Früher waren's es 1,7 Millionen Euro, aktuell sind's 1,3 Millionen. So viel hat sich FTE automotive die Ausbildung von jungen Fachkräften bislang nach eigenen Angaben im Jahr kosten lassen. An dieser Schraube wird gedreht - und zwar nach unten. Während viele Betriebe ob des demografischen Wandels um Nachwuchskräfte buhlen, hat die FTE-Geschäftsleitung per internem Firmenaushang angekündigt, fürs nächste Ausbildungsjahr keine Einstellungen vorzunehmen.

Vielmehr wolle man sich 2014 im Rahmen einer Fortbildungsoffensive auf Weiterbildungsmaßnahmen innerhalb der Stammbelegschaft konzentrieren und lege dabei den Fokus auch auf ältere und un-/angelernte Belegschaftsgruppen. "FTE kommt damit einer Forderung aus Politik und Gewerkschaft nach", heißt es in dem Aushang der Personalabteilung. Dazu würden auch die Kapazitäten des FTE-Ausbildungszentrums in Anspruch genommen. Auch würden duale Studienplätze vergeben. "Gewerblich-technische und kaufmännische Ausbildungsgänge werden im Jahr 2014 durch diese Fortbildungsmaßnahmen ersetzt", heißt es in dem Aushang wörtlich.

Noch vor wenigen Jahren versuchte man, junge Leute per Abend-Disco ins Werk zu locken und neugierig zu machen. Die Beteiligung am Girls' und Boys' Day sowie Praxis-Seminaren von Schulen war obligatorisch.
Allein die Übergabe der Ausbildungsverträge war ein Akt, der in ausführliche Berichterstattungen mündete und den besonderen Rang der Ausbildung bei FTE dokumentierte - und das Glück der Bewerber, beim Weltkonzern untergekommen zu sein.

Der größte Arbeitgeber im Landkreis war in den zurückliegenden Jahren mit Abstand stets größter Ausbilder im Stadtgebiet, wie es zuletzt auch bei Freisprechungen und Jubilarfeiern immer wieder gerühmt wurde. In Festansprachen wurde der Wert der Ausbildung im eigenen Haus betont, um damit den Bedarf an Fachkräften zu decken.

Seit Jahren preist Inlands-Personalleiter Olaf Fritsch die "fundierte Ausbildung" und schon im Oktober 2010 sagte er "für 2014 eine drastische und verschärfte Entwicklung auf dem Ausbildungssektor voraus, da die Zahl der Schulabgänger weiter zurückgeht".

Betriebsrat sucht Gespräch

Die Vorzüge des "Stallgeruches", der Erfahrung, hat auch Finanzvorstand Michael Schneider erst am Freitagabend bei der Jubilarehrung herausgestellt. "Wir sind ein tolles Team, mit erfahrenen und engagierten Mitarbeitern."

Da schwangen beim Betriebsratsvorsitzenden Jürgen Hennemann schon andere Befürchtungen mit, auch wenn er auf sich Anfrage unserer Zeitung aktuell nicht zu der Ankündigung per Geschäftsleitung äußern und erst weitere Gespräche abwarten wollte. "Wir hoffen noch auf ein Umdenken der Geschäftsleitung, denn so ein Signal wäre fatal."

Vor dem Hintergrund der Ankündigung der Geschäftsleitung entdeckt man hinter so mancher Bemerkung in Hennemanns ausführlicher Festansprache bei der Jubilarehrung manch versteckten Hinweis. "Für die Innovationsfähigkeit im Werk Ebern war die Ausbildung immer der Grundstock. Viele der Jubilare, die heute hier sitzen, waren selbst in der Ausbildung, haben hier als Azubis begonnen. Wir brauchen eine Erstausbildung bei FTE als Grundlage für Weiterbildung, aber auch um Nachwuchs an Fachkräften zu bekommen. Die demografische Entwicklung geht auch an FTE nicht vorüber, im Gegenteil. Weiterbildungsmöglichkeiten benötigen wir für die Beschäftigten zusätzlich zu einer Erstausbildung, um den neuen Anforderungen gerecht zu werden. Die zusätzlichen von der Geschäftsführung angekündigten Aktivitäten begrüßen wir", sagte der Belegschaftssprecher wörtlich und meinte damit die Qualifizierungsoffensive, schob aber nach: "Wir appellieren an die Geschäftsführung bei Ausbildung und Weiterbildung für die Beschäftigten in die gleiche Richtung zu agieren und mit dem Betriebsrat und der Jugendarbeitnehmervertretung in Verhandlungen über eine gute Zukunft der Ausbildung aufzunehmen."

Die Firma habe bereits in den 1990er Jahren als FTE schmerzlich erfahren, als - bisher einmalig in der Geschichte der Ausbildung am Standort - ein komplettes Ausbildungsjahr in der Krise nicht übernommen wurde, was negative Wirkung entfaltete: "Die Fachkräfte fehlten über längere Zeit im Unternehmen, die Bewerberzahlen für Ausbildungsplätze gingen massiv zurück und haben sich erst nach zehn Jahren wieder erholt", blickte Hennemann fast wie ein Personalchef zurück. "Das saß tief in der öffentlichen Wahrnehmung. Das brauchen wir nicht noch einmal."

FTE benötige für die Zukunft eine Ausbildung. Auch die Region brauche diese Ausbildung, um junge Menschen zu halten. Hennemann: "Davon hängt viel ab, wie sich die Zukunft für uns am Land weiterentwickelt, ob die Berufsschulen Bestand haben kann und vieles mehr."