Im Schloss Oberschwappach ist die Wanderausstellung "Vielfalt in der Einheit - Zisterziensische Klosterlandschaften in Mitteleuropa" im Rahmen des Europäischen Kulturerbejahres 2018 eröffnet worden. Die Ausstellung ist Teil eines internationalen Kooperationsprojektes, das die Primarabtei Morimond in Frankreich und fünf ihrer Tochterklöster betrachtet, darunter das Kloster Ebrach. Das Projekt beinhaltet die Spurenerforschung der Zisterzienser, welche durch umfangreiche Kulturlandschaftsinventarisierungen nun abgeschlossen wurde. Die Ausstellung ist am zweiten und dritten Adventssonntag von 14 bis 17 Uhr geöffnet.

Als Hausherrin ging Knetzgaus Dritte Bürgermeisterin Susanne Haase-Leykam in ihren Grußworten auf die Geschichte von Schloss Oberschwappach ein, das sie als heutiges kulturelles Zentrum im Landkreis bezeichnete. Ausstellungen, Konzerte und Vorträge bieten ihrer Meinung nach Raum, sich mit der Geschichte der eigenen Heimat auseinanderzusetzen. Das frühere Kloster Ebrach hatte Schloss Oberschwappach einst als Ebracher Sommerresidenz errichten lassen. Jetzt gehört es der Gemeinde Knetzgau.

Der Landkreis ist als Kooperationspartner an dem Projekt beteiligt. Stellvertretender Landrat Oskar Ebert erläuterte, was sich sowohl hinter dem Projekt selbst als auch hinter dem Europäischen Kulturerbejahr verbirgt. Vor vier Jahren wurde eine Vereinbarung der bayerischen Staatsregierung mit den Landräten des nördlichen Steigerwaldes getroffen, die Chancen des Steigerwaldes auf die Erlangung eines Unesco-Welterbet-Titels zu prüfen. Um die Chancen einer Prädikatisierung mit einem Kulturerbe-Siegel auszuloten, wurde in den Jahren 2015 bis 2016 eine sogenannte Kulturlandschaftsinventarisation für die Gebietskulisse des Steigerwaldes durchgeführt. Diese Forschungen lieferten die Erkenntnis, dass die größtmöglichen Chancen auf einen Welterbe-Titel für den Steigerwald bestehen würden, wenn sich die Klosterlandschaft Ebrachs auf den Weg macht und sich im Rahmen einer seriellen, transnationalen Bewerbung um das Europäische Kulturerbe-Siegel bewirbt. Hierzu waren laut Ebert die internationale Zusammenarbeit und der Aufbau internationaler Netzwerke für eine Anerkennung wichtig. Der erste Schritt in diese Richtung galt der Beteiligung am Europäischen Kulturerbejahr 2018.

Der Landkreis Bamberg übernahm die Projektträgerschaft unter Beteiligung verschiedener Partner. Im Projekt vernetzten sich die Klöster Morimond (Frankreich), Plasy (Tschechien), Zwettl (Österreich), Stift Rein (Österreich) sowie in Deutschland Waldsassen und Ebrach. In den beteiligten Regionen wurden im Rahmen des Projektes die Kulturlandschaften inventarisiert, um die Gemeinsamkeiten hervorzuheben. Die Ergebnisse daraus sind in der Ausstellung zu sehen, auf die Projektleiterin Birgit Kastner einging. Sie bezeichnete die Ausstellung als Leseausstellung mit Abbildungen und Texten, die in einer Broschüre festgehalten sind, um sie zum besseren Verständnis zu Hause in aller Ruhe nachlesen zu können.

Was die Zisterzienser seit dem Mittelalter schufen, prägt bis heute die Landschaften. Im Mittelpunkt der Ausstellungseröffnung stand der Fachvortrag "Landschaft lesen - auf Spurensuche in der Klosterlandschaft Ebrach" mit dem Referenten Thomas Büttner. Zu diesem Vortrag hatte das Kulturprojekt "Kunststück!" in Kooperation mit der Volkshochschule Landkreis Haßberge eingeladen.

Als Experte für die Spurensuche in der kulturellen Landschaft nahm Landschaftsplaner Büttner die interessierten Zuhörer mit auf eine Reise in die Klosterlandschaft Ebrach und deren Besonderheiten. Das Kloster Ebrach liegt im Naturpark Steigerwald, rund 35 Kilometer westlich von Bamberg. Die Abtei wurde 1127 im Mittleren Ebrachtal gegründet, die Büttner als die früheste und bedeutendste Gründung des Zisterzienserordens östlich des Rheins bezeichnete.