Den Firmennamen Rösler bringen viele Menschen in der Region mit pharmazeutischem Porzellan und technischer Keramik in Verbindung, vielleicht mit Möbelbeschlägen, Hüftprothesen oder aber Münzen. Kleinteile waren es in der Regel, mit denen die Firma große Umsätze und Zuwachsraten erzielte. Aber auch Großprojekte aus der Automobilindustrie, der chinesischen Münzproduktion sowie der Luft- und Raumfahrt gehören inzwischen längst zum Rösler-Repertoire.

Zu welch großen Taten das international aufgestellte Unternehmen aus dem Ortsteil von Untermerzbach heute tatsächlich fähig ist, hat es jetzt in der Ukraine bewiesen. An eine Gießerei dort lieferte Rösler eine Strahlanlage aus, in der bis zu 250 Tonnen schwere Gussteile gereinigt werden können. Solch ein Mammutprojekt hat das Untermerzbacher Unternehmen, das in 15 Niederlassungen weltweit über 1500 Mitarbeiter beschäftigt, laut einer Pressemitteilung der Firma Rösler noch nie konstruiert.

"Das ist auch für uns etwas ganz Besonderes, was mit viel Ingenieurkunst, Schweiß und Logistikaufwand verbunden war," heißt es dazu aus der Firmenzentrale in Unterfranken.

Die neue Anlage wurde an die Gießerei von PJSC Energomashspetsstal (EMSS) in Kramatorsk ausgeliefert, die sich auf immens große, schwere und komplexe Gussteile spezialisiert hat. Teile für Dampf- und Wasserturbinen entstehen hier, oder Hydrowellen und massige Traversen.

Klar, dass solche Unikate im Riesenformat vor der Auslieferung eine umfangreichen Qualitätsprüfung durchlaufen müssen. Die Oberflächengüte ist wichtig, um Risse und andere Mängel auszuschließen. Das gilt für Metallkolosse mit Ausmaßen von 12 mal 7 mal 5 Meter nicht minder, als für filigrane Stücke, wie sie in Memmelsdorf und Hausen vom Band rollen.

Die reine Oberfläche zählt

Um optimale Ergebnisse zu erzielen und einen möglichst hohen Reinheitsgrad zu erreichen werden die massiven Teile, die das Hütten- und Stahlwerk in der Ukraine für die Schwer-, Energie- und Kernkraftindustrie sowie für die Marine- und Verkehrstechnik fertigt, gestrahlt.

Und wenn es um strahlende Oberflächen geht, ist Rösler so richtig in seinem Element. Das fränkische Unternehmen konzipierte eine der größten Strahlanlagen überhaupt. Dabei galt es nicht nur zu klotzen, sondern ingenieurtechnisch auch zu kleckern, denn es galt, die Anlage exakt an die vorhandene räumliche Situation anzupassen.

Denn obwohl das Werk von (EMSS) sich auf ein 136 Hektar großes Areal erstreckt, musste die "Rösler-Durchlauf-Schienenstrahlanlage RDS 80/70", wie das fertige Monstrum offiziell heißt, bis auf wenige Zentimeter maßgeschneidert werden. Sie wurde laut Firmenmitteilung so genau ins Werksgebäude eingepasst, dass in verschiedenen Bereichen nur sehr geringer Abstand zu den Stützpfeilern der Halle besteht.

Die Anlage wurde so platziert, dass Teile auf einem Drehtisch über ein bestehendes Schienensystem von der Gießerei durch die Strahlanlage zur Qualitätskontrolle transportiert werden können. Acht Turbinen mit 22 kW Antriebsleistung bestrahlen die Werkstücke mit 2000 Kilo Strahlmittel pro Minute. Per Hallenkran können die Teile obendrein in der Strahlanlage gedreht werden, um gleichmäßige Ergebnisse zu erzielen. Bei sehr komplex gestalteten Gussteilen ist eine manuelle Nachbearbeitung möglich. Dafür wurden eine Druckstrahleinrichtung und Beleuchtung in die Strahlkammer eingebaut.

Mit manuellem Einsatz wie bisher hätte Energomashspetsstal (EMSS) solch effizientes Arbeiten nie erreicht. Jetzt geht es viel schneller und man spart die Hälfte des Strahlmittels. "Wofür früher mehrere Männer in Handarbeit Wochen benötigten, erledigen wir jetzt innerhalb weniger Stunden", stellt Igor Sapetko fest.Er ist Gießereileiter bei EMSS. Einerseits sei die Investition in das neue Strahlsystem einer Änderung des Produktionsprogramms geschuldet, andererseits habe man auch an die Mitarbeiter gedacht. Laut Sapetko wollte man deren Belastung durch Vibrationen, Staub und Lärm beim manuellen Strahlen reduzieren und den Umweltschutz im Unternehmen verbessern.Über die finanziellen Dimensionen des Mammut-Auftrags war bei Rösler zunächst nichts zu erfahren.