Wer Dorothee Bär direkt nach ihren Plänen für ihr Kostüm bei der fränkischen Fastnacht in Veitshöchheim fragt, erntet erst einmal ein Lachen. Den Spaß an der Überraschung will sie sich natürlich nicht nehmen lassen. Bei der ersten Anfrage über Twitter verrät sie immerhin schon einmal so viel: Es werde spektakulär, das Kostüm sei seit Wochen in Arbeit. Etwas mehr als eine rote Clownsnase oder eine bunte Krawatte wie bei manchen ihrer Kollegen aus der Politik darf man also schon erwarten.

Immer eine politische Aussage
Im Telefoninterview kann man der Staatssekretärin, die für Verkehr und Digitales zuständig ist, schon etwas mehr entlocken, das Ratespiel macht ihr sichtlich Freude. Ihr Kostüm etwa, gibt sie den Hinweis, treffe stets eine politische Aussage. Im letzten Jahr ließ sie sich vom Musical "Starlight Express" inspirieren - ein Querverweis auf ihre Arbeit im Verkehrsministerium.
 

In diesem Jahr wird sie - dem Parkett zuliebe - auf Rollschuhe verzichten. Das Fußwerk zu ihrem Kostüm sei keine Gefahr für den Boden, versichert sie. Aha, dieser Hinweis ist also schon mal nicht sehr hilfreich. Mehr hilft da der Vorstoß, ob ihr Kostüm thematisch zu ihrer Arbeit im digitalen Bereich passt. Wieder ein vielsagendes Lachen.

Fasching - eine körperlich anstrengende Angelegenheit
So eine Fastnachstsitzung inklusive aufwändiger Verkleidung ist nicht nur Vergnügen, sondern durchaus eine körperliche Herausforderung. Von Heimatminister Markus Söder, der ähnlich wie Dorothee Bär eine Vorliebe für extravaganter Verkleidungen pflegt, erzählt die Ebelsbacherin, dass er im Shrek-Kostüm sehr gelitten habe. Die Hitze im Saal zehrt an den Kräften, das hat auch Dorothee Bär als die Schöne aus "Die Schöne und das Biest" erfahren müssen.

Auf die Frage, ob ihr Kostüm in diesem Jahr luftiger wird, antwortet Bär etwas nebulös, dass sie die Wirkung der Scheinwerfer durchaus bedacht hat. An dieser Stelle bleiben dann nur Spekulationen, was ihre Verkleidung angeht, der Fragensteller ist nicht wirklich schlauer geworden. Kommt sie als Hashtag, der Twitter-Raute? Oder personifiziert sie auf irgendeine Weise den digitalen Wandel, etwa als galante Funkwelle? Vielleicht trifft ein kreativerer Geist den Nagel auf den Kopf - gespannt darf man sein.

Fasching - eine lebenslange Liebe
Die außergewöhnlichen Kostüme der Dorothee Bär sind dabei weniger der Politiker-Berufskrankheit der Selbstdastellung geschuldet, sondern vielmehr ihrer lebenslangen Lieben zum Fasching und zum Verkleiden an sich. Schon immer hat sie Faschingsveranstaltungen besucht, alljährlich etwa den Umzug in Eltmann.

Als Teenager, so erzählt sie, habe sie mit Freunden monatelang an aufwändigen Kostümen gebastelt. Damals sei vor allem begrenztes Budget eine Herausforderung gewesen. Themen wie Märchen oder Science Fiction wurden damals wie heute mit viel Begeisterung aufgegriffen.

Keine Angst vor humoristischen Tiefschlägen
Auf die Fastnachtsveranstaltung in den rundum erneuerten Mainfrankensälen freut sich Dorothee Bär schon sehr, vor allem auf Michl Müller, dessen Auftritte sie auch außerhalb der Fastnacht in Franken genießt.

Dass ihr das Lachen am Freitag in Veitshöchheim im Hals stecken bleibt, darüber macht sich Dorothee Bär keine Sorgen. Auf das aktuelle Spannungsfeld zwischen Satire und Religion angesprochen sowie die dadurch ausgelösten Debatten reagiert Dorothee Bär gelassen: Es sei wie immer eine Frage des guten Geschmacks. Man könne über vieles lachen, so lange es eben nicht unter die Gürtellinie gehe. Bei einer derart nieveauvollen Sendung wie "Fastnacht in Franken", die mittlerweile Achtung in ganz Deutschland genieße, müsse sie sich an keiner Stelle fremdschämen, erklärt Bär.