Aufgeheizte Stimmung? Nur am Grill der Bratwurstbude. Darin wurde auch Schwerstarbeit geleistet, während die Davorstehenden mit einem Warnstreik ihren Unmut über das Tarifangebot der Metallarbeiter lautstark kundtaten. Für mehrere Stunden legten 550 von 600 Schichtarbeitern bei FTE automotive am Montagvormittag die Arbeit nieder und die Produktion lahm. Und mit dem Demonstrationsmarsch vom FTE-Werk zum Marktplatz wurde zeitweise auch der Verkehr in der Innenstadt in ein Chaos gestürzt, zumal sich einmal mehr ein 40-Tonner durch die Engstellen quälte.

Zu viel Druck macht krank

Dass der Weg zur Arbeit nicht zur Qual wird, forderte Betriebsseelsorger Frank Meixner. Während unmittelbar neben dem Versammlungsort rund um den Neptunsbrunnen von einem Zeitungskasten die Überschrift einer Boulevard-Zeitung mit dem Titel "So macht uns der Job krank" prangte, verwies Meixner auf Beispiele auf der Praxis, wonach immer mehr Kollegen in Nervenklinik landen würden. "Immer mehr Druck braucht kein Mensch."

Wichtiger sei eine angemessene Bezahlung, die auch für eine gute Rente sorge. Meixner: "Wir wollen ein Stück von der Torte und nicht nur die Krümel, die vom Tisch fallen. Um der Perspektivlosigkeit vorzubeugen, müssen wir auf die Straße."

"Auf die Pauke hauen" wollte Jugendsprecher Stefan Goldschmidt: "FTE erzielt stets hohe Gewinne - und uns speist man mit Schokoriegel ab", was Goldschmidt als Provokation empfang, weil "uns doch stets vorgehalten wird, dass wir uns nicht gesund ernähren". Das Angebot der Arbeitgeber fand der Jugendvertreter "naiv, lachhaft und indiskutabel" - "Wir wollen doch nur fünf Prozent und 60 Euro mehr für die Auszubildenden."

IG-Metall-Vollmächter Matthias Gebhardt dankte den Kundgebungsteilnehmer, dass "sie bei diesem Sauwetter zum Marktplatz raufmarschiert sind". Von 600 Beschäftigen auf der Schicht hätten 550 die Arbeit niedergelegt. "Das zeigt, dass die Belegschaft hinter unseren Forderungen steht und ökonomischen Druck auf die Arbeitgeber ausüben will."

Nach Überzeugung des Gewerkschaftsfunktionärs geht es den Firmen in der Region wie Bosch, FTE oder Schaeffler wirtschaftlich sehr gut. Sie hätten in 2012 die zweit- oder drittbeste Ergebnisse in den vergangenen 50 Jahren erzielt. "Es muss nicht immer Gold sein, Silber und Bronze reicht doch auch. Aber sie rücken nicht das Schwarze hinter den Fingernägeln heraus."

Dabei sei die Forderung nach 5,5 Prozent mehr für Bayern und Baden Württemberg "eher an der unteren Kante angesetzt". Das Arbeitgeberangebot von 2,2 Prozent rechnete Gebhardt mit Blick auf zwei Nullmonate auf 1,9 Prozent runter. "Das deckt nicht einmal mehr die Preissteigerungsrate ab."

Streik durchaus vorstellbar

Harsch ging Gebhardt mit einer Arbeitgeber-Behauptung ins Gericht, wonach in der Metallbranche im Durchschnitt 58 000 Euro im Jahr verdient würden. "Das ist unwahr, ich komme nur auf 39 600 Euro, aber wo ist der Rest?" Auch das Argument der Arbeitsplatzsicherung bei einem moderaten Tarifabschluss ließ der Gewerkschaft-Chef aus Bamberg nicht gelten: "Seit eineinhalb Jahren fordern wir bei FTE eine Standort- und Beschäftigungssicherung, reden uns aber nur den Mund fusselig."

Für den Fall, dass bei der nächsten Verhandlungsrunde am Dienstagabend wieder kein Ergebnis zu Stande kommt, kündigte Gebhardt Urabstimmung und Streik an. "Wir sind da nicht geil drauf, aber vorbereitet." Letztmals sei dies 1995 in Bayern der Fall gewesen.

Dass sich FTE die Lohnerhöhung leisten können, wusste Betriebsratsvorsitzender Jürgen Hennemann. "Egal, wer der Eigentümer ist, die Gewinne erwirtschaften doch wir", sagte zum Verkauf, von dem er am Morgen erfahren hatte.