide, Rüben und Raps anbauen, ein Buffet der Extra-Klasse: "Die fressen alles auf", schüttelt Ruß den Kopf und zeigt ein Wintergerste-Feld, auf dem die Gänse kaum ein Pflänzchen haben stehen lassen.

Noch dazu haben sie den Boden so platt getrampelt, dass nicht mal mehr das Wasser abfließen kann. Die Schäden, die deswegen innerhalb der letzten drei Jahre entstanden sind, schätzt der Bauernverband auf einen Betrag zwischen 20 000 und 30 000 Euro. Zum Teil hat es laut Ruß bei der Ernte Totalverluste gegeben. Sechs Landwirte seien betroffen.


Pilotprojekt angekündigt
Glaubt man dem bayerischen Landwirtschaftsminister Helmut Brunner (CSU), dann ist eine Lösung für das Wildgänse-Problem in Sicht. Der Politiker war am Dienstagabend in Sand zu Gast und versprach Abhilfe.

Ein Pilotprojekt soll die Vögel ab dem Frühjahr stoppen. Der Minister hat schon bei der im November vergangenen Jahres gezeigten Sendung "Jetzt red i" im bayerischen Fernsehen zugesagt, die Sander zu unterstützen.
Wie der Bauernverband es gefordert hat, will Brunner die Landwirte gerechter entschädigen, und zwar auch für Verluste seit dem Jahr 2010. Zudem könnten die Bauern bereits Schäden ab 2500 Euro geltend machen. Zudem soll die Jagd laut Brunner "effizienter" gestaltet werden. Er ist überzeugt davon, dass die Gänsepopulation in Sand eingedämmt werden müsse. "Ich möchte von einer Plage sprechen", sagt der Minister. Auch Flächen sollen womöglich verändert werden, um den Gänsen das Brüten zu erschweren und Fressfeinden wie Fuchs und Marder einen Zugang zu den Brutinseln zu verschaffen.


500 Tiere, Tendenz steigend
Die Anzahl der Wildgänse in den Mainauen bei Sand schätzt der Bauernverband auf etwa 500 - Tendenz steigend. In dem Gebiet wurden Nil-, Kanada- und Graugänse gesichtet. Weil in dem Vogelschutzgebiet strengere Regeln zur Bejagung gelten, fordert der Verband Brunners Machtwort: Speziell zur Bejagung von Junggänsen, "da haben wir größte Schwierigkeiten, das genehmigt zu bekommen", sagte Kreisobmann Klaus Merkel.